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Archiv für

Breaking Good…

Berlin, 6:07, Tag 737

Heute Nacht, die Zweite in Folge mit ausreichend Schlaf, habe ich davon geträumt, wie schwer es manchmal sein kann, sich zu verabreden. Wir liefen durch einen herbstlichen Laubwald. Ich sollte einen Kollegen abholen und wir kamen auf immer neue Möglichkeiten, wo ich ihn aufsammeln könne, wo er hinkommen solle, was noch ginge, an welcher Autobahn- Ausfahrt, U-Bahnstation oder Strasse es noch alles möglich wäre, so dass ich immer ärgerlicher wurde.

Wir wateten durch einen stillstehenden Fluss, in dem welke Blätter schwammen. Keiner von uns beiden sagte: das ist es, so mache wir es. Am Ende wurde ich wütend, wischte alle Möglichkeiten vom Tisch und sagte enttäuscht, dann komm einfach so wie immer ins Büro. Da flog ein grosser Mühlstein durch die Luft und schlug neben uns in den Waldboden und ich wachte eine halbe Stunde vor dem Wecker auf…

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Bin schön ruhig und richtig ausgeruht. Die Heizung gluckert vor sich hin, ich ziehe die Decke über den Kopf und zähle glücklich meinen Atem.

Dabei kommen jede Menge Gedanken, Tagträume, Ideen für Probleme, Erkenntnisse und Wünsche. Ich kann mir beim Fühlen und Denken zuschauen. Immer wenn es zu viel wird, erinnere ich mich an meinen Atem und fühle kurz nach.

Wann entlüfte ich die Heizung? Wie verabrede ich mich wirklich mit dem Kollegen? Wie bleibe ich in der Woche weiter so ruhig? Schaffe ich es, immer dann meinen Atem zu zählen, wenn ich durch den Alltag rausche und wütend werde?

Unter meiner Decke bin ich sehr zufrieden mit mir und schaue noch optimistischer als sonst auf die Welt. Ich finde Erklärungen für viele Zustände, die mich sonst ärgern oder stören. Wenn ich zu verstehen scheine, verschwindet der Ärger und macht einer Art Gestaltungslust platz. Die aufkeimende Wut wird zu Entschlossenheit, die mich Notizen machen lässt.

Als dann der Wecker, also mein Armband 😉 surrt, springe ich auf.

Bereit zu grossen Taten! Bereit auszubrechen!

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Das ist kein Breaking Bad, nein! Das ist Breaking Good… Aufbruch in einen neuen Morgen, eine neue Woche, ein neues Leben!

As human beings, our greatness lies not so much in being able to remake the world as in being able to remake ourselves. ~Gandhi

Ich könnte Euch nun noch die neuesten Bilder vom zweiten Friedhof hier in der Nähe zeigen und dann kommentieren. Oder, da ich auch schon fast meinen Zwischenruf für unser nächstes All Hand so gut wie fertig habe, könnte ich auch davon schreiben. Und dann ist da noch so viel mehr! Ich freue mich richtig drauf…

Ojaaa, ich liebe Montage! Ich liebe das Aufbrechen, das Breaking Good am Morgen. Und wünsch Euch nun erst mal auch einen so grossartigen Start in die brandneue Woche…

Spiegel Online, mir reicht’s…

Berlin, 7:40, Tag 736

Heute Nacht bin ich wieder mal geflogen. Ein grosser Airbus wurde gelandet, ich schaute den Piloten im Cockpit zu, wie sie auf einer Strasse aufsetzten und dann auf dem Weg zum Terminal Kurven, anderen Autos und Häusern ausweichen mussten. Sie hatten ganz schön zu tun. Dann ging es ums Hemden bügeln, Wäsche aufhängen und die Interaktionen mit einer Gruppe von im RL Unbekannten Freunden. Ich wachte zu meiner Zeit auf, schlief aber herrlich bis kurz vor Sonnenaufgang weiter.

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Nun ist es schon halb 10 und ich komm vor lauter Lesen nicht zum Schreiben hier. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten, einfach mal ne Pause machen oder einfach mal so vor mich hinschreiben und schauen, wo hin mich das jetzt führt. Immer, wenn ich grade andere Blogs lese, will ich deren Stile hier mal hier ausprobieren. Wenn ich dann hier vor dem offenen Browser Fenster sitze, schreib ich doch wieder einfach so vor mich. Was ich sehr gut finde.

Allgemein fühlt es sich grad so an, dass ich im Vergleich sehr wenig lese. Mein Google Reader Ersatz ist ja NewsBlur mit dem ich super happy bin. Ich lese so wieder mehr Blogs, als vor ein paar Monaten, entdecke wieder neue und fühle mich gut sortiert. Die gesharten Posts werden automatisch in einem BlurBlog genanten Stream gesammelt.

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Mobil lese ich News eigentlich nur in Flipboard. Dort kann ich meine neu einsortierten NewsBlur Blogs allerdings noch nicht lesen. Dort eingefroren ist der Stand vom Google Reader bei seiner Abschaltung im Juni.

Falls jemand von Euch weiss, wie man NewsBlur und Flipboard syncen kann und das mit uns in den Kommentare teilen würde, wäre das grandios!

Das schöne am Flipboard ist ja, dass ich alle Links, die auf Facebook und Twitter gepostet werden, wunderbar konzentriert durchlesen kann. Dabei habe ich schon oft tolle Artikel und neue Themen gefunden, die mir beim direkten benutzen der beiden Dienste durchgerutscht sind. Oder im Falle Facebooks, aufgrund mangelnder Interaktion in der Vergangenheit, von ihrem beschränkten Verständnis von Relevanz einfach weggefiltert worden sind.

Und das alles dient nur dazu, meine Spiegel Online Rehab so leicht wie möglich zu gestalten.

SpOn fühlt sich wie eine Droge an. Ich möchte davon loskommen. Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich statt Facebook oder Twitter einfach SpOn checke. Und selbst wenn der Aufmacher langweilig ist, ich ein bisschen tiefer in Kultur, Netzwelt oder Panorama eintauche und mich betäuben lasse, mit irgendwelchen Stories und Fakten und Geschichten.

Ich hab zu viel davon, overdose an journalistisch, reißerischen Überschriften, die ja doch nur irgend einen Skandal skandalisieren. In zwei Unterhaltungen in der letzten Woche bemerkte ich, dass mir nur Spiegel Artikel einfallen, wenn ich über Politik oder Wirtschaft mit anderen rede. Das geht so nicht und beschloss den Entzug! Was ja noch dazu kommt, es fühlt sich so an wie damals, kurz bevor es mit mir und dem Tagesspiegel zu Ende ging…

Das geht echt nicht! Das ist doch nicht meine Meinung, sondern deren! Die ich unreflektiert übernehme. Das geht überhaupt nicht!

Wisst Ihr, wie es mir irgenwie geht? Ein wenig wie Will McAvoy aus The NewsRoom in der Eröffnungsszene, dem die ganzen verdeckten Lügen, die ganzen Verdrehungen und Weglassungen, die ganze Art News zu produzieren gehörig auf den Sack geht (na eigentlich der amerikanische Patriotismus und Überlegenheitsfanatismus, aber ihr ahnt sicher, was ich meine.)

Hier die absolut grossartige Szene für Euch, die ich übriegens über die Facebook Seite der Süddeutschen gefunden habe 😉

So, mit diesem Knaller wünsch ich Euch jetzt einen friedlichen Sonntag!

Ungetrübte Sehnsucht…

Berlin, 7:35, Tag 735

Heute Nacht hab ich wild geträumt: Krebsdiagnosen, Suchen, Busfahrten, Kündigungen. So intensiv wie die Woche war, so intensiv waren meine Träume heute.

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Das Wochenende allein ohne meine Mädels und ohne die Kollegen ist immer wieder eine ganz besondere Erfahrung. Ich nehme mir meist überhaupt nichts mehr vor. Lasse alles geschehen. Versuche, ins Einsam sein einzutauchen. Warte allein und nehme an, was passiert.

Da die Struktur der Woche fehlt. Die Struktur der Familie fehlt. Nur ich bin da. Ich fühle sehr viel Freiheit. Sehr viel Selbstbestimmtheit. Es fehlt die Rastlosigkeit aus früheren Singletagen. Es ist eine andere Art Rastlosigkeit, eher verwandt mit Sehnsucht, sie fokussiert mich eher.

Sitzen, Aufräumen. Säubern. Kochen. Essen. Laufen. Lesen. Schreiben. Ich mag es gar nicht Arbeit nennen, aber ich liebe diese Art zu Leben, an den ruhigen Samstagen und Sonntagen hier in Berlin, ohne grosses Programm, ohne viel Entertainment, ohne Kino, Konzert, Museum, ohne diesen musst du gesehen haben Drang.

Wenn ich das so schreibe, taucht gleich ein leicht schlechtes Gewissen auf. So doll glücklich dürfte ich jetzt nicht sein. Hier allein. Die Sehnsucht nach meinen Lieben könnte alles trüben, so wie früher.

Die Sehnsucht ist stark wie nie, aber nun gibt sie eher Kraft und Spass und erzeugt eine Art vibrierende Vorfreude, die mich stark sein lässt, hier draussen. Allein!

So, nun wünsche ich Euch das beste Wochenende überhaupt! Geniesst auch die kleine Dinge, egal wie sehr es (ihr) Euch auch stresst… das geht doch immer, oder? 😉

Freitagmorgen, Sonnenaufgang

Berlin, 6:14, Tag 719

Heute Nacht habe ich meine Träume vergessen. Bin zwei Minuten vor dem Wecker aufgewacht, trotz späten zu Bett gehens.

Eben hab ich zwei Absätze geschrieben und wieder gelöscht, passte doch nicht.

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Meine Unruhe, meine Müdigkeit, mein Unwillen, meine Langeweile, meine Langweiligkeit: einfach beobachten, einfach akzeptieren, einfach auch dafür dankbar sein!

Und schon geht die Sonne auf! 😉

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Einfach Dankbar…

Berlin, 6:20, Tag 718

Heute Nacht habe ich den Anker eines Dampfers mit meinem Fuss von einem Felsen gestupst. Er, der Anker, fiel ins Wasser, der Dampfer hielt an (jetzt grade erinnere mich an eine schräge Filmwerbung, an der mich eine ähnliche Szene wohl beeindruckt hat). Danach lief ich mit einer roten Matratze auf den Schultern und Kopf durch eine Menschenmenge. Ich wurde dabei gefilmt und berühmt. Dann wachte ich müde auf…

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Dann sass ich in der ruhigen, noch dunklen Wohnung.

Der Regen setzte ein. Es klopfte leise ans Fenster.

Plötzlich freute ich mich, dass ich den Regen hörte, dass ich ihn überhaupt hören kann.

Der Morgen tauchte ganz langsam auf. Es wurde heller. Es blitzte einmal. Ein Gewitter?

Dann freute ich mich, dass ich das und dann, dass ich überhaupt etwas sehen konnte.

Dann fühlte ich, wie ich den Boden berührte, meine Knie, meine Füsse.

Dann fühlte ich mich atmen. Ein und Aus.

Was für ein Wunder.

Und dann spürte ich Durst, einen trockenen Mund. Und ich trank einen Schluck Wasser.

Und es überwältigte mich.

Die Tatsache, dass dieses flüssige, transparente Metall in meinem Mund, durch die Kehle in meinen Körper fliesst und sich mit mir verbindet. Und mir meinen Durst nimmt.

Was für ein Glück, am Leben zu sein! Danke!

Nur ein Sonnenaufgang…

Berlin, 6:54, Tag 717

Heute Nacht habe ich beim Einschlafen davon geträumt, wie ich riesengrosse Hunde unterm Tisch erschrecke, diese aufspringen, den Tisch nach rechts hinten umreissen und freudig zur Tür wedeln.

Als ich aufstand, sah ich den Mond. Nach so viel Regen und Wolken gestern, nun ein klarer Himmel? Ich freute mich auf den Sonnenaufgang, während ich meditierte. Ich kochte mir einen Kaffe und bin kurz nach halb 7 aufs Dach und dann alle paar Minuten wieder bis zum Sonnenaufgang…

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Dank meinem lieben Freund Tony, habe ich gestern morgen ein Gedicht von Charlie Chaplins entdeckt, das mich nun beschäftigt. Es heisst, er hat es zu seinem 70. Geburtstag geschrieben. Es gibt zum Beispiel hier auch eine deutsche Übersetzung.

Und nun wünsche ich Euch einen farbenfrohen Mittwoch!

 

Wann erzählt mir mein Supermarkt endlich, wie seine Produkte wirken?

Berlin, 6:20, Tag 716

Heute Nacht sollte ich viel Bargeld besorgen. Es war unbedingt die Anzahlung für unsere nächstes Grillen zu begleichen, sonst würde die Reservierung verfallen. Überweisung oder Kreditkarte ging nicht. Erst viertausend fürs Grillen, dann plötzlich zwölftausend. Oje! In meiner verzweifelten Suche lief ich durch eine langgestreckte, helle Wohnung, die an einem Ende einen herrlichen Blick über Stadt und Land bot. Es war gleichzeitig unser zukünftiger Partyort. Als ich Fotos vom Sonnenuntergang machen wollte, habe ich die Kamera zwischen die sich unterhaltenden Gesichter eines flirtenden Pärchens halten müssen. Wundernd über dieses Bild, haute mich der Wecker abrupt aus dem Traum raus…

Vorhin dachte ich an meinen Supermarkt und daran, dass dort nur am Teeregal dran steht, was die Produkte mit uns machen. Bei allen anderen Lebensmitteln werden wir völlig im Dunkeln gelassen. Nur Tee kann innere Wärme geben, mich munter machen, mich erfreuen oder mir innere Kraft geben, mir schöne Träume machen und mich entspannen.

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Es gibt auch Tees, die mich innerlich ruhig und meinen Magen „fein“ machen, die mir helfen schlank und fit zu bleiben oder die gesund abwehren, mich frei atmen lassen mir einen klaren Kopf machen. Was für eine Idee?

Ich wünschte mir vorhin kurz, dass an jedem Lebensmittel dran steht, welche Wirkung das auf mich hat. Ich stellte mir vor, dass mir die Hersteller wirklich dabei helfen würden, wann mir Bananen gut tun oder ob ich nicht doch lieber einen Apfel essen sollte. Ich fragte mich, was Schwarzbrot im Gegensatz zu Weissbrot anderes in mir macht oder ob Reis meine Stimmung anders beeinflussen als Kartoffeln. Wann sollte ich was essen?

Das ist doch schon ein Riesenthema, nach dem Diät Wahn kam die Kochbuch Schwemme und der Koch Show Irrsinn.  Essen ist ja eine der fundamentalen Beschäftigungen von uns Menschen, neben Atmen und Lieben. Unsere Menschheit ist -allen westlichen Wahnsinns zum Trotz- überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass 80% der Weltbevölkerung direkt von Landwirtschaft leben und in der Landwirtschaft arbeiten. Und das Lebensmittel direkt unsere Stimmung und Gefühle beeinflussen können, das hat ja Teekanne nicht erfunden.

Nun komm ich auch vom Dorf und ich erinnere mich grade sehr gut an die dort in der Gemeinschaft gesammelte Weisheit. Es gab Traditionen und ungeschriebene Regeln, wie was anzubauen, was wir im Garten zu haben haben. Es wurde immer geschaut, wie weit die Erdbeeren beim Nachbarn waren, wie grosse die Kartoffeln auf dem Feld sind, wies den Schweinen mit der Plämpe geht, ob die Kaninchen den Löwenzahn vor dort lieber mögen, als den von da. Die Unterhaltungen drehten sich um Sorten und die richtige Pflege, den richtigen Schnitt, welchen Kompost, zu welcher Zeit, wir was zu machen hatten. Dabei hatten wir nun einen Garten und lebten nur indirekt von der Landwirtschaft, denn mein Vater war Manager und meine Mutter Beraterin (in heutigen Begriffen;).

Aber auf dem Dorf gross zu werden, gab mir ein Umfeld, in dem auf allem, was bei uns wuchs und lebte, ein kleines Schild klebte. Ein Schild von Oma, ein Spruch vom Onkel, ein Rat vom Nachbarn. Alles sammelte sich immer weiter an. Niemand schrieb es auf, die Gemeinschaft wusste es einfach. Man wusste irgendwie doch immer, wen man fragen kann.

Die Wirkungen der einzelnen Produkte war immer präsent: das macht Dich satt, dies tut Dir gut, das baut dich wieder auf, trinkt erst mal einen Schluck zur Beruhigung, ich koch Dir gleich einen Tee.

Nun lebe ich seit vielen, vielen Jahren nur noch in Großstädten. Seit 95′ in Berlin und seit 05′ auch in Istanbul.  Das erklärt vielleicht meine Sehnsucht und meine Gedanken heute morgen. Ich wünschte mich in die Dorfgemeinschaft zurück, sehnte mich nach der gesammelten Weisheit des ländlichen Lebens.

Aber stellt Euch doch mal vor, das Gemüseregal wird von den Teekanne Marketingexperten umgestaltet und die x Sorten Äpfel werden uns so präsentiert: dieser Gelbe hier stärkt die Abwehrkräfte. Der Rote dort fördert die Verdauung und die Kleinen geben super Energie für zwischendurch.

Was wäre, wenn hier wirklich die Weisheit der Menschheit aufgegriffen, geehrt, vermehrt werden würde? Wenn wir den Zugang zu dem Wissen über unsere Lebensmittel aufrecht erhalten könnten? Wenn wir das in unser Leben hier in der Grosstadt auch integrieren könnten? Wäre das nicht wunderbar?

Vor zwei Jahren wollte ich, dass alle Supermärkte mir API‘ auf meine Einkaufsdaten zur Verfügung stellt. Ich habe diese Idee nicht aufgegeben, die NSA mit ihrer Totalüberwachung des Internet könnte mir vermutlich alle diese Daten sogar besorgen und in einen Zusammenhang stellen. Oh: wenn irgendein einflussreicher Terrorforscher bewiesen haben sollte, dass die gegessenen Lebensmittel und die terroristische Radikalisierung in einem direktem Zusammenhang stehen, dann machen die das bestimmt sogar schon.

Heute rufe ich die Supermärkte also dazu auf, mir das Wissen über die Lebensmittel zurück zu geben und mir nicht mit Fake und Manipulation nur die margenträchtigsten Schnelldreher verkaufen zu wollen. Also, mein Wunsch: kümmert Euch nicht nur um die Regalanordnung, die Packhöhen und die Verpackungsgrößen, sondern beschäftigt Euch viel mehr mit der Wirkung eurer Produkte auf mich, Euren Kunden. Das Wissen ist doch da. Die Technologien, das Wissen zu sammeln, zu strukturieren und es mit den heutigen modernen Lebensmitteln in Verbindung zu bringen doch auch!

Wann erzählt mir mein Supermarkt endlich, wie seine Produkte wirken?

 

Unser unabhängiges Selbstbild…

Noch Istanbul, 7:54, Tag 715

Heute Nacht wurde meine Wohnung von vier Kranken bewacht, die nebeneinander auf Liegen vor dem Eingang lagen. In der Wohnung und davor verhandelte es sich um irgend etwas. Die Nacht war extrem unruhig und sehr kurz. Der Start in die neue Woche ist überschattet von Trennung und Bedauern.

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Wünschte es würde, wie gestern, einfach so beim überlangen Duschen ein Begriff auftauchen, um den herum es sich gut fühlt. Jetzt tauchen Themen und Strukturen der Arbeit auf. Ich sitze im Flieger, habe meditiert, gefrühstückt, ein wenig gelesen. Spüre den Wellen der Konzentration, der Fokussierung, des Schaffens nach. Spüre kurz negativen Emotionen nach, Selbstkritik vor allem und meinem Verlangen.

Je mehr wir nach etwas suchen, je stärker wir etwas haben wollen, umso weniger mögen wir die Dinge, die schon da sind. Je mehr ich ausserhalb von mir suche, um so weniger kann ich mich selbst leiden. Und das ist in Gruppen: Familie, Team, Firma, Kiez, Stadt, Land, Kulturen ganz genau so.

Mein von mir unabhängiges Selbst, mit seinen ganz persönlichen, ja privaten Vorlieben, Routinen, Werten, Fähigkeiten und Kenntnissen beisst sich mit dem anderen abhängigen, verbundenen Selbst. Diese andere Selbstbild, entdecke ich mehr und mehr entdecke und unterdrücke immer weniger und weniger.

Bei meiner Selbsthilfe/persönlichen Entwicklung/Entfaltung gehe ich davon aus, dass ich mich ändern kann, dass mein Erleben sich entwickeln, dass meine Fähigkeiten sich erweitern, meine Kenntnisse sich vertiefen können. Langsamer geht das diese Entwicklung auch mit Werten und Routinen, mit meinem Charakter von statten.

Aber wir sind so konfliktbereit, wenn wir etwas wollen. Erinnern wir uns, je mehr wir etwas wollen, um so wenig sind wir in der Lage, Dinge zu mögen. Je mehr ich etwas will, um so weniger kann ich mich selbst leiden. Wir verlieren unsere Fähigkeit zur Empathie, zu Mitgefühl und unsere emotionale Intelligenz sinkt. Nur so können wir für unsere Überzeugungen „gegen andere kämpfen“.

Wie tief wohl meine Illusionen reichen? Wie viele Schleier wohl noch über meinen Gedanke liegen?

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Beim Entdecken des Sonnenaufganges heute morgen, fand ich diese „Krähe auf Schild über Klimaanlagenebel und grandiosen Leuchteffekten von Sonne an Wolken“.

PS: Wünsch Euch einen schönen Abend! 😉

 

Über ungeteilte Aufmerksamkeit…

Istanbul, 7:56, Tag 714

Heute Nacht ist mein Benz abgesoffen. Ich parkte vor meiner neuen Wohnung, deren einziges Zimmer mich verblüffend an mein früheres Kinderzimmer erinnert, die Tür war an den Rändern abgefressen, so dass meine Nachbarn reinsehen konnten. Rechts vorne stand eine grosse Maschine, deren Zweck ich leider vergessen habe. Als ich zum Parkplatz kam, stand schon kniehoch das Wasser. Dann bemerkte ich andere Autos, die über die erste Reihe gestapelt waren. Ich fand mein Auto gar nicht. Dann endlich doch. Mit minutenlangem Kampf vorm Aufwachen, um es von Eis und Schnee frei zu fahren…

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Ungeteilte Aufmerksamkeit ist selten in meinem Leben. Mich voll einlassen, auf jemand anderen, auf einen anderen Ort erfordert bei mir viel Vertrauen. Erst dachte ich, in andere. Dann merkte ich, in mich.

Es wird schon ok sein, der oder das andere wird schon ok sein. Meine Erwartungen an das Ergebnis ruinieren es oft noch vorm Entstehen. Jedes mal, wenn ich ungeteilte Aufmerksamkeit wirklich erleben durfte, was das Ergebnis phänomenal, überwältigend. Vor allem im Rückblick. Im Moment des Erlebens, schien es ganz natürlich.

Mein erster Liebesbrief. Mein erstes Bewerbungsschreiben. Meine erste Freundin. Mein erster Job. Vieles mehr assoziiere ich mit „erstem Mal“. Spannend? Wenn man etwas oder jemandem die ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt, ist es immer ein „erstes Mal“. Man bemerkt selten die Einmaligkeit jedes Erlebens.

Wenn ich zu lange Dusche, habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich merke, dass ich auch unter Dusche nicht alleine bin, obwohl es mir so scheint. Wenn ich in mein Auto steige, auch. Wenn ich nicht aufesse, auch. Selbst wenn ich Fleisch esse. Manchmal sogar, wenn ich meine Jeans toll finde. Wenn ich etwas mit ungeteilter Aufmerksamkeit tue, werden mir mehr und mehr Auswirkungen bewusst.

Und die Momente ungeteilter Aufmerksamkeit erzeugen ein völlig falsches Bild von mir. Manchmal messe ich mich an der Qualität dieser Momente. Dann erscheint der abgelenkte, vielseitig interessierte, viele Bälle jonglierende Arne nur ein Abziehbild des echten zu sein. Dann warte ich aufs Scheitern. Dann möchte ich durchs Tal auf den nächsten Gipfel schwingen. Dann kann ich’s gar nicht abwarten, ins Tal zu rauschen. Der Schwung erzeugt das nächste High.

Diese Woche habe ich Breaking Bad entdeckt. Was für ’ne grossartige Geschichte. Verstehe endlich den Hype, den ich in den letzten Woche um die neue Folgen im amerikanischen Netz beobachten konnte. So vielschichtig, dabei so verrückt, weit weg und doch so nah dran an der heutigen Lebenswirklichkeit vieler hier.

Morgen geht’s zurück nach Berlin. Die Knappheit der Zeit ermöglicht eine höhere Dichte an Aufmerksamkeit. Die Physiker sollten so was mal in Formeln packen. Deren mathematische Methoden und Modelle auf die unser Verhalten, unsere Gefühle und Gedanken angewendet, sollten das beweisen können.

Ein Spaziergang und Piknik im Park dienen als Experimentierfeld.

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Wünsch Euch einen erholsamen Sonntag, voller ungeteilter Aufmerksamkeit!

Über den Klumpen im Bauch und Smartphones…

Istanbul, 8:21, Tag 713

Heute Nacht habe ich einer Kneipe drei (mir in echt zum Glück unbekannte) Mitarbeiter feuern sollen. Ich habe nur einen geschafft. Da dieser den Barkeeper kannte, liess er mich zur Strafe die Rechnung nicht bezahlen. Ich fühlte mich schrecklich und wachte auf.

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Louis CK mag seinen Kindern keine Smartphones geben, sie sollen erst mal lernen, ihre Gefühle auszuhalten und nicht durch einen Griff zum Smartphone zu unterdrücken. Er beschreibt diesen Klumpen im Bauch, diese Angst vorm Alleine sein, vor Traurigkeit an sich. Und dass dieser Klumpen manchmal aktiv wird, wenn wir alleine mit uns sind. Und dass, nur wenn wir unsere Angst allein zu sein wirklich aushalten, der Körper eine Gegenreaktion startet, die uns erst richtig glücklich sein lässt. Wenn wir uns (durch Smartphones, Arbeit, Sport, Drogen, Fernsehen, Whatever…) nicht erlauben, richtig traurig zu sein, so können wir gar nicht richtig glücklich sein. Louis verpackt seine Erkenntnisse in seinen mit Schimpfwörtern durchsetzen Sarkasmus. Aber mich trifft sein Humor mitten ins Herz. Das Lächeln gefriert und ich fühle mich berührt und getroffen. Und ich bin gerührt und betroffen.

Aleyna liegt neben mir, wir haben schon viel miteinander gesprochen, gespielt, sortiert und gealbert heute morgen. Und ich überlege nun, wie ich ihr so etwas das beibringen kann, ohne ihr das iPad einfach wegzunehmen. Einmal sicherlich, in dem ich lerne, meine eigene Traurigkeit anzunehmen und nicht mehr weg zu schieben. Wie aber funktioniert Emotionsregulation bei uns Erwachsenen, anders als über Smartphones und Äquivalente eigentlich? Und wie funktioniert es bei unseren Kindern? Sie leben doch noch so viel mehr im Moment. Sie kennen so viel weniger Regeln, aber sie haben auch ein paar Fähigkeiten noch nicht. Ich sollte eher versuchen, es ihr nicht abzutrainieren, eher von ihr lernen, eher genau beobachten.

Meine Fähigkeit zur Emotionsregulation verändert sich ständig. Manchmal kann ich das ganz gut. Manchmal bin ich ein Sklave meiner Gefühle und Stimmungen. Manchmal treibe ich nur so dahin. Manchmal geniesse ich die Reise. Manchmal werde ich überwältigt, überrascht, überrollt von Emotion. Manchmal erkenne ich ihre wahre Natur. Manchmal erkenne ich, wie das Leid entsteht. Und manchmal eben nicht.