Istanbul, 8:21, Tag 713

Heute Nacht habe ich einer Kneipe drei (mir in echt zum Glück unbekannte) Mitarbeiter feuern sollen. Ich habe nur einen geschafft. Da dieser den Barkeeper kannte, liess er mich zur Strafe die Rechnung nicht bezahlen. Ich fühlte mich schrecklich und wachte auf.

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Louis CK mag seinen Kindern keine Smartphones geben, sie sollen erst mal lernen, ihre Gefühle auszuhalten und nicht durch einen Griff zum Smartphone zu unterdrücken. Er beschreibt diesen Klumpen im Bauch, diese Angst vorm Alleine sein, vor Traurigkeit an sich. Und dass dieser Klumpen manchmal aktiv wird, wenn wir alleine mit uns sind. Und dass, nur wenn wir unsere Angst allein zu sein wirklich aushalten, der Körper eine Gegenreaktion startet, die uns erst richtig glücklich sein lässt. Wenn wir uns (durch Smartphones, Arbeit, Sport, Drogen, Fernsehen, Whatever…) nicht erlauben, richtig traurig zu sein, so können wir gar nicht richtig glücklich sein. Louis verpackt seine Erkenntnisse in seinen mit Schimpfwörtern durchsetzen Sarkasmus. Aber mich trifft sein Humor mitten ins Herz. Das Lächeln gefriert und ich fühle mich berührt und getroffen. Und ich bin gerührt und betroffen.

Aleyna liegt neben mir, wir haben schon viel miteinander gesprochen, gespielt, sortiert und gealbert heute morgen. Und ich überlege nun, wie ich ihr so etwas das beibringen kann, ohne ihr das iPad einfach wegzunehmen. Einmal sicherlich, in dem ich lerne, meine eigene Traurigkeit anzunehmen und nicht mehr weg zu schieben. Wie aber funktioniert Emotionsregulation bei uns Erwachsenen, anders als über Smartphones und Äquivalente eigentlich? Und wie funktioniert es bei unseren Kindern? Sie leben doch noch so viel mehr im Moment. Sie kennen so viel weniger Regeln, aber sie haben auch ein paar Fähigkeiten noch nicht. Ich sollte eher versuchen, es ihr nicht abzutrainieren, eher von ihr lernen, eher genau beobachten.

Meine Fähigkeit zur Emotionsregulation verändert sich ständig. Manchmal kann ich das ganz gut. Manchmal bin ich ein Sklave meiner Gefühle und Stimmungen. Manchmal treibe ich nur so dahin. Manchmal geniesse ich die Reise. Manchmal werde ich überwältigt, überrascht, überrollt von Emotion. Manchmal erkenne ich ihre wahre Natur. Manchmal erkenne ich, wie das Leid entsteht. Und manchmal eben nicht.

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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