Zum Inhalt springen

Content Marketing ist überall…

Istanbul, 6:47, Tag 748

Heute Nacht habe ich mich in ein Hotel geträumt, eine Baustelle, lange Flure mit neuen trockenden Böden zum Klettern und Balancieren. Ich bin in einem nagelneuen Auto angekommen, das aus einer Tür mit Geräusch und Rand bestand. Ein Sonnenuntergang, eine Kundin, der Versuch anzukommen, der in einen weiteren, wieder abzufahren, mündet. Eigentlich wie immer, das in meinen Träumen übliche hin und her. Ich wachte sehr zeitig auf…

IMG_0517

Noch im Bett fing ich mir an, Sorgen zu machen. Eine Kamikaze Krähe im Sturzflug bestätigte diese erste Wertung des Tages.

Die Themen waren: Macht durch Intransparenz bei Planung, Steuerung und Kontrolle. Macht durch Diskontinuität bei Agenda Setting, ständig wechselnden Projekten und Zielen, Schwächen beim Nachhalten und der Selbstorganisation für Steuerung, also des operativen Managements.

Nach zehn Minuten und ständiger Steigerung der Intensität, entschloss ich mich aufzustehen und dem eine ausführliche Version meiner Morgenroutine entgegen zu setzen.

Aber die Themen blieben die gleichen.

Beim Duschen und auch in der Meditation kamen sie wieder, in anderer Form. Einerseits wurde es praktischer, konkreter mit weiteren Beispielen aus meinem Umfeld mit sich anschliessendem Ärger. Dann kam Beziehungsebene und die üblichen Wertungen, Trennungen also die Dualitäten: Mann/Frau, Chef/Mitarbeiter, lange/kurz dabei, rechts/links, bunt/grau, schön/hässlich… dazu.

Nachdem ich mich relativ lange mit Evernote organisiert habe, als Ersatz für langjährige benutze Todo Listen, Mail- und Dateiordner, die als Ersatz für das vor etwa vor fünf Jahren ausgemusterte Lotus Notes dienten, erlebt ich in dieser Woche eine Renaissance meine Kladde. Wenn sich meine Intuition meldet, möchte ich gerne etwas ganz einfach aufschreiben. Dann aber: Telefon raus, Swipe, Pin, Ok, Evernote, Sync abwarten, neuen Post klicken, los schreiben ist zwar unglaublich einfach und super schnell. Aber eine offenen Kladde auf meinem Schreibtisch und ein Stift drauf, sind einfach schneller. Nun kommt der Nachteil, dass man Kladden vollschreibt und alle paar Monate eine neue braucht.

Mein letzter Eintrag war vorhin die Frage an mich selbst: In welchen Themen bin ich eigentlich Experte? Einfach nur als Merker, dass mich diese Frage heute beschäftigt hat. Hier Klarheit zu haben, würde mir einiges erleichtern. Hier Unklarheit zu haben, lässt mir viele Freiheiten. Das Leben ist immer eine Blance aus Ordnung im Zentrum und Chaos an den Rändern. Es hält sich eigentlich immer die Waage.

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf ein Thema legen, wie zum Beispiel Macht und Kontrolle also Führung oder moderner ausgedrückt Leadership, dann ordnen sich dort unser Wissen, unsere Aktivitäten. Die Reaktionen auf unsere Aktivitäten können wir sicherlich nicht kontrollieren, aber allgemein sortiert sich unser Kopf zu diesem Thema. Wir werden ein Stückchen mehr wie ein Experte. Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir uns selbst das Label „Experte in…“ geben können, um es anderen einfacher zu machen, uns einschätzen, mit uns in Kontakt treten zu können.

Heute morgen las ich bei Stephanie auf TwitterSuccessful content marketing is 20% creation and 80% promotion. Das ist ein gängiges Verhältnis in unserer heutigen Welt, nicht ganz die klassische 80/20 Regel. Aber wenn das fürs Content Marketing gilt, vielleicht auch beim Expertentum? Experte Werden oder Sein macht 20% und die Experten Vermarktung 80% aus?

Ich hab ein paar Beispiele aus der letzter Zeit, die mich verwundern, oft ärgern und manchmal gar zu Aktionen, wie die der Krähe da oben führen könnten.

Wie können manche ihr bisschen, was sie haben oder können, so viel lauter vermarkten? Mich regt so was auf. Mich stösst so etwas ab. Das ist unethisch. Betrug. Heisse Luft. Alles Windbeutel. Nichts dahinter. Sollen die doch erst mal zeigen, was sie wirklich können, eh sie so laut die Werbetrommel rühren.

Das bedeutet, ich habe ein Thema damit. Das Verhältnis von Erzeugen und Drüber Reden zieht grad meine Aufmerksamkeit an sich. Ich empfinde mtc und mich oft als stark untervermarktet – vor allem im Vergleich mit einigen sehr lauten Wettbewerbern.

Es sortiert sich etwas in meinem Kopf weg von Chaos hin zu Harmonie, weg von Unordnung hin zu Ordnung. Vielleicht gibt es eine: „20 % Ordnung und 80% Unordnungs“ Regel?

So hätte ich gerne mein Leben eingerichtet. In 20% meiner Zeit wüsste ich gerne, was ich da mache, wieso, warum, also mit welchen Zielen ich arbeite und welche Ergebnissen ich erwarte. Aber darf 80% meiner Zeit wirklich in Promotion fliessen? Vielleicht stimmen wir zu, wenn ich sage: 80% unserer Zeit sollten wir in den Sammlung von Sozialkapital stecken?

Die einen meinen, die Lösung sei SEO, andere sagen Werbung oder (Content) Marketing dazu. Und dann machen sie Broschüren, Flyer, One Pager, Angebote, Messestände, Adwords Kampagnen, Strassenschilder, Netzwerken, Kaltakquise oder eben auch Social Media oder Community Management oder oder oder endlose weiterer Punkte. Alles mit dem Ziel, etwas Erzeugtes an Dritte zu verkaufen.

Dann schaute ich in meine Kladde und sehe dort von gestern Abend eine Zeile: Kind, Frau, Firma, Ich.  Jetzt wird daraus der Gedanke: Kind, Frau, Freunde, Kollegen, Bekannte, Selbst.

Angefangen bei unsere Kindern, Partner und Freunden, um die wir uns trotz oder gerade wegen unserer Berufe kümmern sollten. Das geht weiter bei unseren Kollegen, Dienstleistern und Kunden, die wir heute schon haben. Und hört dann auf, bei all denen die uns und unseren Wert/unser Extertentum noch nicht kennen?

Ich glaube, das meinen die Leute wirklich, wenn sie von Promotion oder Werbung/Marketing/Networking sprechen. Dahinter steckt doch der Aufbau von Sozialkapital, also dem Erzeugen von Beziehungen oder Prägungen.

Wen rufe ich an, wenn ich ein Problem x habe. Wer fällt mir ein, wenn ich an Thema x denke. Mit wem machen wir denn grade Geschäfte, also wer ist unser Chef, wer unsere Kollegen, oder wer sind unsere Kunden, wer sind unsere Lieferanten, also wessen Kunde sind wir eigentlich? Wie geht es all den Menschen um uns herum denn heute? Was habe ich gerade für eine Beziehung zu ihnen? Das ist im übrigen ganz konkret und gar nicht abstrakt. Wie die Sprache von vielen Experten, ihr erinnert euch, die das mit der 80% heissen Luft *ähm* Promotion und 20% Kreation verstanden haben.

Genau jetzt musste ich an einen weiteren Artikel aus meiner Morgenzeitung denken. Frau N. schrieb ihren sehr unterhaltsamen 597. Post über das Anbringen von Rollos an Regalen, in dem ich an folgendem Satz hängen blieb:

[…] man kennt diese Anwandlungen ja von allen Handwerkern und insbesondere auch von Friseuren: die Ausgangssituation und gestellte Aufgabe wird als so unlösbar und noch-nie-vorgekommen wie möglich dargestellt, um das eigene Arbeitsprodukt zu erhöhen.

Aha, jeder Handwerker kennt die Regel der Content Mafia also auch, die eigentliche Arbeit macht 20% aus, aber mit gefühlten 80% wird drüber gejammert und geklagt. Selbst Frau Herzbruch macht hier Content Marketing, versucht sich selbst zu vermarkten bzw schafft so Sozialkapital. Das führt meist über den Umweg, dass man das eigene Produkt/Fähigkeit/Kenntnis im Vergleich besser stellen möchte, als andere.

Wenn diese Selbstvermarktung wie dort und so vielen anderen auch durch Verspiegeln, Überhöhen, Herabsetzen, Selektion (Lügen durch Weglassen?) oder durch Emotionen erfolgt, fällt eigentlich uns allen die Diskrepanz zwischen Beschreibung und Geschehen auf. Der Einsatz von Universalquantoren wie Immer, Niemals, Alle, Keiner, … deuten in der Regel auf Content Marketing hin.

Manche, wie Frau N., bleiben bei so etwas verständnisvoll, unbesorgt und entspannt. Andere, wie ich, regen sich erst mal auf, ärgern sich, fühlen sich abgestossen. Um dann beide wieder, in einer Art Gegenschwung zu reflektieren.

Als ich mein Frühstück ass, bemerkte ich, dass ich den leckeren Käse und das Ei bis ganz zum Schluss aufhob und die gesunde aber nicht ganz so leckere Tomate und auch die Gurke, zuerst weg esse. Problem ist nun, dass ich kein Brot mehr zum Käse und Ei hatte, was die Leckerheit etwas abmilderte. Dann habe ich mir vorgenommen, ab sofort das Leckere zuerst zu essen.

Vielleicht brauch ich dann den Umweg über Ärger nicht mehr? Sondern bin gleich, verständnisvoll entspannt. Leckerer wärs ja!

Bisher keine Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s