Sich um sich selbst kümmern…

Noch Berlin, 6:15, Tag 740

Heute Nacht habe ich von Rennfahrten geträumt, in einem Audi A3, hin und her, nirgendwo ankommend. Ich bin eine halbe Stunde vor dem Wecker aufgestanden, ich war wach, fühlte mich gut, will meine Reise vorbereiten, an alles denken, alles ordentlich packen. Ich brauch‘ eigentlich nur ein paar formellere Sachen für die ICIC und die EPOPIC für die ich von Istanbul aus aufbreche.

Eben sass ich für 40min bei der Meditation. Nach 20min wollte ich aufstehen und den Timer weiter laufen lassen. Es schien zu reichen. Und es würde ja eh keiner merken. Was hatte mich nur geritten, das zeitige Aufstehen in ein längeres Sitzen zu investieren? Da hätte ich auch weiter schlafen können. Oder ich hätte schon packen können, oder aufräumen. Oder ich hätte die Morgenzeitung mit all den Breaking News gelesen.

Nach wenigen Augenblicken war die Unruhe wieder vorbei. Meine Gedanken kehrten zurück zum ruhigen ein und aus meines Atmens. Und dann verschwanden Gedanken und ich in der Versenkung. Aber dann wieder, tauchte andere Gedanken auf. Mein Nacken tat weh. Eine Verspannung. Ich streckte mich wieder in den korrekten Sitz, aus dem ich versunken war. Wollte wieder aufstehen. Es reichte doch nun wirklich.

Und doch wartete ich wieder ab. Denn auch diese Attacke war schon nach wenigen Augenblicken wieder vorbei. Wenn sich mein Körper meldet, dann habe ich mir einen Checkup angewöhnt. Ich nehme den Schmerz, das Pieksen oder Ziehen einfach erst mal wahr. Und sage mir in Gedanken: ok, ich spüre dich, ok, ich kümmere mich um dich.

Ich sehe jeden Signal, das mein Körper mir durch Schmerz sendet als seine Art Warnung: wenn ich es ignoriere, wird es schlimmer. Wenn ich ihn bekämpfe, wird es schlimmer. Es gibt auch die Möglichkeit, erst mal gar nicht zu reagieren, sondern den Schmerz nur wahrnehmen. Wo ist er, wie ist er. Dann mache ich mir eine Notiz in Gedanken und verspreche dem Schmerz, mich zu kümmern.

Gestern habe ich mich schlimm an einem Zeh gestossen. Im Dunkeln habe ich die Kammertür zugezogen, mein Zeh war im Weg. Erst als ich das Blut sah, kam der richtige Schmerz auf. Es tat wirklich weh. Ich spüre den Schmerz am Zeh und die Wunde auch jetzt noch.

Doch dann setze ich mich und versuchte genau das gleiche: ok, ich spüre dich, ok, ich kümmere mich um dich. Und der Schmerz ebbte sofort ab. Es kam mir wie ein Wunder vor. Kein Ärger, keine Wut über meine Ungeschicklichkeit, keine Ablehnung, kein sauer sein, darauf, dass es so wehtat, keine Hektik, kein Pflaster, hat das bisher jemals geschafft.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, kommt mir das so simpel und normal vor. In der Akzeptanz liegt schon die Lösung. Das Wahrnehmen gibt die Linderung. Wir brauchen nicht mehr. Ob das unsere Unruhe, unsere Sehnsucht, unsere Trauer oder unsere Schmerzen sind. Die Lösung liegt im Annehmen, was ist. Im Erkennen und Versprechen, sich um sich selbst gut zu kümmern. Dann gehen wir rechtzeitig zum Arzt, dann bewegen wir uns ausreichend, dann Essen wir gesünder, dann ruhen wir uns rechtzeitig aus.

Erst dann leben wir nicht mehr gegen uns, sondern mit und für uns.

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So, gleich geht die Sonne auf. Ich räume auf und fliege los… wünsche Euch einen achtsamen Tag!

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