Monat: Oktober 2013

tagebuch

Oder aber?

Istanbul, 6:06, Tag 766

Heute Nacht, also was soll ich sagen, hab ich wieder nur belanglos geträumt. Die Kleine war zeitig wach, so dass ich sie als Ausrede benutzen konnte, noch etwas mit ihr liegen zu bleiben. Es war ein ruhiger, besonnener Start in den neuen Tag.

IMG_0534

Wir können uns entscheiden. Wollen wir heute, jetzt, hier über Ärger, Angst und Mangel gehen und das Unvollständige, das Unfertige zum Maßstab unseres Handelns machen. Oder aber: wollen wir heute, jetzt, hier über Freude, Spass gehen und Überfluss gehen und Schönheit, Ordnung und Struktur zum Maßstab unseres Handelns machen. Also?

Nie wird mir das so deutlich, wie hier in Istanbul. Meinem selbstgewähltem Exil, in dessen gewollter Sprachlosigkeit.

Eine Aufgabe hier ist Family First. Das fühlt sich mittlerweile einfach an. Die nötige Gelassenheit, die Kompromisse, die eigene Gestaltungskraft im Zusammenspiel mit meinem beiden Damen, das alles klappt immer besser. Je geübter und achtsamer wir dabei werden, desto klarer, harmonischer und häufiger werden Momente mit positiver Intention und Ausgang. Das ist richtig schön, zu beobachten.

Meine andere Aufgabe hier ist Reflektion. Das verändert sich gerade wieder stark. Mein Schwanken zwischen operativem Tun, der ergebnisorientierten Zusammenarbeit, auch über weite Entfernungen hinweg sowie dem strategischen Tun, dem Nachdenken, Planen, Verarbeiten und Vorbereiten, wird mir nur hier sehr deutlich. Berlin ist eindeutig Business First. Und ich hole Kommunikation nach, die hier -aufgrund der Hürden durch die Entfernung- zu kurz kommt.

Heute passend dazu ist das neue Buch von Jason Fried, einem der Gründer von 37signals erschienen: Remote. Office Not Required. Bin mal gespannt darauf. Vor allem aber, weil ich das erste Buch Rework: Change the Way You Work Forever von Jason vor drei Jahren schon so sehr gemocht und seit dem viel zitiert habe.

Mit diesen Gedanken und der Buchempfehlung will ich am liebsten meinen Post heute mal auf halbem Wege beenden. Der Entscheidung vom Anfang ausweichend. Dabei kann ich nicht ausweichen, auch wenn ich jetzt schnell poste.

Ich denke manchmal, ich kann, sollte, muss mich nur entscheiden. Ich denke manchmal, wenn ich mich nur oft genug für das Positive entschieden habe, verschwindet das Negative oder wird zumindest schwächer. Ja, das ist meine Hoffnung. Ja, das ist mein Glaube. Em Ende wird schon alles gut werden. Doch dann sehe ich, dass dieses Bewusst machen der Entscheidungsmöglichkeit nur der Beginn ist: nicht zu wissen, einfach zu bezeugen und dann achtsam handeln… ist die Fortsetzung.

Zu Erkennen, wann ich werte, wann ich etwas trenne, ist der nächste Schritt. Also Ärger, Angst und Mangel als meine Realität zu begreifen und abzulehnen. Denn auch Ablehnung, auch ein Dagegen-Entscheiden macht es immer noch zum Masstab meines Handelns. Das Ausweichen, Unterdrücken, das Nicht-wahr-haben-wollen löst es für mich nicht.

Ich bin so trainiert, mich als nicht gut genug zu erachten, daraus meine Kraft zu schöpfen, dass ich es kaum aushalte, mit irgend etwas zufrieden und glücklich zu sein.

So lange ich beides (Ärger und Freude) nicht als die beiden Seiten der gleichen Münze, von zwei Seiten an mir, zu begreifen, so lange versuche ich weniger negatives, mehr positives zu tun. So lange ich das versuche, werde ich hier wohl weiter schreiben (müssen). So lange werde ich weiter verstehen wollen, weiter reflektieren, weiter schreiben und schauen, was passiert, was mit mir passiert, wenn ich das raus zerre aus den Tiefen meiner Gedanken, meiner Persönlichkeit, rein ins Licht der Glasfaserkabel…

tagebuch

Lieber spät als gar nicht…

Istanbul, 6:42, Tag 765

Heute Nacht hab ich getraeumt, es nicht aufgeschrieben beim Wachwerden und es jetzt einfach vergessen. War nicht so beeindruckend. Bin morgens immer noch sehr entspannt diese Tage, sicher noch durch die Winterzeit Umstellung. Doch auch heute Morgen finde ich keine Ruhe und keine Kraft für ein neues Thema hier. Draussen war noch immer Nebel, was die Sonnenaufgänge geheimnisvoll wirken lässt…

IMG_0533

Und trotz diese Leere in mir will ich ein Lebenszeichen senden, einen Pausenpost schreiben, euch einen schönen Tag wünschen!

tagebuch

Pause am Tag der Republik…

Istanbul, 8:10, Tag 764

Heute Nacht habe ich wild geträumt und alles vergessen. Und heute ist hier Nebel und Nationalfeiertag. Heute vor 90 Jahren hat Mustafa Kemal Pascha Atatürk die Republik ausgerufen. Es hängen noch mehr Türkeifahnen aus den Fenstern, als sonst üblich. Das Kind hat keine Schule. Und auch auch ich mach hier Pause und tauche nicht in eines meiner Themen ein… wünsch Euch aber trotzdem ganz herzlich, einen grossartigen Dienstag!

IMG_0532

tagebuch

Lieber im Fahrersitz…

Istanbul, 6:39, Tag 764

Heute Nacht habe ich einen Klumpen strahlendes Uran gestohlen. Dann bin ich damit, gut eingewickelt, auf einem grossen Geländemotorrad durch den Wald gejagt. Beobachtet habe ich mich selbst durch eine Hubschrauberkamera, die keine Probleme damit hatte, mir an den Baumkronen vorbei zu folgen. Der Klumpen glänzte silbrig und war für mich komplett ungefährlich… ich wachte heute sehr zeitig auf und freute mich darüber.

Heute habe ich das dringende Bedürfnis, nebenbei meine Fotos auf zu räumen. Beschlossen, Überfällig. iPhone mit iPhoto und alle anderen Kameras mit Lightroom zu verarbeiten geht nicht mehr. Eine Sortierung wird einfach das Datum, also der Monat der Aufnahme sein. Alle anderen Sortierungen, Gruppierungen, Kategorisierungen werde ich nur über Tags vornehmen, wenn ich sie migriert kriege. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Es gibt ein paar wiederkehrende Ereignisse und auch Themen, die ich wohl Stück für Stück aufräumen werde, parallel zur Veröffentlichung in Flickr, iCloud oder Facebook. Wenn ich alle Fotos chronologisch sortiert habe, kann ich leichter, viel leichter sortieren, archivieren, suchen und finden, so meine Vorstellung. Zwei chronologische Kataloge zu pflegen ist einfach zu doof. Einzig die Gesichtserkennung in iPhoto werde ich leicht vermissen, denn damit konnte ich einen Grossteil der Fotos meiner liebsten beiden Damen immer im Blick halten. Vor allem hilfreich bei Sehnsuchtsattacken fern der Heimat.

Ich versuche immer eine Liste meiner Nebenprojekte zu pflegen, auch damit die sonstigen Unterhaltungen: Spiegel Online, Twitter, Facebook checken oder eine Runde irgendeines Online Games nicht überhand nehmen. Immer, wenn ich den Impuls nach News verspüre, schalte ich dann lieber zu einem meiner Nebenprojekte. So fühle ich mich produktiver und nicht so abhängig, fühle mich eher in Kontrolle, im Fahrersitz meines Lebens und nicht so fremd gesteuert, gefahren, gelebt.

Und was ist Euer Nebenprojekt in dieser Woche oder auch an diesem Tag? Wie, ihr habt keines? Eines, mit dem ihr Euch beschäftigt, wenn die wirkliche Arbeit mal eine Pause erfordert? Na, dann wird’s aber Zeit… 😉

IMG_0530

Wünsch Euch einen produktiven Start -im Fahrersitz- in die neue Woche!

tagebuch

Sonntagspause…

Istanbul, 8:49, Tag 763

Heute gibts ne echte Pause, keinen Traum, nur ein Bild… wünsch Euch einen grossartigen Sonntag, gutes Wetter, draussen und drinnen!

IMG_0529

tagebuch

Wir haben einen Plan…

Noch Berlin, 6:20, Tag 762

Heute Nacht… hätte ich mir meinen Traum merken können, aber ich musste zeitig hoch. Nehme den Frühflieger zu meinen Mädels.

Gestern vormittag im Büro war grossartig, auch wenn ich zwei Termine nicht geschafft hab, so hab mich doch sehr produktiv gefühlt. Nachmittags dann noch ein Termin bei der Stiftung der Deutsche Wirtschaft, bei der ich -dank Tony- nun Teilnehmer in einem Buddy System bin, das versucht angehenden Lehrern Kontakte und Hintergründe der Wirtschaft näher zu bringen. Das war spannend & lustig.

Abends dann noch Ablage, Papierkram, Finanzen. Um 10 war der Tag dann rum. Nun hatte ich dadurch zwar wieder nur 6h Schlaf, die ich aber wirklich sehr genossen habe. So, jetzt ist genug geschrieben für einen Pausenpost. Es ist so zeitig, dass die Sonne erst in über einer Stunde aufgeht.

Wenn ich aber kein Bild poste, wird mein Avatar als Vorschaubild angezeigt, was vor allem in Facebook irgendwie volltrottelig aussieht und da ich auch keinen Weg kenne, das zu unterbinden, kriegt ich noch unser neues Firmenmotto. Falls Euch also mal wieder jemand mit Plänen und Strategien nerven sollte, erinnert Euch bitte an diesen Spruch:

IMG_0009

Geschenk meines lieben Freundes Tony zum 7 jährigen Bestehen von mtc.

Wünsch Euch einen schönen Start ins Wochenende!

tagebuch

Über Balance der Geschmäcker…

Berlin, 6:57, Tag 761

Heute Nacht hab ich geträumt, bin zeitig aufgestanden. Ich war noch müde, Hab mir das letzte Traumbild über das Duschen hinaus nicht merken können. Zwei Wochen auf Konferenzen, zwischendrin die Busfahrt durch Kapdokya, morgen gehts zurück nach Istanbul. Ein dicker Stapel Visitenkarten und viele neue Ideen harren der Bearbeitung.

Gestern bin ich um 7 abends hier gewesen. Ich hab noch ein paar Besorgungen auf meinem Zettel gehabt und wollte das unbedingt gleich erledigt haben. Auch die Wäsche musste gleich in die Maschine und Auspacken und Aufräumen auch noch. Die Unruhe der Konferenz und der Reise war noch, ist auch jetzt noch, sehr präsent. Als ob ein grosses Schwungrad in mir noch nachläuft.

Auch während der Meditation bemerke ich die Unruhe. Kurze Phasen von gefühlter Konzentration, wechseln sich mit längeren Phasen, in denen ich Gedanken nachhänge. Ich sitze ja gerade, wieder einschlafen geht nicht. Aber ich merke, wie ich Ruhe der Meditation sehr geniesse. Die Intensität, das rechte Bemühen, auch während der Meditation tritt dann etwas in den Hintergrund. Es ist mehr Medizin, Hilfe und Ruhemöglichkeit für meinen unruhigen Geist und den vernachlässigten Körper.

Das Leben ist sehr vielschichtig. Der Zenkoch weiss, dass ein gutes Essen aus einer Balance und der rechten Mischung aus allen Geschmacksrichtungen besteht. Aus süss, sauer, salzig, bitter und neutralen Elementen. Erst die richtige Mischung aus allen Geschmäckern erzeugt ein Festmahl. Lassen wir sauer oder salzig aus unserem Nachtisch weg, schmeckt es zwar süss, ist aber nicht sensationell. Gibt es immer nur unser Lieblingsgericht, bzw. Geschmack, wird das nicht lange unser Liebling bleiben. Wir können uns auch an unserem Lieblingsgericht überfressen und können es dann eine Zeit lang nicht mehr sehen, ohne uns an das unangenehme Völlegefühl zu erinnern.

In meinem Leben möchte ich auch versuchen, eine Balance aus allen Geschmacksrichtungen herzustellen. Ich möchte genug Zeit haben, Neues zu lernen. Ich möchte gerne weiter Erfolg im Beruf haben. Aber auch Liebe, Glück und Zufriedenheit in meiner kleinen Familie erleben. Ich möchte mich mit meinen Freunden wohl fühlen und Spass haben können. Aber auch in der Gesellschaft, in der ich lebe, meinen Beitrag leisten.

Oft denke ich, wenn ich gut in der Arbeit bin, dann bin erfolgreich, verdiene vielleicht Geld, dann kann mir den Rest leisten. Oder dann kann ich mich um meine Familie kümmern. Oder, erst wenn das Projekt zu Ende ist, dann habe ich wieder Zeit für meine Freunde. Oder ehrenamtliche Arbeit kann ich erst machen, wenn ich Rentner bin. Jetzt habe ich keine Zeit.

Wer hat solche Gedanken nicht?

Ich vernachlässige oft manchmal selbst, meinen Körper. Er hat einfach zu funktionieren, ich esse dann (auf Konferenzen) nicht ordentlich, lasse Mahlzeiten ausfallen, schlafe zu wenig, bewege mich nicht genug.

Wer kennt so etwas nicht?

Was ich auch gern mache: ich vergleichen mich. Ich schau mir also Andere an und sehe, dass sie zB sehr tolle Beziehungen haben, oder sehr erfolgreich im Job sind, oder scheinbar einen Jungbrunnen gefunden haben. Ich sehe nicht die Gesamtheit, sondern greife mir nur ein einzelnes Gebiet heraus. Dann kann ich mich entweder darüber oder darunter stellen.

Wer hat das noch nie gemacht?

Was mir heute morgen wieder mal klar geworden ist, wir haben keine Zeit. Es gibt kein später. Wir leben nur jetzt. Wir können nur jetzt versuchen, Balance in unser Leben zu kriegen. Es gibt kein wenn ich gross bin, werde ich Feuerwehrmann.

Was ich versuche, ist jetzt zu erkennen, was jetzt dran ist. Welcher Geschmack gerade fehlt, wo ein Ungleichgewicht in meinem Leben ist. Und dann versuche ich, in diesem Moment, an diesem Tag, in dieser Woche etwas dafür zu tun, dieses Ungleichgewicht zu beenden.

Wir können immer etwas tun. Wir können unsere Aufmerksamkeit auf das Gebiet richten, was uns vernachlässigt scheint. Die Zeichen sind da. Wir brauchen sie nur zu sehen. Unser Körper meldet sich, wenn wir ihn vernachlässigen. Unser Herz meldet sich, wenn wir unsere Familie vernachlässigen, wenn wir Freunde vermissen. Die Gesellschaft meldet sich auch, wenn wir sie nur ausnutzen und nichts zurück geben.

Wir können diese Zeichen oft und gerne ignorieren. Nur, ob wir dann ein erfülltes, ein glückliches Leben führen können, wage ich zu bezweifeln.

Welches Gebiet vernachlässigt ihr gerade? In welchem Gebiet seid ihr grade richtig gut?

Lernen?

Arbeit?

Liebe?

Freunde?

Gesellschaft?

Geht diese fünf Punkte mal durch in Gedanken. Versucht nur heute, eigentlich nur jetzt in den nächsten paar Minuten, ganz stolz auf das Feld zu sein, in dem ihr richtig gut seid. Lobt Euch mal selbst für Euch.

Und dann geht die Liste noch mal durch, und überlegt, was ihr gerade vernachlässigt an Euch. Denkt nur darüber nach, stellt nur fest, versucht das nicht zu werten, versprecht Euch nichts.

Versucht, einfach nur sehen, was gerade ist, wo das Pendel steht…

IMG_0528

So, und nun ab in den Freitag. Wünsch Euch einen erfüllten Tag!