Monat: Februar 2015

Blog

Zurück in die Zukunft…

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Seite Tagen spüre ich das dringende Bedürfnis in mir, nach einem Reset meines Medienkonsums. Ich möchte aufräumen. Ich möchte wegwerfen. Neu anfangen. Frisch. Frei. Unbeschwert.

Anfangen könnte ich mit denen sich seit Jahren aufstapelnden Blogs erst im Google Reader und nun in Feedly. Ein paar der mir wichtigen habe ich in den Must Reads. Ein paar andere habe ich schön sortiert in Kategorien, nach Themen die mich interessieren… sollten. Ich betrachte mein Feedly als meine Morgenzeitung mit Artikeln von über den Jahren sehr vertrauten Autoren. Und ich bin der Chefredakteur! Und ich möchte einen Neustart!

Dann zum geliebten Facebook. Mit Facebook verbindet mich viel. Ich mag die App, ich beschäftige mich lange damit. Mit den Games dort habe ich schon vor, ohmeingott, 6 Jahren aufgehört. Also von ein paar gelegentlichen Rückfällen u.a. auf dem iPad mal abgesehen. Die Verfolgung von fast allen Pages, habe ich schon vor Wochen aufgegeben und nun sehe ich dort fast nur noch Links, die meine Bekannten und Freunde liken oder kommentieren. So gefiltert fühlt sich Facebook viel persönlicher an. Auf der anderen Seite lass ich meine Freunde die Drecksarbeit des Folgens der Nachrichtenseiten und Aufmerksamkeitsfresser erledigen. Einige -stark von Clickbait abhängige- Freunde verstecke ich schon vor meinem Newsfeed, was irgendwie schade ist.

Bei Twitter ist es irgendwie ähnlich, es gibt ein paar Menschen deren Tweets ich sehr gerne lese, aber wenn ich die App öffne, fühlt sich das doch erst mal schräg an. Eine andere Welt: Wo seid ihr grade? Wer warst du nochmal? Was ist grad los? Echt, oh Mann! Und klick, bin ich meist nach wenigen Swipes schon wieder weg… ich poste meist Links auf Twitter, ein paar Bekannte sind dort viel. Und wenn dann Interaktionen zustanden kommen, freu ich mich eigentlich sehr darüber, das vorher auch getwittert zu haben.

Dann zu den Tumblelogs, das zu meinem Magazin der schönen Bilder geworden ist, die mich wann immer das möchte ablenken und unterhalten. Schöne Architektur, schöne Landschaften, schöne Menschen, schöne Fotos. Schön, oft im künstlerischen Sinne…

Vor zwei Jahren hab ich noch geschrieben, wie sehr ich meine Morgenzeitung auf Flipboard liebe. Ach, Flipboard, das schöne Flipboard auf dem iPad zum noch schöneren Lesen der ganzen Posts und News und Bilder und Nachrichten und Meinungen und Ankündigungen und Reviews…

Was ich bemerke ist, wie leicht sich diese Gewohnheiten verselbständigen. Wie sehr sie zum Automatismus, zur Übersprungshandlung werden und wie schnell es geht, dass man sich routinemässig einer Newsquelle zuwendet, die man vor Jahren oder Monaten mit Abonnements gefüllt hat.

Es fühlt sich ein wenig so an, wie der Snack, die Schokolade, die Chips am Abend. Oder der Zucker im Kaffee. Oder wie Kaffee. Irgend etwas hat es auch mit der Zigaretten zu tun, oder dem Glas Rotwein zum Abendessen.

Ist man nicht aufmerksam, geht es zurück in die Zukunft.

Deshalb räume ich grad auf. Deshalb versuche ich achtsam zu sein, was ich lese, warum ich etwas lese und zu sehen, was mit mir passiert, wenn ich lese. Es gibt eine Sehnsucht nach Büchern, die ich in mir spüre. Das Lesen von längeren Geschichten, von Gedanken die sich ausbreiten über Seiten und Seiten und die ich abends vorm Einschlafen lesen möchte. Und es gibt eine Sehnsucht in mir, produktiver und besser zu sein, als gestern noch.

Deshalb mache ich schon jetzt Frühjahrsputz, im Schatten der Bäume, die durch die Fenster in unseren Flur hier in Istanbul scheinen. Ich verschiebe alles ins Archiv und fange meine Tage schlanker, leerer, mit mehr Platz für Neues, mit mehr Möglichkeiten für die Zukunft an.