Ist eine Chefsekretärin Feuerlöscher und Kindermädchen? Ich sag: Nein!

Berlin, 7:01, Tag 774

Heute Nacht habe ich eine wunderbare Bruchlandung in einem Learjet hingelegt. Wir flogen durch die Wolken und suchten einen Landeplatz. Entdeckten eine leere Strasse, versuchten es. Wir schafften die Landung, der Jet zerbrach. Alle Passagiere wohlauf, das ganze Flugzeug zerstreut in einem Raum. Ich fing an aufzuräumen und unseren Müll weg zu schaffen. Bald fingen die anderen an, mit zu machen. Ich wachte weit vor dem Wecker mit Schnupfen in der Nase auf…

Jetzt habe ich schon angefangen zu arbeiten, statt erst mal hier Schreibzumeditieren. Vorhin während ich auf meinem Kissen sass, hatte ich nämlich eine Idee, die mich so motivierte, dass ich sie sofort umsetzen wollte. Es ging darum, wie ich effektiver und effizienter Arbeiten kann, in dem ich besser, also transparenter delegiere. Aber auch darum, wie das Rollenverständnis, die Aufgabenbeschreibung und Ziele meiner Assistenz (so heissen Chefsekretärinnen heute) sind.

Das Thema Executive Assistent oder auch Virtual Assistant bzw. Team Assistent beschäftigt mich schon seit vielen, vielen Jahren, ohne dass ich das bisher wirklich zufrieden stellend für mich klären konnte, was ich wie wirklich möchte oder brauche. Ich dachte bei Thema oft, dass ich zu sehr Kontrollfreak und Chaot war und bin, als dass ich mich konsequent und konsistent mal um das Thema kümmern könnte. Das führte oft zu Stress und damit natürlich zu Reibungsverlusten bei mir und im Team.

Eigentlich habe ich lange Zeit nur einen Feuerlöscher gebraucht. Ich habe oft meine Aufgaben so lange vor mir hergeschoben, bis es zumindest brenzlig roch, um dann Hilfe rufend meine Assistenz oder die Kollegen, die ich grad im Büro erwischte, zu bitten, sich zu kümmern und den Brand zu löschen. Meist per Anruf vom Flughafen oder aus dem Taxi. Also an den Naht- und Übergangsstellen, in denen einem siedend heiss einfällt, was man Wichtiges vergessen hat. Wenn alles lief, habe ich meine Assistenz sehr oft allein gelassen, vernachlässigt, ihr nicht die notwendige Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet.

Neben der Funktion des Feuerlöschers habe ich auch oft ein Kindermädchen gebraucht. Auf ein paar Aufgaben habe ich einfach keine Lust, meine Ablage, echte Briefe schreiben, meine Buchhaltung, meine Reisekostenabrechnungen. So leiste und genoss ich den Luxus und den Service eines Kindermädchens für mich. So dass ich zB Belege einfach nur an jemanden abkippen kann, der dann für mich sortiert, einträgt, vorbereitet. Soweit so schlecht! Denn eigentlich fühlte ich mich dabei immer unwohl, weil ich mich nicht für faul halte, vielleicht auch weil ich nicht abhängig und unselbständig sein möchte.

Vorhin sass ich also auf meinen Kissen und dachte so bei mir, dass meine Assistenz, wenn ich die Rolle richtig begreife, mich doch einfach nur zu einem besseren Chef machen soll. Das ist doch eigentlich die einzige Aufgabe. Ich möchte eine vorbildliche Führungskraft, ein effizienter und effektiver Manager, ein verantwortungsvoller Eigentümer meiner Firma sein und dabei immer besser werden, mich immer weiter entwickeln, und dabei Schritt halten, den Takt spüren bei der Entwicklung meiner Kunden, Kollegen und der gemeinsamen Projekte.

Sicher geht es oft auch nur darum, die anliegenden Arbeiten zu erledigen, zu planen, und unsere selbst gesteckten Ziele zu erreichen, die Regeln und Gesetze einzuhalten, den Laden am Laufen zu halten. Aber die eigentliche Aufgabe einer Assistentin ist es, mir dabei zu helfen, die Organisation, diesen lebenden Organismus mtc, dazu selbst in die Lage zu versetzen. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe. Es geht darum, mir in meiner Funktion zu helfen, die dafür notwendigen Koordinations-, Kommunikations-, Verwaltungs- und Denkaufgaben besser erledigen zu können. Und es geht eben genau nicht darum, sie für mich an meiner statt zu erledigen!

Ob ihr es glaubt oder nicht, dieses Selbstverständnis hatte ich so deutlich noch nicht in mir gespürt. Dadurch waren meine Signale, meine Gespräche mit meinen Assistenten oft widersprüchlich und inkonsistent.

Ich verlangte von ihnen oft, der bessere Projektleiter, Buchhalter, Organisator, Researcher, Entwickler, Supporter, ja sogar der bessere Chef zu sein. Und war manchmal verzweifelt und auch enttäuscht, weil das logisch- und natürlicherweise so nicht geht, so nicht sein kann. Dafür, dass sie es trotzdem immer wieder versucht haben, bin ich meinen bisherigen Assistenten unglaublich dankbar. Sie haben unter schwierigsten Bedingungen einen super Job gemacht.

Nun verspüre ich aber richtig Lust, das Thema auf die nächste Ebene zu heben. Ich hoffe, dass dieser Zustand nun anhält, dass meine Aufmerksamkeit nicht wieder abdriftet, dass ich auch bei diesem Thema begreife, dass ich allein Nichts bin auf dieser Welt. Auch möchte ich nie wieder (vor lauter manchmal vielleicht auch notwendiger Egomanie und Egozentrik) vergessen, was ich für ein Riesenglück hatte und immer noch habe, mit so unglaublich wohlwollenden, und extrem talentierten Menschen zusammen arbeiten zu können. Ich danke Euch! Aber vor allem möchte ich nie wieder vergessen, dass meine Assistenten keine Feuerlöscher für meine Dramen, keine Kindermädchen und keine Abkürzungen zum Erfolg sind.

Was für ein schöner, heller Morgen! Was für ein Start in den Tag! Ohhhh!

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Durch den anhaltenden Regen draussen, bekomme ich richtig Lust auf den Tag im Büro. Ich wünsch Euch nun einfach einen produktiven Freitag, habt Spass!

 

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