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Über ungeteilte Aufmerksamkeit…

Istanbul, 7:56, Tag 714

Heute Nacht ist mein Benz abgesoffen. Ich parkte vor meiner neuen Wohnung, deren einziges Zimmer mich verblüffend an mein früheres Kinderzimmer erinnert, die Tür war an den Rändern abgefressen, so dass meine Nachbarn reinsehen konnten. Rechts vorne stand eine grosse Maschine, deren Zweck ich leider vergessen habe. Als ich zum Parkplatz kam, stand schon kniehoch das Wasser. Dann bemerkte ich andere Autos, die über die erste Reihe gestapelt waren. Ich fand mein Auto gar nicht. Dann endlich doch. Mit minutenlangem Kampf vorm Aufwachen, um es von Eis und Schnee frei zu fahren…

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Ungeteilte Aufmerksamkeit ist selten in meinem Leben. Mich voll einlassen, auf jemand anderen, auf einen anderen Ort erfordert bei mir viel Vertrauen. Erst dachte ich, in andere. Dann merkte ich, in mich.

Es wird schon ok sein, der oder das andere wird schon ok sein. Meine Erwartungen an das Ergebnis ruinieren es oft noch vorm Entstehen. Jedes mal, wenn ich ungeteilte Aufmerksamkeit wirklich erleben durfte, was das Ergebnis phänomenal, überwältigend. Vor allem im Rückblick. Im Moment des Erlebens, schien es ganz natürlich.

Mein erster Liebesbrief. Mein erstes Bewerbungsschreiben. Meine erste Freundin. Mein erster Job. Vieles mehr assoziiere ich mit „erstem Mal“. Spannend? Wenn man etwas oder jemandem die ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt, ist es immer ein „erstes Mal“. Man bemerkt selten die Einmaligkeit jedes Erlebens.

Wenn ich zu lange Dusche, habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich merke, dass ich auch unter Dusche nicht alleine bin, obwohl es mir so scheint. Wenn ich in mein Auto steige, auch. Wenn ich nicht aufesse, auch. Selbst wenn ich Fleisch esse. Manchmal sogar, wenn ich meine Jeans toll finde. Wenn ich etwas mit ungeteilter Aufmerksamkeit tue, werden mir mehr und mehr Auswirkungen bewusst.

Und die Momente ungeteilter Aufmerksamkeit erzeugen ein völlig falsches Bild von mir. Manchmal messe ich mich an der Qualität dieser Momente. Dann erscheint der abgelenkte, vielseitig interessierte, viele Bälle jonglierende Arne nur ein Abziehbild des echten zu sein. Dann warte ich aufs Scheitern. Dann möchte ich durchs Tal auf den nächsten Gipfel schwingen. Dann kann ich’s gar nicht abwarten, ins Tal zu rauschen. Der Schwung erzeugt das nächste High.

Diese Woche habe ich Breaking Bad entdeckt. Was für ’ne grossartige Geschichte. Verstehe endlich den Hype, den ich in den letzten Woche um die neue Folgen im amerikanischen Netz beobachten konnte. So vielschichtig, dabei so verrückt, weit weg und doch so nah dran an der heutigen Lebenswirklichkeit vieler hier.

Morgen geht’s zurück nach Berlin. Die Knappheit der Zeit ermöglicht eine höhere Dichte an Aufmerksamkeit. Die Physiker sollten so was mal in Formeln packen. Deren mathematische Methoden und Modelle auf die unser Verhalten, unsere Gefühle und Gedanken angewendet, sollten das beweisen können.

Ein Spaziergang und Piknik im Park dienen als Experimentierfeld.

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Wünsch Euch einen erholsamen Sonntag, voller ungeteilter Aufmerksamkeit!

  1. das war wieder einer dieser deiner posts, der mich durch den tag begleitet hat. danke!

    Gefällt mir

    22. September 2013
    • sogerne! ich danke, dass du die talschwünge durch hälst…

      Gefällt mir

      24. September 2013

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