Akçay, 8:00, Tag 675

Heute Nacht intensiv geträumt, bin viel wach geworden, halb 5 hätte ich meine Träume noch notieren können, hab ich nicht, nun sind sie vergessen.

Die Akkus waren alle, die von meinem FitBit und meinem iPhone. Den Fitbit hab ich die letzten 10 Tage immer in meiner Hosentasche gehabt. Mein iPhone hab ich gestern Nacht sogar noch an eine Steckdose angeschlossen, aber dabei irgend etwas übersehen. Ich war schon fast am Strand, als ich es bemerkte.

Ein kleiner brauner Strassenhund lief auf mich zu und mit mir mit. Er suchte Schutz vor einem grossen schwarzen Strassenhund. Ich war gerührt, als ich das bemerkte. Er drückte sich an meine Beine, er lief mit mit, immer an meiner Seite. Die Hunde beobachten sich gegenseitig. Als der grosse Schwarze immer näher kam, knurrte und bellte der kleine Braune in meinem Schutz. Seine feuchte Schnauze berührte immer wieder meine Waden. Ich ergriff Partei und knurrte mit. Ein anderer Morgenspaziergänger fragte helfend, ob das mein Hund sei, den ich da verteidigte. Ich lief weiter, der Kleine kam mit, der Grosse blieb nach langen 50m endlich zurück.

Als ich ein Foto vom Geretten machen wollte, bemerkte ich die leeren Akkus. Ich lief gehmeditierend zurück und setzte mich auf die Terrasse für eine lange, ruhige, konzentrierte Sitzmeditation. Und die leeren Akkus waren ein schöner Startimpuls.

Row, row, row your boat,
gently down the stream.
Merrily, merrily, merrily, merrily.
Life is but a dream.

Jeff Bridges spricht in dem Buch: The Dude and the Zen Master, das ich gerade lese, von kleinen Anpassungen/little Adjustments, die er beim Schauspielern immer machen muss:

For me, it’s (spiritual practice) like clicking into a particular space. You do that in acting, because you have to make lots of small adjustments: Okay, now play the scene this way, now play it that way. Each time you’re making an adjustment you’re clicking into a new space.
[…]
When you meditate, you also often make small adjustments to get back into the space of simply beeing.
~Jeff Bridges, S. 30, The Dude and the Zen Master

Ich habe an mein Bogenschiessen denken müsse, was mir ein lieber Freund und Mentor vor 20 Jahren mal gezeigt hat. Vor allem sollte ich auf die Haltung aller(!) meiner Muskeln achten, den Körper von oben nach unten durchgehen und die Stellung aller Gliedmassen und mir die Spannung aller meiner Muskeln einprägen. Dann sollte ich die Sehne freigeben, den Pfeil abschiessen. Wenn er daneben ginge, sollte ich immer nur eine winzig kleine Anpassung beim Zielen vornehmen. Aber das würde nur funktionieren, wenn ich alle anderen Muskeln wieder in den Zustand vom ersten Schusses bringen könnte.

Um irgend ein Ziel zu erreichen, ein Ergebnis zu erzielen, eine Aufgabe zu bewältigen, einen Schmerz zu ertragen, ein Leid zu beenden muss ich das ganz genau so machen. Erst beobachten ich mich selbst, analysiere, messe, dokumentiere. Und dann nehme ich eine kleine Anpassung vor. Das entscheidende dabei ist aber, dass ich lerne, mich selbst gut zu beobachten. Dazu muss ich mich von aussen sehen können.

Solche Tools wie FitBit, der meine Schritte, Treppen und Distanzen misst, oder wie mein Meditationstimer, der Zeitpunkt und Dauer meiner Zazens aufzeichnet, meine Morgenfotos, mit denen ich Stimmung und Wetter erinnern kann, helfen mir sehr dabei. Sie helfen mir vor allem, mich selbst besser kennen zu lernen, mich selbst zu beobachten und über die Zeit, die Wirkungen der kleinen Anpassungen zu bemerken.

Heute morgen nun, als diesen kleinen Helferlein der Saft ausgegangen war, wurde mir ihre Funktion für mich bewusst. Ich bemerkte, welche grosse Rolle sie für mich und die kleinen Anpassungen spielen.

Wenn es mir schlecht geht, länger mal schlecht geht, kann ich nur durch solche keinen Anpassungen am meinem Leben verhindern, dass schlecht ein Dauerzustand wird. Natürlich kann ich hoffen, dass es sich von alleine wieder legt. Natürlich kann ich mein Umfeld, meine Frau, Freunde, Kollegen, einen Arzt, Therapeuten, Trainer um Hilfe bitten. Diese Hilfe von Aussen ist nichts weiter, als dass wir andere um ihre Beobachtungen unserer Selbst bitten.

Eine der schönsten Erkenntnisse dieser Tage kam beim Lesen von Jeffs Worten, ich hab so viel selbst in der Hand, wenn ich lernen kann, mich selbst zu beobachten, zu verstehen. Mit diesen Gedanken und einem Bild verabschiede ich mich heute von Euch.

IMG_0016

Und wünsche Euch einen aufmerksamen Tag.

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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