Dekonstruktion von Wahrheit…

Bizimköy, 6:30, Tag 666

Heute Nacht erkannte mich jemand inmitten eines Chaos von Menschen, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wir treten auf die Strasse in einen Stau. Ein dunkler, grosser Bagger fährt langsam rückwärts heraus. Wir brauchen Geduld. Als die Strasse frei ist, wache ich auf. Ich steh gleich auf, meditiere am Strand und bin gelaufen.

Passend zum 666. las ich heute morgen als Saschas Freund von vielen seltsamen Menschen, die sich jetzt nach den „Enthüllungen“ rund um die NSA Überwachungen ihm melden, und denen er nicht zu helfen weiss.

Wenn jemand davon überzeugt ist, dass er überwacht wird und dass allen und jedem erzählt und um Hilfe bittet und das bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten: was liegt näher, ihn als seltsam, vielleicht gar verrückt zu erklären. Andere nennen solche tiefen Einsichten in die Realitäten unserer Welt Hochbegabung oder Erleuchtung, die Enthüllten nennen das meist Verrat.

Unsere westlich, aufgeklärte Gesellschaft hat sich bei seltsamen Menschen auf die Titel: paranoid, schizophren, wenn nicht verrückt, dann zumindest seltsam geeinigt. Nur so -in der Distanz- halten wir das aus. Nur so können wir anderen, normale Menschen einfach weiter machen, mit unseren eigenen Wahrheiten, mit unserem eigenen Leben.

Aber was passiert, wenn sich unsere eigenen, selbst konstruierten, massentauglichen Wahrheiten mit einem Aufschrei zerlegen?

Dann ermutigt das oft diejenigen, deren konstruierte Wahrheiten noch nie massentauglich waren, sich mal wieder zu zeigen, heraus zu wagen aus der Deckung und um Hilfe zu bitten.

Sascha schrieb im Mai darüber, dass es Google bei Ingress um nichts weiter als die Weltherrschaft durchs Daten sammeln geht. Zwei Monate später erkennen wir, dass unsere Regierungen und Institutionen genau das schon lange sehr gut verstanden haben. Es wurde quasi eingebaut in die Organisation und ins Internet, essentiell fürs Überleben und Identitätsbildung.

Nur sind wir selbst weiter massenkompatibel, angepasst und regelkonform unterwegs mit all unserer Aufregung um die die Überwachung.  Entweder dafür: die machen das doch nur wegen den Terroristen. Es geht um unsere nationale Sicherheit. Oder eben dagegen: unser Menschenrecht wird mit Füssen getreten, klarer Verfassungsbruch!

Was uns aber an diesen seltsamen Menschen anzieht (oder abstößt), ist doch, dass wir uns selbst erkenne, dass wir im Grunde genau so sind! Wir bemerken erst jetzt den Zusammenhang. Plötzlich rücken die Verrückten wieder näher. Plötzlich sehen wir die Verbindung. Und wir erschrecken uns, wir sind hilflos und fühlen uns überfordert…

Den besten Artikel über das Thema habe ich übrigens hier auf Medium gefunden.

Julian Assange is still a cranky extremist with a wacky digital ideology, but he doesn’t have to talk raw craziness any more, because the authorities are busy doing that for him. They can’t begin to discuss PRISM and XKeyScore without admitting that their alleged democratic process is a neon façade from LaLaLand. Instead, they’re forced to wander into a dizzying area of discourse where Julian staked out all the high points ten years ago. ~Bruce Sterling

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