Unterwegs auf haaresbreitem Grat…

Berlin, 6:05, Tag 698

Heute Nacht bin ich völlig übermüdet Auto gefahren. Ich konnte mich überhaupt nicht auf die Strasse konzentrieren. Einmal war ich kurz weg, das Auto schleuderte auf die linke Spur, dann verlor ich die Kontrolle, mit einem schnellen Ruck machten wir eine 360º Wende. Ich tat so, als ob ich’s im Griff hätte. Aber ich war so müde und das Auto wollte immer weiter links fahren. Es war richtig peinlich, aber anhalten ging nicht. Wir kamen in einem Industriegebiet an: Sand, Zäune, Schienen, Tore. Beim Warten auf den Bus, gab’s eine Schulung an einem ovalen Tisch. Ich entzog mich und kramte in meinem Rucksack unterm Tisch und wachte zeitig auf…

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Manchmal habe ich ein unerschütterliches Selbstbewusstsein. Mir ist alles egal, was um mich herum passiert. Ich ruhe ganz in mir und bin glücklich mit meinem Leben und meinen Aufgaben hier. Dabei fühle ich mich unterfordert, fast gelangweilt. Nichts kann mich herausfordern. Ich hab alles im Griff. Mein Ego ist monströs, andere verschlingend, über allem stehend. Andere schwirren, wie Motten um das Licht, wollen etwas ab haben von dem scheinbaren Erfolg, in dem ich schwimme.

Und dann gibt es das genaue Gegenteil.

Ich zweifle an allem, vor allem an mir. Ich habe Angst, dass alles ein Fake ist, dass alles vorbei ist und ich aufwache. Dann fühle ich mich überfordert, hoffnungslos überfordert. Alles wiederholt sich doch und nichts passiert, nichts bessert sich. Ich kann nichts selbst kontrollieren, bin ein Spielball des Lebens. Mein Ego verkriecht sich, verschwindet unterm Bett und kommt nie wieder heraus. Ich will und kann niemanden sehen, niemand soll mich sehen in meinem Unglück.

Zwischen beiden Extremen liegt ein Grat, ein Haar nur breit, auf dem ich lerne, zu balancieren.

Jeden Tag aufs Neue. Ich schlag die Augen auf und sehe. Etwas. Kann es nicht beschreiben, es ist vielleicht doch nur Gefühl. Jeden Tag aufs Neue, versuche ich den Grat zu verbreitern, es muss doch gehen. Es muss doch auch mal Ruhe geben! Bequemes Laufen. Kein ständiges Balancieren. Zurücklehnen. Ausruhen. Geniessen.

Es sind Momente nur.

Dann lehne ich mich gegen den Sturm und werde getragen vom Wind. Mit offenen Armen und Tränen in den Augen.

Dann geht’s mir gut.

Doch dann…?

 

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