Monthly Archives: März 2015

Berlin, 6:10, Tag 782

Heute Nacht habe ich eine Gruppe Obdachloser besucht, die in einem Raum, vermutlich einem mit Geldautomaten, auf dem Boden schliefen. Irgend etwas wollte ich dort abholen. Eine Frau schnorrte mich um eine Zigarette an und ich kaufte einen ganzen Pack und rauchte eine davon mit ihnen gemeinsam. Am Geldautomaten hatte ich nur zu wenig und polnisches Geld, der Automat schluckte auch das und ich fand noch einen Schein, den der Automat, obwohl völlig zerknittert mit einer unglaublichen Geschicklichkeit als echt erkannte und die Schachtel ausspuckte. Ich setzte mich dazu, zog meine Schuhe aus, um die Decke nicht dreckig zu machen. Wir verstanden uns prächtig, unterhielten uns länger und ich fühlte mich wohl. Für einen Telefonhack kam mein ältester Freund A. an, er sah mich belustigt distanziert an, aber ich kenne ihn zu lange, um mich nicht darüber zu freuen. Die Alarmanlage ging los, das Telefon klingelte, der Wachschutz erschien. Und obwohl ich das Passwort nicht hatte, verliessen sie uns nach einem kurzen Rundgang sofort  wieder. Irgendwie musste ich los, gemeinsam mit einer Frau und ihrer Tochter liefen wir los und ich wachte zeitig vor dem Wecker auf…

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Weil es grad stark regnet, gibts jetzt ein Bild vom gestrigen Sonnenuntergang hier in Berlin. Die grossen grauen Wolken verzogen sich in wenigen Minuten durch einem starken Wind. Es war kurz vor halb 8, den Rest hab ich nicht mehr mitbekommen, da ich um genau diese Zeit meine Kleene mittels Facetime vorlesend ins Bett bringe.

Bin immer noch sehr, sehr unruhig, aber sehe auch Land. Wenn ich einfach mache, was jetzt dran ist und versuche die mich immer begleitenden Gedanken und Geschichten meiner Erwartungen und Befürchtungen einfach mal los zu lassen, gehts schon besser. Liege jetzt auf dem Sofa und schreibe hier. Die Alternativen zum Jetzt, die vielen Möglichkeiten, was ich jetzt noch alles tun müsste, könnte und sollte, überfordern mich oft. Diese Gedanken halten meinen Kopf besetzt und verhindern dabei sehr effektiv, dass ich wirklich etwas tue. Sie geben mir aber das postiv besetzte, aber negativ wirkende Gefühl, total wichtig, beschäftigt und voll ausgelastet zu sein.

Es gibt ein Inselspiel, so nenne ich das jedenfalls. Eine kurze Recherche führte mich von S. 57 von Dieter Hermanns: „Werte und Kriminalität: Konzeption einer allgemeinen Kriminalitätstheorie“ zum Inglehart-Index, den Ronald Inglehart in den 80igern des letzten Jahrhunderts entwickelte im Rahmen seiner Post-Materialismus Forschung. Einfach mal „zwölf gegenstände werte“ googeln. Passt schon!

Zurück zum Spiel: welche zwölf Gegenstände würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen? Bring dann die Gegenstände in eine Rangfolge, zB gruppiere sie dann in sechs Zweiergruppen und wirf, fast wie in einem Tennismatch,  im KO Verfahren immer eines davon raus. Die sechs verbleibenden Gegenstände wieder gruppieren, die drei letzten dann ebenfalls. Die Gegenstände, wenn man das Spiel mit einer gewissen Ernsthaftigkeit spielt, repräsentieren persönliche Werte. Bei mir sind die letzten drei: Freiheit, Beziehung, Entwicklung. In genau der Reihenfolge.

Nach dieser Offenbarung musste ich erst mal mein Frühstücksgeschirr abwaschen und, weil es grad angefangen hat, zu schneien (wirklich!), bin ich ins etwas wärmere Büro nach unten umgezogen.

Zurück zu den Werten:

„We must turn from the inappropriate use of the disease model of emotional distress and understand that individuals’ psychological pain arises within social systems as well as within their own brains.“

Habe ich in einem Slate Artikel über den Germanwings Absturz gelesen. Es geht hier und in dem Artikel nicht um den Absturz oder dessen Ursachen. Es geht um die Stigmatisierung von Menschen mit Hilfe von Diagnosen oder Krankheitsbezeichnungen. Stigma, altgriechisch στíγμα, Mehrzahl Stigmata, bedeutet wörtlich „ Stich-, Punkt-, Wund- oder Brandmal“ schreibt Wikipedia hier. Wir benutzen Stigmata, wie Depression oder auch Drogensucht, um bestimmte Verhaltensweisen, die nicht unserer Vorstellung, unseren aktuellen gesellschaftlichen Normen entsprechen, zu kennzeichnen und damit abzuwerten.

Mein Problem mit diesen Stigmata ist, dass sie keine Lösung der Probleme für uns Menschen bieten. Es entsteht eine Industrie von Medikamenten, Ärzten, Vereinen, Einrichtungen, Systemen die für ihre eigene Existenz, immer die Existenz des Stigma, des Problems benötigen. Diese Systeme tragen dann unbewusst dazu bei, die Ursachen für die Depression oder auch Drogensucht zu erhalten, sonst würden sie sich selbst ja entwerten und letzlich ihrer eigenen Existenz berauben. Die stärksten Drogengegner sind deshalb niemals für die Legalisierung von Drogen, sie können es nicht sein, denn dann würde sie sich selbst ihrer Identität als Drogengegner berauben, da Drogen aufhören würden welche zu sein.

Der Rückschwenk zu den Werten fällt jetzt etwas heftig aus, also Achtung: aber ich glaube fest daran, dass persönliche Freiheit, dass echte, vielfältige Beziehungen und dass Entwicklungsmöglichkeiten dazu beitragen, meine eigenen Stigmata, meinen eigenen Ausreden und Selbstkennzeichen zu schwächen. Mir hilft diese Besinnung auf meine Grundwerte dabei, mein Lebensglück, meine Zufriedenheit, mein am Leben sein, in mir zu suchen und nicht in Pillen, Doktoren, in Diagnosen, Therapien oder sonstwo im Draussen, sondern in mir, im jetzt, im hier!

In diesem Sinne! Ich wünsch Euch einen wertvollen Dienstag!

Noch Istanbul, 5:37, Tag 781 Heute Nacht habe ich vom Sammeln von Vorlesematerial für meine Tochter geträumt. Bekannte gaben mir zerfallene Bücher mit ihren alten Geschichten, die ihnen viel bedeutet haben und die ich sammelte. Danach entwickelte sich die Szene zu einer Drogenparty, auf der ich der Versuchung ganz lange fast widerstand. Die Party löste sich schnell wieder auf. Polizisten, die wussten, wonach sie zu suchen haben, erschienen und schlenderten auf mich zu, grüßten mich freundlich, formal, neutral. Ich räumte erfolglos auf, sie kamen wieder und näher und ich wachte aus dem Alptraum etwas zu zeitig auf. Zeitiges Aufwachen an Reisetagen ist sehr willkommen. So kann ich meine normale Routine vorverlegen und fast vollständig abspulen, während ich gestern Abend mit mehr Schlaf und für eine verkürzte Reiseroutine geplant habe. Für Reisetage ist alles schon hingelegt, gepackt und vorbereitet. So geniesse ich eine sehr zeitige Stunde der Ruhe ohne viel Nachdenken, ohne viel Entscheidungen, das fand alles schon gestern Abend statt. Könnte ich eigentlich immer so machen.

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Es ist zu früh für mein Morgenbild. Noch kein Anzeichen von Dämmerung zu erkennen. Und das iPhone6 macht trotzdem ein Bild, auf dem mehr als ein schwarzes Rauschen zu erkennen ist. Jetzt ist die Zeit schon aufgebraucht, die ich zeitiger aufgestanden bin. Schliesse hier mal ab, sonst reise ich nicht, sondern denke nur an diesen unfertigen Post hier. Wünsch Euch zeitig, einen schönen Start in den neuen Tag, in die neue Woche!

Istanbul, 7:04, Tag 780

Heute Nacht hatte ich einen Knick in meinem neuen Laptop. In der Unterseite mitten längs durch die Tastatur, durchs zu dolle Aufklappen oder was auch immer. Auf dem Weg zum Flughafen in der falschen Strassenbahn, kurz vor der Endhaltestelle bemerkte ich das. Dann lief und sprang und hüpfte ich in einem lässigen Parkour Stil durch ein Gewerbegebiet über Treppen, Autos und Geländer (das mach ich ab jetzt im Traum immer so).

Nach einer Weile bemerkte ich, dass ich die Abflugszeit gar nicht kannte und packte mein fast auseinander fallendes, nagelneues Laptop aus. Dabei dachte ich bei mir: das ist ein Zeichen, eigentlich reicht mir ja mein iPhone mittlerweile. Nun fummelte ich an diesem rum, um mich zu orientieren. Wo bin ich, wann ist mein Abflug und wo der nächste Apple Store? Dann bemerkte ich, dass ich meinen uralt Wecker in der Hand hielt und auf dessen klassisches Zifferndisplay schaute. Neben mir eine junge Frau, die verständnisvoll darüber hinweg sieht. Auf der anderen Seite taucht mein Freund Michael auf, der äusserst besorgt darüber hinweg sieht. Ich wache mehrmals immer wieder erleichtert auf.

Mitten in der Nacht habe ich mir noch an eine weitere Sequenz aufgeschrieben: Stewardessen laden mich auf einen Flug ein, der Weg zum Flugzeug führt durch die Wüste: ich mache ein Wüstenrennen draus mit Scheichs in mattschwarzen Jeeps. Am Ende gewinne ich, und bekomme einen Burger namens Olaf. Und nun möchte ich nicht wissen, welche Träume ich noch alle vergessen habe.

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Ist etwas trübe hier. Hat die ganze Nacht geregnet, nach einem grossartigen Frühlingstag gestern, an dem wir bei 18 Grad in Yeniköy am Bosphorus lang spaziert sind. Vorher ein neues Fishrestaurant, das Yelken dort, ausprobiert. Uhhhhi, welch eine Gaumenfreude am frühen Nachmittag.

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Mein Zorn ist fast verflogen und ein Gefühl hat sich ausgebreitet, dass eher zärtlich, etwas müde, mit einem leichten Anflug ins Alberne und doch, ja doch, Offenheit für alles was ist ist. Trotzdem fühle ich noch der Aggressivität nach.

Hatte vorhin eine neue Idee, mein Leben und meinen Blog hier zu kategorisieren. Jeden Beitrag hier möchte ich nach: Lernen, Leben, Familie, Gesellschaft, Welt, Universum einteilen. Das klang vorhin unaufgeschrieben in meinem Kopf noch besser, als sich das jetzt hier liest. Vielleicht erinnert ihr euch. Diese Einteilung stammt von Bernie Glassmanns: Instructions to the Cook, der damit die Gänge des Festmahles eines erfüllten Lebens beschreibt.

Habe mir gestern final meinen Haupt Lightroom Katalog zerschossen. Meine über 100.000 digitalen Photos und Videos, passen grade noch so alle auf die allergrößte Festplatte, die es für diese Laptops hier aktuell gibt. Da ich mir selbst und meinen Backupwarmhaltefähigkeiten auf externen Festplatten nicht 100pro traue, dachte ich mir vor zwei Wochen schon: ich verschieb die Bilder einfach in meine Dropbox. Dort ist Platz und Cloud ist eh die Zukunft.

Nun synct sich jede Nacht ein kleiner Teil der über 400 Gigabyte dort hoch. In einem Monat will er fertig sein, egal.

Eine weitere unangenehme Folge dieser Aktion ist nun, dass nachdem Dropbox alle Bilder indiziert hat, Lightroom meint, 100.000 neue Bilder gefunden zu haben und 100.000 alte Bilder vermisst. Früher ging das mal alles über den Dateinamen, was modernen Filesystemen natürlich viel zu trivial wäre. Uffja!

Und ja: ich hab alles mehrfach gesichert, den Katalog und die Bilder doch auch. Ich könnte das in ein, zwei, drei lockeren Stunden alles wieder in den Urspungszustand versetzen. Will ich aber nicht! Macht ja irgendwie auch Spass, sich neue Kategorien für sein Leben in Bildern zu überlegen und dabei immer weiter zurück blickend neue Zusammenhänge, einen neuen Sinn zu entdecken.

Wir müssten eigentlich gleich los. Fräulein Kruegers Schule lädt am Sonntagmorgen um 9:00 Uhr zu irgendwas ein, und das am Tag der Sommerzeitumstellung. Kaderschmiede nannten sich solche übereifrigen Einrichtungen früher. Aber als wir sie vor 4 Jahren dort zur Vorschule anmeldeten, war das nicht absehbar, aber die Zeiten ändern sich offensichtlich! Ich glaub, ich mach erst mal Frühstück.

Wünsch Euch einen ruhigen Start in diesen Sonntag!

Istanbul, 5:03, Tag 779

Heute Nach war ich mit meiner Familie in einer Fabriketage, wir wohnten da, hatten uns eingerichtet. Wir schliefen eine Nacht, ich wachte zeitig auf, meine Morgenroutine war mir unbekannt. Dann wachte ich mitten in der Nacht auf… wollte mir Details des Traumes ohne Notiz merken. Tsss.

Danach träumte ich von einem Spaziergang mit Kollegen aus dem Büro und Tony. Wir waren in einem Moor, markierten den Weg mit Holzlatten, die man durch die feste aber federnde, oberste Schicht treiben musste. Später kletterte ich durch das Treppenhaus der Fabriketage, das total zerfallen war. Über Eisenbewehrung aus dem zerbröselndem Beton, benutzte halsbrecherisch Leitern, musste über Riesenlöcher. Auf jeder Etage gab es unterschiedlichste, schöne Wohnungen, alles WG’s. Die Bewohner wachten langsam auf und klettern mit uns eine Holzleitern runter, wir hoch und sie redeten mit uns. Aber eher wie Zootiere über Zoobesucher reden. Sie waren es offenbar gewohnt, dass die anderen Hausbewohner durch ihre Flure klettern mussten. Ich wachte wieder auf. Es ist immer noch sehr zeitig.

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Habe mich schon beim ersten Aufwachen darauf gefreut, gleich hier zu schreiben. So weit, so gut!

Gestern und auch heute spielte mein Zorn wieder mal eine grosse Rolle. Eine Angewohnheit, eine Gewohnheit. Wenn etwas nicht nach meinen Vorstellungen, meinen Erwartungen entsprechend läuft, reagiere ich erst ärgerlich, ablehnend und wenn ich damit nicht weiter komme, dann gar zornig. Das Gefühl umklammert mich, ich verliere die Kontrolle, die Entscheidungsmöglichkeiten, der Zorn übernimmt mich.

Es fühlt sich danach schrecklich an. Ich brauche Zeit, da wieder raus zu kommen, ein Spaziergang, Ortsveränderung, andere Menschen, irgendeine körperliche Tätigkeit. Danach gibts meist Trauer und Leere und Apathie. Eine Gefühl der Machtlosigkeit, der Kater des Kontrollverlustes.

Dabei bin ich doch ein Optimist, schaue positiv aufs Leben, glaube immer an Veränderung, Entwicklung. Will lernen, lerne jedes mal, reflektiere, nehme an, schaue hin. Doch fehlen mir die genauen Muster, die Wendepunkte. Ich hab da kaum Zugriff drauf. Wenn der Zorn mich übernimmt, fühlt sich das an, wie im Rausch. Ach, das ist die Verbindung…

Eines weiss ich sicher, positiv ist Ärger und Zorn nicht. Sich darin zu verlieren, löst Leid und Schmerz in mir und dann in anderen aus. Ziehe ich die Wertung davon ab, bleibt Energie. Nehme ich das Ego aus der Gleichung, dann bleibt Klarheit übrig. Klarheit ist nicht im Rausch, aber kurz davor und sicher eine Weile danach!

We breathe in what is painful and unwanted with the sincere wish that we and others could be free of suffering. As we do so, we drop the story line that goes along with the pain and feel the underlying energy. We completely open our hearts and minds to whatever arises. Exhaling, we send out relief from the pain with the intention that we and others be happy.

Schreibt Pema Chödrön in The Places That Scare You: A Guide to Fearlessness in Difficult Times, das Buch, welches ich schon seit geraumer Zeit langsam lese.

In dem Kapitel mit diesem Zitat, wird eine schöne Meditationsübung beschrieben: Tonglen, was übersetzt etwa Geben und Nehmen oder Empfangen und Senden heisst.

Sie beginnt mit einem einem Moment der Offenheit, der Leerheit. Ich stelle mir dabei manchmal einen grossen leeren Raum vor. Eine riesige Halle mit einer dunklen Decke, die flach aber fast unsichtbar ist, wie ein schwarzer Nachthimmel. Der Raum weitet sich. Ich werde kleiner in einer der Ecken, die Wände entfernen sich von mir, die Perspektiven verschieben sich.

Im zweiten Schritt konzentriere ich mich auf meinen Atem. Wenn ich laufe, synchronisiere ich meinen Atem mit meinen Schritten. Meist: eins, zwei, drei beim Einatmen, dann eins, zwei, drei beim Ausatmen. Das dauert einen kleinen Moment, ehe Schritte und Atem synchron laufen.

Beim Sitzen geht es darum, dass man den Atem nicht kontrolliert beim Zählen, sondern sich atmen lässt. Eine Hilfe hierbei ist es, dass ich ausatme und dann ruhig warte, bis mein Einatemimpuls von alleine kommt. Wenn man ausatmend wartet, gibt es einen Moment, an dem man einfach von selbst wieder atmen möchte. Wenn ich mich nur auf das Erfühlen dieses einen Momentes konzentriere, kann ich die Kontrolle über meinen Atem abgeben. Und ihn dann in der Folge einfach zählen.

Beim Tonglen atme ich den Schmerz ein, den ich empfinde oder sehe oder an den ich mich erinnere. Genau nur den Schmerz den mein Ärger, meine Wut oder mein Zorn bei mir verursacht. Ich renne nicht weg, unterdrücke diesen Schmerz nicht, nehme ich wahr, erkenne seine Existenz an. Dann atme ich ihn ein. Dabei stelle ich mir dicke, schwere, heisse, dreckige Luft vor, die meine Lungen füllt. Und ich atme in meine Großzügigkeit, in den freien Raum wieder aus. Beim Ausatmen strömt nun frische, leichte, kühle, saubere Luft aus mir. Hier liegt für mich der Schlüssel des Tonglen, dies ist mein Bild, meine Vorstellung der Transformation in mir.

Wenn ich in dieser Atemtransformation eine Balance gefunden habe, wenn ich spüre, das Ein- und Ausatmen im Gleichgewicht, regelmässig geworden sind, dann überlasse ich diese Bilder sich selbst. Dann stelle ich mir die Schmerzen, den Ärger, die Wut und den Zorn von anderen Menschen vor, und wie ich deren Schmerz einatme und wie ich Linderung ausatme.

Als ich das letzten Freitag auf dem Weg zum Zahnarzt ausprobiert habe, sah ich das Bild einer Frau, die einen streunenden Hund am Bauch streichelte. Mitten im Ausgang der Istanbuler Metro, an der ITU Station. Andere Menschen liefen meist achtlos vorbei. Ich hatte meine Konzentration nicht auf einen bestimmten Menschen gerichtet, sondern einfach auf jeden, den ich gerade während der Fahrt sah. Danach fühlte ich mich beschwingt und leicht und froh. Es fühlte sich an wie eine Lösung, wie die Lösung.

Bis ich wenige Stunden, Tage später, wieder die Kontrolle verlor. So geht das schon eine ganze Zeit lang, eigentlich mein ganzes Leben. Im Kopf ist irgend eine Klarheit, da weiss ich meist, was ich grad mache. Aber im alltäglichen Leben, tappe ich immer wieder in die gleichen selbstgestellten Fallen. Leben ist Leiden, hatte der Buddha wohl schon vor 2.500 Jahren mal gesagt, fällt mir in den letzten Tagen immer wieder ein. Echt jetzt, das war damals schon so? Uffja!

So, jetzt sind die tausend Zeichen erreicht. Als ob ein Stau sich löst, gleich am zweiten Tag. Ich erinnere mich, warum ich das hier Schreibmeditation genannt hab. Sicher ’nen schweres Thema für nen Samstag, musste aber sein!

Nun mach ich gleich Pfannkuchen!

Die Erdbeeren habe ich schon geschnitten und gezuckert.

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Gleich sind beide Mädels wach und ich kann in der Küche richtig Krach machen und unser Frühstück vorbereiten. Habe das vor vier Wochen beschlossen, dass ich eine neue Tradition einführe, einfach jeden Samstag fluffige Eierpfannkuchen zu brutzeln.

So, aber nun wünsch ich Euch erst mal einen fluffigen Samstag!

Istanbul, 7:36, Tag 778

Heute Nacht war ich bei einem amerikanischen Bekannten zu Besuch, der eine deutsche Frau hat, die eigentlich eine Türkin ist. Bis 4 in der Früh waren wir in einem Club. Danach setzte die Erinnerung aus und ich erwachte am nächsten Tag um 10 auf seinem Sofa. Wir waren schon zu spät. Aber er wollte mir unbedingt den Weg zu einer Eisdiele in der Nähe erklären. Dabei nuschelte er nur sehr verkatert den Namen und ich durfte Google Maps nicht verwenden, um seinen Erklärungen auf der Karte zu folgen. Nach drei Anläufen wurde ich ärgerlich und stürmte auf die Auffahrt in mein Auto. Ein Kollege kam mit seiner Frau gerade an, um uns abzulösen und schaute genau in dem Moment in mein Auto, als ich mich umzog. Ich erwachte eine halbe Stunde vor dem Wecker mit peinlichem Ärger in Bauch und Hals, der sich überraschend schnell verzog…

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Hier mein zweiter Anlauf, denn ich möchte doch wieder Tagebuch schreiben. Jeden Morgen eine Stunde der öffentlichen Reflektion und des Innehaltens. Ich habe so lange gewartet, ob meine Lust am Schreiben dazu führt, dass ich meine Themen finde, also dass ich nur noch über meine Photos, mein Zazen, meine Firma, meine Projekte schreibe. Aber das hier, ist doch mein Projekt. Das hier umfasst das alles, gibt ihm eine Routine und einen Rahmen.

Richtig klar geworden ist es mir erst letzte Woche, als mir Frau Novemberregen folgendes sagte:

Es ist so schwer auszuhalten für mich, dass ich weiss, ich könnte mir nur etwas mehr Mühe geben und dann könnte es perfekt, noch perfekter, sein. Vor diesem Gefühl weg zu rennen, in die Arbeit, in die Ignoranz, in den Ärger, in den Zorn, ist aber auch keine Lösung. Es wird noch schwerer, je öfter ich morgens einfach die News gelesen oder schon die Mails bearbeitet habe. Spazieren gehen hilft manchmal. Doch nichts zu tun, ist noch schwerer auszuhalten, als etwas nicht perfekt zu tun.

Mein Flug gestern war eine grosse Übung. Als ich mich setzte, auf 11A, schlug mir ein stechender, alles durchdringender Knoblauchgeruch entgegen. Ok, bin auf einem Flug nach Istanbul, das sollte ich gewohnt sein, denkt der kleine Rassist in mir. Doch ein asiatisch aussehender Mann sass in der Mitte, er war die Quelle. Sein Sohn sass eine Reihe hinter ihm. Er drehte sich häufig um, lehnte sich dabei mit Knie und Arm an mich, um mit ihm zu sprechen. Die Lüftung über mir stellte ich auf meine Stirn ein. Immer dann, wenn mir schlecht wurde, nahm ich meine Hand vor meine Nase und Mund. Um mich an meinem eigenen Handschweiss und all den anderen Gerüchen derjenigen Dinge zu erfreuen, die ich seit dem letzten Händewaschen alle berührt hatte.

Ich habe mir angewöhnt, die 20min beim Take Off zu meditieren. Gerade sitzend, mit in einander gelegten Händen, die Füsse gerade unter dem Sitz, stecke ich mir meine Kopfhörerstöpsel Sicherheitsanweisungs und Miles&Smiles Werbung dämpfend in die Ohren, stelle den Meditationstimer an und konzentriere mich auf meinen Atem, ich zähle ihn einfach. Beim Einatmen Eins, beim Ausatmen Zwei. Dabei nehme ich meine Abneigung gegen den stechenden Geruch einfach wahr. Komischerweise verschwindet diese Abneigung aber nach kurzer Zeit der Konzentration und macht anderen Gedanken und Gefühlen Platz.

Die Woche war gut bisher, viel Aktion, viele gute Gespräche, viel Execution, einfach Machen. Wir haben sehr viel Bewegung, sehr viel Veränderung in der Firma. Sind nun über 90 Mitarbeiter, oh wie gross das klingt! Unsere Organisation muss sich an diese Größe anpassen. Und wir ächzen und stöhnen unter den Wachstumsschmerzen. Mal nenn ich das Professionalisierung, mal Optimierung, mal sind es strategische Projekte, mal wieder einfach Restrukturierung. Doch es ist immer das Gleiche! Doch nur mehr Klarheit bei mir und uns allen, führt zu lindernder zu positiver Veränderung.

Und wie lange habe ich diese Klarheit im Aussen gesucht, in neuen Mitarbeitern, in Konzepten, Produkten, Kunden? Es ist so verführerisch, die Verantwortung und die Kontrolle von sich weg zu schieben. Sich als Spielball des Lebens, des Schicksals, der Gesellschaft, der Umstände, der Kollegen, der Technik, der eigenen Unklarheit zu sehen, scheint so viel einfacher. Das ist eine wirklich grosse Illusion. Eine Täuschung! In sich zu schauen und dann auszuhalten, was man dort findet, davor rennen wir weg. Wir rennen mit allen Mitteln, unter Einsatz aller verfügbaren Mittel, mit allen Kräften.

Es brauchte ein neues Laptop, einen Tweet von Frau N., den gestrigen Flug, eine Knoblauch Meditation, mein Zazen Retreat und so viel mehr, um diesen Text jetzt hier zu schreiben. Ich habe die Hoffnung, dass ich morgen früh hier wieder sitze, die gleiche Spannung und Freude empfinde. Ach, eines noch ganz spontan: ich teile diesen Post nur hier. Kein Twitter, Facebook, Google, LinkedIn Spamming mehr! Wer’s finden will, wird’s finden. Ich brauch Euch das doch nicht überall unter die Nase zu reiben.

Wünsch Euch einen tollen Tag!