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Oder aber?

Istanbul, 6:06, Tag 766

Heute Nacht, also was soll ich sagen, hab ich wieder nur belanglos geträumt. Die Kleine war zeitig wach, so dass ich sie als Ausrede benutzen konnte, noch etwas mit ihr liegen zu bleiben. Es war ein ruhiger, besonnener Start in den neuen Tag.

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Wir können uns entscheiden. Wollen wir heute, jetzt, hier über Ärger, Angst und Mangel gehen und das Unvollständige, das Unfertige zum Maßstab unseres Handelns machen. Oder aber: wollen wir heute, jetzt, hier über Freude, Spass gehen und Überfluss gehen und Schönheit, Ordnung und Struktur zum Maßstab unseres Handelns machen. Also?

Nie wird mir das so deutlich, wie hier in Istanbul. Meinem selbstgewähltem Exil, in dessen gewollter Sprachlosigkeit.

Eine Aufgabe hier ist Family First. Das fühlt sich mittlerweile einfach an. Die nötige Gelassenheit, die Kompromisse, die eigene Gestaltungskraft im Zusammenspiel mit meinem beiden Damen, das alles klappt immer besser. Je geübter und achtsamer wir dabei werden, desto klarer, harmonischer und häufiger werden Momente mit positiver Intention und Ausgang. Das ist richtig schön, zu beobachten.

Meine andere Aufgabe hier ist Reflektion. Das verändert sich gerade wieder stark. Mein Schwanken zwischen operativem Tun, der ergebnisorientierten Zusammenarbeit, auch über weite Entfernungen hinweg sowie dem strategischen Tun, dem Nachdenken, Planen, Verarbeiten und Vorbereiten, wird mir nur hier sehr deutlich. Berlin ist eindeutig Business First. Und ich hole Kommunikation nach, die hier -aufgrund der Hürden durch die Entfernung- zu kurz kommt.

Heute passend dazu ist das neue Buch von Jason Fried, einem der Gründer von 37signals erschienen: Remote. Office Not Required. Bin mal gespannt darauf. Vor allem aber, weil ich das erste Buch Rework: Change the Way You Work Forever von Jason vor drei Jahren schon so sehr gemocht und seit dem viel zitiert habe.

Mit diesen Gedanken und der Buchempfehlung will ich am liebsten meinen Post heute mal auf halbem Wege beenden. Der Entscheidung vom Anfang ausweichend. Dabei kann ich nicht ausweichen, auch wenn ich jetzt schnell poste.

Ich denke manchmal, ich kann, sollte, muss mich nur entscheiden. Ich denke manchmal, wenn ich mich nur oft genug für das Positive entschieden habe, verschwindet das Negative oder wird zumindest schwächer. Ja, das ist meine Hoffnung. Ja, das ist mein Glaube. Em Ende wird schon alles gut werden. Doch dann sehe ich, dass dieses Bewusst machen der Entscheidungsmöglichkeit nur der Beginn ist: nicht zu wissen, einfach zu bezeugen und dann achtsam handeln… ist die Fortsetzung.

Zu Erkennen, wann ich werte, wann ich etwas trenne, ist der nächste Schritt. Also Ärger, Angst und Mangel als meine Realität zu begreifen und abzulehnen. Denn auch Ablehnung, auch ein Dagegen-Entscheiden macht es immer noch zum Masstab meines Handelns. Das Ausweichen, Unterdrücken, das Nicht-wahr-haben-wollen löst es für mich nicht.

Ich bin so trainiert, mich als nicht gut genug zu erachten, daraus meine Kraft zu schöpfen, dass ich es kaum aushalte, mit irgend etwas zufrieden und glücklich zu sein.

So lange ich beides (Ärger und Freude) nicht als die beiden Seiten der gleichen Münze, von zwei Seiten an mir, zu begreifen, so lange versuche ich weniger negatives, mehr positives zu tun. So lange ich das versuche, werde ich hier wohl weiter schreiben (müssen). So lange werde ich weiter verstehen wollen, weiter reflektieren, weiter schreiben und schauen, was passiert, was mit mir passiert, wenn ich das raus zerre aus den Tiefen meiner Gedanken, meiner Persönlichkeit, rein ins Licht der Glasfaserkabel…

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