Spiele meines Egos

Istanbul, 6:34, Tag 792

Heute Nach habe ich von einer Ärztin in einem alten Gehöft geträumt. Ihre Praxis war modern und hell. Sie erzählte mir von den Abläufen in ihrer Praxis und machte mich so zu ihrem Verbündeten. Ich glaub, sie war allein. Auf der Rückfahrt verfuhr ich mich jämmerlich, viele Umwege. Strassen, die zu Einbahnstrassen wurden, Baustellen, übergetretene Flüsse, viel Verkehr. Danach ging es noch turbulent weiter und ich erwachte froh kurz vor dem Wecker…

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Ein klarer Morgen hier in Istanbul. So ganz anders, als ich mich grad fühle.

Unruhe und Gedanken während der Morgenmeditation sind mein Indikator. Unsicherheit und Unzufriedenheit liegen bei mir eng beieinander. So eng, dass ich die eine oft nicht von der anderen unterscheiden kann. Also nur, wenn ich ehrlich zu mir bin. Wenn ich nicht so ehrlich bin, dann ignoriere ich die Unsicherheit und wälze mich sofort in der Unzufriedenheit mit mir und mit anderen.

Irgendwie bin ich froh, dass ich diese Gefühle zumindest während der Meditation und in ruhigen Alltagssituationen ganz gut los lassen kann.

Heute morgen war das so, dass ich mir einige Situationen auf Arbeit vorstellte, die mich beunruhigen oder verunsichern und dann ärgern. Als ich das bemerkte und meine Konzentration wieder auf meinen Atem, auf die Dämmerung draussen, auf meine Beine auf dem Kissen lenkte, kam neben einer leichten Traurigkeit aber auch Ruhe und Entschlossenheit auf. Ich weiss schon, was ich machen kann. Ich weiss schon, dass ich das schaffe. Ich weiss schon, dass ich jetzt nicht dort bin.

Ich weiss schon, dass ich jetzt hier bin.

Aber ein paar der Gedanken scheinen ganz brauchbar, einem Plan ganz ähnlich, einen Eintrag auf der ToDo Liste wert. Manche Gedanken scheinen einer Rettung gleich zu kommen. Ich träume mir einen idealen Ablauf: die richtigen Worte im richtigen Moment; die richtige Reaktion der anderen im richtigen Moment. Dann fällt mir ein, was ich alles machen wollte, was ich alles machen müsste und bin wieder im Kontakt mit meiner Unsicherheit, mit meiner Unruhe.

So könnte ich Minute um Minute, Stunde um Stunde zu bringen, ohne viel zu erreichen, ohne viel zu machen, bin aber furchtbar beschäftigt mit mir selbst.

Die eigentlichen Auslöser sind meist miniwinzigklein. Sie isoliert zu betrachten und zu erledigen, ist jedes mal ein erschreckend schnelles Unterfangen. Kurze Mail, schneller Anruf und zack weg, erledigt und done!

Es gelingt mir immer öfter, mich bei diesem Spiel meines Egos zu erwischen. Ein Lächeln, ein liebevolles Lächeln und zwei Atemzüge später: entspannt sich tatsächlich meine Bauchdecke, meine Gesichtsmuskeln entspannen sich und drücken das Lächeln auch aus. Ein Krampf löst sich, ich spüre einmal eine leichte Müdigkeit und dann eine Freude am Leben zu sein. Ich spüre eine Freude über die Abwesenheit von Schmerz, Krankheit und Mangel. Ich spüre eine Freude über das Vorhandensein von Licht, von Wärme, von Luft und meines Laptops.

Dann setz ich mich dran und lächle immer noch und schreibe einfach los. Dann kommt meine Tochter müde aus dem Bett und ich freu mich sie zu sehen und zu begrüßen und zu versorgen. Dann vergeht die Zeit so schnell und wir starten in den Tag, ziehen uns an, packen die Tasche und gehen zum Bus. Ich setz mich zu Durak, frühstücke und tippe weiter, höre der Geschäftigkeit hier nicht zu, lass mich anstecken vom einfachen Tun und Sein.

Es ist noch nicht mal um 7 zu Hause in Berlin… der Tag fängt grad erst an!

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