Keine Antwort…

Bizimköy, 9:29, Tag 663

Heute Nacht habe ich vom Warten auf zwei Zieharmonikabusse geträumt. Die Busse halten vor dem Apartment. Die Decke des Vordaches ist sehr niedrig. Kurz vor Abfahrt wache ich 5 Minuten vor dem Klingeln auf… und stehe auch gleich auf. Habe wieder am Strand meditiert, diesmal sogar vor Sonnenaufgang und mit einem badenden, raufenden, glücklichen Hundepärchen als Herausforderung für die Konzentration.

Entweder schreibe ich über etwas, ein Thema, Buch, Artikel oder Geschichte. Oder ich schreibe davon, was ich in dem Moment wahrnehme, wenn ich vorm Laptop sitze.

Entweder bin ich fokussiert und geschlossen, möchte ein gutes Ergebnis abliefern, vergleiche ständig mit einem Ideal in meinem Kopf und feile so lange an dem Stück herum, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Oder ich bin offen und verletzlich und vergleiche nicht, strebe kein Ergebnis, kein Ziel an.

In diesem scheinbaren Widerspruch fühle ich mich grade gefangen. Meine Gedanken können das nicht auflösen, ich finde gute Argumente für Beides. Und manchmal erkenne ich gar keinen Unterschied.

Heute liegen Welten zwischen beiden Einstellungen:

Vollkommene Offenheit, vollkommene Verletzlichkeit dem Leben gegenüber ist – und das mag uns überraschen – die einzig zufriedenstellende Weise, wie wir unser Leben leben können. ~Joko Beck, Zen im Alltag, S. 169

„Es bedeutet (aktives) Handeln aus einem Zustand des vollkommenen Annehmens heraus.“ Und genau das ist in etwa, was ich mit meinem oder oben meine. Mir fällt hier im Exil extrem auf, wie sehr egoistisch, egozentrisch, wie sehr ich alles mit einem imaginären Ideal vergleiche. Dieser Vergleich ist der Antrieb meines Handelns, ja meines Lebens. Noch.

Seit Jahren versuche ich bei mtc mehr Controlling, mehr Analysen, mehr Kennzahlen zu etablieren, weil scheinbar die Welt beschlossen hat, dass dies der Weg ist, wie Firmen einer bestimmten Größe professionell geführt werden sollten. Parallel erzähle ich, dass wir mit diesen Zahlen lernen müssen, schneller zu Scheitern.

Ich sage das natürlich nicht so direkt und auch nicht oft genug. Es ist auch nicht so, dass ich bereits einen Wandel erkennen kann. Also, es ist nicht so, dass mein kritisches Selbst, genügend Bewegung in Richtung des imaginären Ideals feststellen könnte.

Dann entdecke ich heute morgen hier diesen Online Kurs der UBC über „Creating and Managing Analytical Business Culture“ und den Satz, dass Angst die größte Herausforderung bei jeder Optimierung ist.

Fear that we’ll discover that our work isn’t as good as we think it is, fear that the very thing we have hung our skilled hats on is really an illusion. ~Marco Petkovski, www.teehanlax.com

So verbinden sich in meinem Kopf plötzlich verschiedene Welten miteinander. Die Worte Joko’s fusionieren mit den Worten Marco’s zu einem leuchtenden Etwas. Ein Gefühl der Einsicht, des Erkennens blitzt auf.

Doch sofort ist wieder alles Dunkel um mich herum.

Wie soll das gehen? Wie lange muss ich üben, was muss ich tun, damit ich meine Angst annehmen kann, ohne vor ihr weiter weg zu rennen? Ohne mich ständig vorsorglich zu verteidigen, durch mehr Controlling, durch mehr Aufträge und bessere Mitarbeiter? Ohne ständig zu befürchten, trotz allem, einfach nicht gut genug zu sein?

Und ich ahne, dass es keine Antworten auf diese Fragen geben wird.

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Wünsch Euch leise lächelnd einen annehmbaren Freitag!

 

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