Sonntagspause

Istanbul, 6:40, Tag 843

Heute Morgen, guter Morgen. Meine Träume waren lang, und bunt, aber ich liess sie schnell los und so habe ich sie jetzt schon vergessen.

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Ich beschäftige mich weiter mit dem Kapitalisten in mir, mit den Gründen meines Seins, nur heute nicht hier. Heute mach ich hier Pause und wünsche Euch einen ruhigen Sonntag!

Reflektion im Spiegel

Istanbul, 6:42, Tag 842

Heute Morgen bin ich immer noch müde. Die eine Stunde Zeitverschiebung fiel mir auf, es ist in Berlin jetzt erst 5:42 und ich bin damit sehr zeitig wach. Aber Ausschlafen ist keine Option, nur eher ins Bett gehen. Gestern lag ich zeitig im Bett, konnte aber schwer einschlafen, nach so einer Woche und einem langverspäteten Flug auch kein Wunder.

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Gestern ist mir sehr klar geworden, wie viel mein Job von meiner eigenen inneren Klarheit abhängt. Ich hab mir in der Lounge einen Spiegel geben lassen und den das erste mal seit Monaten, wenn nicht Jahren gedruckt gelesen.

Ein Artikel über den Papst, der eine feste Routine, feste Rituale für alles hat, den Tag, die Woche, den Monat, das Jahr, immer gibt es irgend einen Anlass, irgend eine Zeremonie, feste, lang geübte Formate für alle möglichen Aufgaben. Der aktuelle Papst solle sich mehr unter sein Amt beugen, schrieb einer, der anscheinend niemals auch nur in die Nähe eines Amtes kommen wird. Dieses Beugen unter das Amt, unter die Aufgabe, diese Aufgabe des eigenen Egos, zugunsten einer Sache, versteh ich irgendwie.

Es sind die vielen Meetings, die Gespräche, die Aufgaben, die ich in meiner Organisation hab und die mich manchmal belasten und aus denen ich ausbrechen möchte. Zu oft tue ich das auch, lass mein Ego gewinnen und verlasse das Format, verändere das Ritual, setze die Zeremonie aus. Aber ein paar haben sich etabliert, die von alleine funktionieren, aus denen ich nicht ausbrechen möchte, die anscheinend zu mir und dem Unternehmen passen. Das monatliche All Hands, der jährliche Jahresauftakt, das jährliche Sommerfest sind solche Eckpfeiler, ebenso ein paar Regeln und Zuständigkeiten, die ich nicht aus der Hand gebe, zB dass ich noch das letzte Wort bei allen Einstellungen und auch bei den Finanzen habe. Der Rest ist dezentralisiert, meist unreguliert, nur durch praktische Erfahrungen, geübtes Verhalten der Mitarbeiter laufen die Prozesse.

Ein Artikel über Baumgartl’s Bundesdruckerei in Venezuela und einer über Blatters anstehende Wiederwahl machten mir klar, wie sehr die Einschätzung bestimmter Verhaltensweisen vom eigenen Standpunkt abhängen. Wie oft im Leben man Teufel und Engel zugleich ist. Für den einen Schädling, für den anderen Wohltäter. Baumgartl wollte den Auftrag und hat ihn bekommen, dafür musste er 25% Provisionen zahlen und das irgendwie sauber abwickeln. Er hat es geschafft. Guter Mann! Ein Vermittler und ein Journalist schauen sich das an und rufen laut: Unsauber! Korruption!

In dem Fifa Artikel stand ein Satz: Korruption ist in manchen Ländern ein anderen Wort für Politik. Nun kann man seine Werte, seine Sicht von Gut und Böse missionarisch in die Welt schreien, oder man versucht nicht zu werten. Wir kennen eh nicht alle Fakten, wir waren sowieso nicht dabei. Wir können gar nicht wirklich beurteilen, was richtig oder falsch ist. Wir fühlen nur die Gefühle der anderen und spüren dabei, ob es sich richtig, positiv oder falsch, negativ anfühlt. So funktioniert Unterhaltung! So funktioniert auch Politik.

Ein anderer Artikel, ein Interview mit dem Bayerchef Dekkers, gab mir zu denken, wie ein einzelner Mensch da ganz oben vom restlichen Konzern gesehen, wie er diese Macht ausübt, eigentlich nur dadurch, wie sehr diese Macht viele anzieht.

Er macht Politik durch die Medien, er handelt durch das Interview und dreht seinen Laden wieder ein Stückchen in die Richtung, von der er meint, dass sie die richtige ist. Der Verkauf von Material Science, der grad alle beschäftigt, weil nach vielen Integrationen mal eine Desintegration, eine Abtrennung, Aufteilung zu erfolgen hat. Dies legt viele versteckte Verbindungen offen, und kehrt viele ehemalige Synergien wieder um. Er sprach sich für Genfood aus, muss er ja. Er sprach sich auch für TIPP aus, muss er ja! Seine Argumente klingen für ihn engelhaft, für mich teuflisch.

Es hängt immer alles vom eigenen Standpunkt ab!

Wünsche Euch einen erholsamen, leichten, lockeren Samstag!

Angemessenheit

Berlin, 6:05, Tag 841

Heute bin ich zur üblichen Zeit aber sehr müde aufgewacht und noch ne Stunde liegen geblieben. Das war gut. Hatte wilde Träume. Es gibt wohl viel zu verarbeiten. War gestern auch 17h auf den Beinen, sagte mir abends die Apple Watsch. Bin jetzt immer noch müde, aber schon für den Tag entschlossen. Die Meditation war schön konzentriert, der Sonnenaufgang düster dramatisch:

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Der Berge– und der Druckpost wirken noch nach. Bin grad in einer Antwort noch mal rein in meinen Frust, in meinen Ärger, mein Ego. Gehe gerne über gefühlte Ignoranz, über das scheinbare nicht gehört werden. Das triggert bei mir fast automatisch, den Lautstärkeregler nach oben zu drehen. Diese Verbindung zu sehen, ist eigentlich sehr einfach.

Meine Aufgabe ist es aber, auch andere Formen der Kommunikation meiner Vorstellungen, Wünsche, Ideen zu finden.

Das ist mein rechtes Bemühen!

Eine der Situation und dem Gegenüber jeweils angemessene Form zu finden, fällt mir heute nicht immer leicht. Zu verführerisch ist der naheliegende Laustärkeregler. Zu verführerisch ist es, sich einfach nur zu ärgern und das zu zeigen und dann vom anderen zu erwarten, sich retten zu lassen. Zu verführerisch ist es, sich anderen scheinbar wichtigeren Dingen zu zuwenden und die Aufgabe sich selbst zu überlassen.

Wird schon! Bin ja Optimist!

Und das sind auch meine Ausreden, mein Rationalisieren, meine Ignoranz. Diesen Teil in mir anzunehmen, eine kleine Distanz aufzubauen, eine Millisekunde der Entscheidungsmöglichkeit zu erzeugen, darum geht es. Es als ein Werkzeug zu sehen, als eine Möglichkeit von vielen, das wäre schön. Wenn ich wählen könnte, ob Ärger oder Lautstärke jetzt die angemessene Reaktionen sind. Hach…

Ich ärgere mich gerade über ein Schild in der Espressolounge, in die ich mich für ein Brötchen gesetzt habe. Dort steht: „Liebe Gäste, der Verzehr von mitgebrachten Speisen ist nicht gestattet“. Direkt an der Kasse.

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Jeder „liebe Gast“, der hier etwas essen oder trinken möchte, bekommt diesen handgeschriebenen Zettel zu Gesicht.

Für mich ist das grad wie anlasslose Totalüberwachung.

Für den einen von tausend Gästen (und die Chefin hier wird jetzt sicher argumentieren, dass es ja viel viel mehr seien, ich hätte ja keine Ahnung), der sich hier nur hinsetzen und etwas selbst mit gebrachtes Essen möchte, für den wird jeder(!) Gast darauf hingewiesen, dass man hier gefälligst, seinen Schockoriegel in der Tasche zu lassen hat.

Das ist das Einzige was mir einfällt, was ich manchmal gerne mache würde, meine Lieblingsschokolade zu einem guten Kaffee essen zu wollen. Und auch mir, der das noch nie gemacht hat, mir wird unmissverständlich klar gemacht, dass dies hier nicht unerwünschtes Verhalten ist: ich darf hier nur essen, was auch hier verkauft wird.

Wie dumm!

Diese Schild sagt für mich alles über die Einstellung gegenüber ihren Gästen, ihren Kunden aus. Und diese Einstellung lehne ich ab, teile ich einfach nicht. Mit dieser Einstellung erhebt man sich über den Gast, gängelt ihn, teil ihn in gut und böse, in gewünscht und unerwünscht ein! Und verpackt das ganze noch in „Lieber Gast“, als ob es dadurch besser werden würde. Aber Verbote funktionieren im Servicegeschäft einfach nicht. Das ist Ausgrenzung, also Diskriminierung von unerwünschtem Verhalten in einem Cafe, wie soll das gehen? Gastfreundschaft wählt nicht! Entweder ist man Gastfreundlich oder man ist es nicht. Das ist doch eigentlich sehr einfach, zu verstehen, oder?

Aber vermutlich ärgert sich hier die Chefin auch einfach nur über die Touris, die ein billigers Brötchen nebenan kaufen die dann hier Plätze belegen und möchte mit Hilfe des Zettels eine Verstärkung haben. Oder der Zettel ist eigentlich für Ihre eigenen Mitarbeiter, die diese ungehörigen, selbstessenden Gäste darauf hinweisen sollen, bitte zu gehen, wenn sie eigene Speisen hier essen. Ohmann!

Ich schreibe das hier alles zu mir! Ich will mir klar machen, wie unangenehm und dumm es ist, sich zu ärgern und aus diesem Ärger heraus zu handeln. Wie unangenehm und umm auch ich bin, wenn ich mich ärgere.

Bei anderen sehe ich das so klar, bei mir selbst bin ich so oft so blind.

Dumm ist, wer sich selbst schadet, ohne dass es anderen nützt!

Sich zu ärgern oder auch ein Verbotsschild, kann sicher manchmal angemessen sein. Oft ist es das aber nicht! Wünsch Euch ernüchtert einen tollen Freitag!

Im Feuer wird geschmiedet

Berlin, 5:22, Tag 840

Heute morgen bin ich müde und aufgeregt. Ein langer voller Meetings in einer anderen Stadt liegt vor mir. Gleich geht der Flieger. Ich treffe viele erwartungsfrohe Menschen. Versuche jetzt, meine Aufregung nicht die Kontrolle übernehmen zu lassen, sondern bei mir zu bleiben.

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Habe schon eine Mail an einen Kapitalisten geschrieben, den ich nächste Woche treffen werde. Plane weiter meinen Tag im Kopf vor. Habe „nebenbei“ noch zwei wichtige und dringende ToDos zu erledigen und für uns wichtige Verhandlungen zu führen. Ich muss funktionieren, schreit jemand in mir!

Gestern war das Thema Druck, mal nicht Ärger. Ich spüre starken Druck. Er kommt in Wellen. Dabei pendle ich zwischen den Extremen: einmal sanft, emphatisch, verstehend, verständnisvoll, unterstützend, nachsehend und dann wieder bestimmend, bestimmt, fordernd, verlangend.

Drei sehr intensive Momente entstanden dabei, erlebte ich dadurch. Druck erzeugt dabei Klarheit im Denken und Fühlen. Mein Ego diente als Trigger, als Auslöser. Der Druck entwich im ersten Meeting in lautstarker Debatte über ein kleine Aufgabe, die ich letzte Woche ankündigte, zu übernehmen. Eine kurze Nachfrage reichte aus, um die Entladung zu starten.

Es geht ums rechte Bemühen! Um Unsicherheit, die ich verstehe, aber deren Folgen ich nicht ausgleichen und um Bestätigung, die von mir verlangt, aber die ich verweigern wollte.

Es geht ums rechtes Bemühen in der Sache. Darum, einen guten Job zu machen und dazu zu stehen, es selbst zu verantworten, rein zu gehen, sich die Sache zu eigen zu machen, nicht als einen Job, als ein ToDo zu sehen, die eigenen Ausreden, das eigene Rationalisieren zu erkennen, sondern seine Verbundenheit mit der Sache zu entdecken, zu fühlen und dann mit dem rechten Bemühen, zu handeln. Dieses Handeln bedarf keiner Bestätigung, keiner Kontrolle, keiner Anerkennung.

Das Sommerfest, eine Konferenz, eine Deadline, noch eine Deadline erzeugen Unsicherheit und Druck. Überfällige Veränderungen manifestieren sich mehr und mehr. Und hier wird heiss geschmiedet, hier wird im Feuer geboren.

Dies auszuhalten, bei der Sache zu bleiben, das Warum zu kennen, zu verstehen und vor allem, immer wieder das Warum zu suchen. Sich nicht mit der ersten Antwort zufrieden zu geben (Arne will das aber so haben), das ist die eigentliche Aufgabe hier.

Auf dem Dach, den Sonnenaufgang beobachtend, hatte ich eine Einsicht, eine Idee. Sie hatte nichts und alles mit mtc oder mit mir zu tun. Ich spürte, erlöst, was ich zu tun habe. Im Feuer des Sonnenaufgangs geboren, zeigte sich mir der wahre Grund meiner Sonnenaufgangssucht. Ich erhaschte einen kurzen Blick darauf, wieso ich seit Jahren jeden Tag ein Foto des Sonnenaufgangs machen MUSS. Es ist an mir, diesen Traum jetzt Realität werden zu lassen. Ich habe alles, was ich dazu brauche.

Wir haben alles, was wir brauchen. Wir haben immer schon alles, was wir brauchen!

Berge

Berlin, 5:17, Tag 839

Heute Morgen bin ich ausgeschlafen zeitig aufgewacht. Hatte mal keine Erinnerung an meine Träume. Der zeitige Morgen, die Dämmerung zieht grade auf, alles ist ruhig. Ich mag diese Stunde allein.

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Hab ein paar Fotos gemacht heute morgen, das hier war das optimistischste. Wenn ich die Stunde des Sonnenaufgangs komplett beobachte, bin ich immer wieder überrascht, wie sehr unterschiedlich, wie stark und schnell sich das Licht und die Wolken verändern.

Gestern war ein sich wiederholendes Thema, die Berge die wir vor uns selbst aufbauen.

Manche Aufgaben erscheinen immer wieder, und werden immer wieder verschoben. Eine dieser Aufgaben ist bei uns die Erstellung von guten Dokumentationen. Wir schreiben auf, dass wir Dokumentation machen wollen, geben der Aufgabe ein Datum in zwei, drei, vier Wochen und wenn diese Wochen dann um sind, haben wir nichts daran gemacht.

Wir stehen vor der Aufgabe, wie vor einem Berg.

Jedes mal, wenn sie in unserem Augenwinkel erscheint, denken wir vielleicht: ja, das müssen wir noch machen, aber wir finden keinen Anfang.

Wir stehen wie vor einem grossen steilen Berg. Und wir wissen, der Aufstieg dauert ein paar Tage, aber da wir heute nur noch ein paar Stunden haben, laufen wir gar nicht erst los. Wir warten ab.

Die Aufgabe verschwindet aber nicht. Sie holt uns wieder ein. Normalerweise wird der Druck mit der Zeit größer, diesen Berg zu besteigen, die Dokumentation endlich in eine Form zu bringen und zu vervollständigen, sie fertig zu machen. Trotzdem, warten wir ab, denn wir finden keinen Anfang, sehen nur die steilen Hänge, den weit entfernten Gipfel.

Dann fangen wir an, zu rationalisieren. Wir haben nicht genügend Zeit, wir haben so viele andere wichtige Aufgaben. Wir wissen nicht genug. Der Kollege könnte es doch viel besser. Der Kunde hat ja gar nicht genau spezifiziert, wie die Doku auszusehen hat. Vielleicht schieben wir die Aufgabe erst mal nach oben oder zur Seite, in dem wir uns überlegen, was wir von wem erst mal alles brauchen, um sie zu erfüllen.

Wir kochen nicht, wir shoppen!

Wir können nur mit den Zutaten kochen, die schon in der Küche vorhanden sind. Wir könnten loslaufen, wir könnten anfangen, aber weil wir uns einreden, nicht alles zu haben, was wir dazu benötigen, bleiben wir, wo wir sind.

Wir laufen nicht, wir schauen!

Aber einen ersten Schritt in Richtung des Anstieges zu gehen, ist gar nicht so schwer. Bein heben, kurze Bewegung, wieder senken. Geschafft. Wir sind los gelaufen. Jeder Schritt in die richtige Richtung hilft.

Ignoranz und Dämpfung, Wegschauen hilft nicht. Diese Mechanismen in uns zu sehen und uns dann positiv, vertrauend, uns selbst etwas zutrauend der Aufgabe, des anstrengenden Aufstieges zu stellen, ist einfacher als wir uns selbst einreden wollen.

Was hilft, ist die Aufgabe in kleinere Aufgaben zu zerlegen. Was kann ich heute schaffen? In welche Teilabschnitte kann ich den Aufstieg zerlegen. Wo ist der erste Zwischenstopp? Um dies zu tun, brauche ich zuerst einen Überblick, eine Art Landkarte. Welche Strecken gibt es? Wo ist das Basislager, wo ist Lager 1, wo Lager 2, und so weiter. Wenn ich weiss, welche Strecke ich in dieser Woche, an diesem Tag zurück legen kann, dann stehen wir plötzlich nicht mehr vor einem riesigen Berg, sondern nur noch vor einem kleinen ersten Hügel. Wenn wir diesen geschafft haben, ist der Gipfel zwar immer noch in weiter Ferne, aber wir wissen, wir ahnen und fühlen, dass wir ihm schon ein Stück näher gekommen sind.

Erst die Kippe in Brand, dann das Pferd aus dem Graben.

Dieser Spruch aus meiner Kindheit fiel mir eben ein. Und gleich danach:

Auf in den Kampf, die Schwiegermutter ruft. Siegesgewiss, klappert ihr Gebiss.

Diesen Spruch muss man singen, ein Kampflied. Mit diesem Lied auf den Lippen, laufe ich jetzt los, mache etwas, bewege mich, setze einen Fuss vor den anderen.

Wünsche Euch einen spannenden Tag in den Bergen! Ich weiss, es lohnt sich!

Freundschaft

Noch Istanbul, 5:40, Tag 838

Heute Morgen bin ich ruhig. Die Nacht war ich häufig, mitten in meinen Träumen, wach. Konnte auch schwer einschlafen. Aber ich versuche, dieser Unruhe nicht nachzugeben, mich nicht über sie aufzuregen, mir keine Sorgen zu machen. Hilft ja nix.

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Hab ich gestern schon auf Facebook gepostet, aber will das grade auch hier retten und schreiben. Erstens, ein Zitat vom Dalai Lama:

We are social animals who need friends. We need a community to survive. Friends are made on the basis of trust, which only grows if you are kind to people. Exploiting, cheating and bullying others will win you no friends. Kindness and compassion gives rise to self confidence, which in turn empowers you to be honest, truthful and transparent. This self-confidence brings peace of mind, which also favours good health.

Zutrauen und Freundlichkeit sind für mich grad die beiden Worte, die stehen bleiben sollen. Das ist der Trick für alle Menschen. Soziale Verbindungen, Freundschaften, bewahren mich vorm Durchdrehen, vorm Krank werden und vor meinen Süchten.

Und dann Huffington Post, verlink ich ja nicht so gerne, aber wie zur Bestätigung der Worte des Dalai Lama, schrieb sie gestern hier auch darüber.

3. Happy mind, healthy body.
4. Social connection is key.
6. We’re happier when we’re helping others.

Irgendwie will ich das jetzt gar nicht mehr erklären, könnt den Artikel ja selber lesen, die versuchen das sogar wissenschaftlich zu untermauern und zitieren ein paar Studien. Anderen zu helfen, sei gar eine Abkürzung zum Glück, schreibt die Autorin. Das kollidiert zwar mit meiner Überzeugung, dass Abkürzungen nicht funktionieren, aber grundsätzlich stimme ich zu. Freundlich und hilfsbereit zu anderen zu sein, macht mich wirklich glücklich. Schneller, nachhaltiger und tiefer als alles Andere. Als alle anderen Dinge, alle anderen Vorstellungen oder Umgebungen. So einfach und so schwer.

Wünsch Euch einen schönen zeitigen Start in Euren Dienstag!

Ego

Istanbul, 6:17, Tag 837

Heute bin ich endlich mal ausgeschlafen. Bin zeitig ins Bett, das hilft. Die Morgenmeditation war leicht unruhig. Mich hat ein Problem auf Arbeit gepackt und ich habe die Lösung durchgespielt, wie es sich anfühlt und was die Auswirkungen sind. Ah, grad bemerke ich, dass mir mein Atem nicht bewusst war. War auch beim Sonnenaufgang und bin einmal aufgestanden, um ein Photo zu machen. Das hier:

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Habe gestern allein für zwei Stunden auf einem Berg an Stahlbeton gesessen, zwei Etagen Shoppingmall, 4 Etagen Parkhaus und einem ganzen Hotel unter mir, und einen Kaffee trinken und ein paar Pralinen gegessen.

Habe meine Inboxen fast leer geräumt und ein paar Sachen in unser Wiki verschoben, ein paar Sachen erledigt, ein paar andere Sachen hatten sich selbst erledigt.

Habe Aleyna zum Reiten gebracht, schöne Fotos von ihr und ihrem Cookie geschossen und einen süssen, frischen Orangensaft genossen.

Habe bemerkt, dass Denken gegen Ärger nicht hilft. Zurück auf Los. Sich auf einfache Dinge konzentrieren, den Akku füllen, das hilft.

Habe bemerkt, dass mich die Motive der Menschen zu sehr interessieren.

Bekomme eine Anfrage für einen Besuch in unserem Rotary Club. Der Herr sei erfolgreich, Berater, er hätte mehrere Bücher geschrieben, einen Award bekommen. Sei ein regelmässiger Keynote Speaker und hätte im letzten Januar seinen ersten TEDx Talk gegeben. Please let me know, if you are meeting and if I might be able to speak to you for a couple minutes.

Merke grad, wir stark mein Ego oft ist. Wie sehr es mich antreibt. Und stoppe jetzt hier.

Einatmen, Ausatmen. Zurück zum Atem. Das reicht.

Wünsch Euch einen schönen Pfingstmontag!

Ärgersucht

Istanbul, 6:14, Tag 836

Heute bin ich bin meinen Träumen aufgewacht und zeitig hoch. Habe detailreich und spielfilmhaft geträumt, habe eine gute Erinnerung daran. Bin nicht ganz ausgeschlafen, aber mir war die morgendliche Routine, die Meditation zum Sonnenaufgang, grad wichtiger.

Beim Übertragen meines Sonnenaufgangs, habe ich gleich die Bilder des gestrigen Tages sortiert. Das fühlt sich gut an. Dauert, wenn täglich früh erledigt, nur ein paar Minuten. Durchgezogen, würde ich mir das schlechte Gefühl beim Anblick der 27.384 anderen unsortierten Fotos ersparen, die ich in den letzen Jahren mit dem iPhone gemacht hab.

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Gestern Abend habe ich noch eine Runde um den Block gedreht. Ich hakte fest und brauchte Bewegung. Nicht so sehr ich, mehr mein Umfeld sollte sich bewegen. Am frühen Samstagabend hier in Gayrettepe ist nicht viel los, die E5 zieht wie ein Starkstromkabel einmal quer durch. Laut und schnell, kurz vor der Brücke, kurz vor Asien. Der Gemüsemann räumt seinen Stand weg. Zwei Taxis stehen lauernd am Rand. Im Sürmeli gibt es eine Firmenfeier. Es gibt kleine Parks, wenig Grün, die paar Spielplätze haben Bänke zum Sitzen.

Mein Ärger, meine Wut sind direkt, direkt verbunden mit meinen Süchten. Wenige Schritte brauchte ich, bis sich dieser Gedanke breit machte. Ich spürte die klare Verbindung, die Linie, den Zusammenhang. Der Ärger dient dabei als Rechtfertigung, als Ursache und Grund. Mehr noch. Ärger erzeugt den Handlungsimpuls in mir.

Es ist ein Ärger auf mich selbst, in mir selbst, der mich vergessen lässt, was mir gut tut. Vergessend, nur mich selbst vergessend, kann ich Cola Light trinken, Zigaretten rauchen, Süsses fressen und das andere alles auch. Ignorierend, nur alle Konsequenzen ignorierend,  kann ich Gifte atmen.

Mein Ärger dient dabei als Schmerzmittel. Vorab verabreicht.

Wie soll es auch anders gehen? Schwierig zu erkennen, wenn beides zeitlich nicht zusammen hängt, wenn man abends in gemütlicher Runde sitzt. Kollektive Normen, gesellschaftliche Rituale, das viele Geld erschweren die Erkenntnis zusätzlich.

Wir stellen uns viele unserer Wahrnehmungen nur vor, wir erfinden sie einfach. Können wir aufmerksam, achtsam sein, erkenn wir den wahren Charakter unserer Wahrnehmungen. Die Bilder in unseren Köpfen, die damit verbundenen Gedanken, die daraus resultierenden Gefühle – alles Illusion, alles selbst erzeugt. Von uns und unserem Umfeld.

Selbst meine Erkenntnisse über den Zusammenhang, nur ein Bild, das mir hilft. Im Moment. Mich motivierend, weniger zu streiten, sanfter, nachlässiger, nachgiebiger, offener, freier zu sein. Den Kreislauf des Rennens, des Hetzens, des Ärgerns und des Leidens zu durchbrechen, das ist mein Weg.

Frohen Mutes wünsche ich einen guten Sonntag.

Träume leben

Istanbul, 5:58, Tag 835

Heute bin ich sehr zeitig aufgestanden. Aufgewacht aus einem wilden Traum. Und hab beschlossen, ich muss bald noch mal in die Beelitzer Heilstätten. Naja, von oben filmen wird immer gehen. Denn, die ziehen grade echt einen Zaun drumherum.

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Nun habe ich schon angefangen, hier überall rum zu lesen und zu schauen und aufzuräumen. Eine Stunde ist so vergangen. So schnell.

Zwei Themen beschäftigen mich grade privat. Also eher das Spielkind in mir.

Einmal die Apple Watch. Endlich ist meine vorgestern angekommen. Die ersten Eindrücke sind sehr sehr positiv. Und die Erwartungen waren hoch. Sie ist unaufälliger und brauchbarer, als gedacht.

Ein paar ihrer Funktionen wirklich beeindruckend: Herzschlag senden! Natürlich. Ohmann, wie toll fühlt sich das an, genau den Takt zu spüren.

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Aber auch, dass die Spracherkennung gut funktioniert oder man damit sogar telefonieren kann, was irgendwie creepy cool ist. Einfach sehrsehr gut gemacht. Es ist ja meine dritte Smartwatch, nach der Moto360 und der Pebble. Ich wage mal zu prognostizieren: diese jetzt bleibt länger als vier Wochen um mein Handgelenk.

Dann, das mit den Drohnen.

Ich hab mir letzten Sommer ’ne DJI Phantom II zugelegt und auch gleich geschrottet. Nach den ersten Flugversuchen wurde ich mutiger und vor den Augen meiner gesamten Familie, bei Grossvaters Geburtstag, crashte ich sie ne Woche später auf einem Balkon eines Hauses in Bitterfeld. Scham und Pein.

Ohh, war das schlimm (Immer wieder danke, Ma, dass du echt geklingelt hast). Verboten müsste das werden, rief der Nachbar, dessen Balkon ich fast getroffen und der mich sicher verklagt hätte. Doch dieser Spass ist mir erspart geblieben. Der eigentliche Balkonbesitzer, ein entspannter Käpt’n eines Ausflugsdampfers, hat sich eher über meine Scham amüsiert, als aufgeregt. Puh!

Doch das konnte mich nicht abhalten.

Reparieren -selbst oder beim Hersteller- war fast so teuer, wie ein Neukauf. Und das bedenke bitte jeder, der auch überlegt, sich einen Quadkopter, eine fliegende Kamera, eine Drohne zuzulegen. Aber für mich ist mit dieser Technologie ein ewiger Traum in Erfüllung gegangen.

Kurz nach der Wende war das erste: Campen. Zelten und alle damit in Verbindung stehenden Technologien, leichte Zelte, leichte Kocher, Iso Matten. Aber das zweite war Fliegen: doch immer wieder schreckte ich davor zurück. Weil ich keinen Hobbykeller hab. Doch mit der DJI Phantom konnte ich endlich auspacken und los fliegen, ohne zu basteln, zu schrauben, zu kleben. Wahnsinn!

Viel Zeit habe ich mir bisher nicht dafür genommen, vielleicht zehn Flugstunden, 30 Akkus hab ich leer geflogen. Aber, aber ich das jetzt kann, ohne mir das vorher selbst zusammen gebaut haben zu müssen, fand ich jede Minute davon grossartig.

Das Fliegen selbst erinnert mich viel an Computerspiele.

Die Hand Auge Koordination, die Abstraktion der Bewegungen der Drohne in der Luft, dreidimensional über diese kleinen Sticks der Fernbedienung muss ich erst erlernen. Wie einst beim Traktor und LKW fahren, sitze ich manchmal Abends da und übe: damals das Schalten und Kuppeln unsynchronisierter Getriebe mit den Bewegungen meiner Füsse. Heute sind es die Bewegungen meiner Finger. Dabei stelle ich mir mit geschlossenen Augen die Auswirkungen auf die Drohne vor, wie sie steigt und fällt, sich dreht und dabei(!) vor zurück und seitwärts fliegen kann.

Das eigentlich irre dabei ist aber, dass ich eine Kamera fliege. So verbindet so ein Quadkopter mein liebstes Hobby mit einer alten Sehnsucht.

Hier in HD und noch etwas wackelig, ungeschnitten, unbearbeitet, so wie es die Drohne aufgenommen hat, während des Fluges:

Verrückt, oder?

In Istanbul traue ich mich das nicht. Zu verantwortungsbewusst, zu alt, bin ich dafür. Wirklich gefährliche Drohnenflüge finden hier schon statt. Die Diskussion beginnt wegen diesem Idioten grade, zumal es hier noch keine Regulierung, kein eigentliches Verbot gibt.

Aber trotzdem träume ich davon, über den Bosphorus zu fliegen, unter der Brücke durch. Über den Grand Bazaar, am Golden Horn. Vielleicht schaff ich das doch noch. Ein paar Werbeagenturen, ein paar Filmcrews kenn ich hier schon. Baustellen kann man dokumentieren, neu eröffnete Shoppingmalls überfliegen. So viele Ideen kommen mir.

Ich denke, es wird eine richtig kleine Industrie um Drohnenkameraflüge entstehen, die heute wegen zu teurem Equipment und nem dafür notwendigen Helikopter für 99,99% der Menschen unerreichbar, unvorstellbar sind.

So, heute ging es darum, dass man seine Träume lebt. Nicht wartet, dass etwas passiert, sondern aktiv daran arbeitet. Zwei meiner Träume erfülle ich mir von Zeit zu Zeit. Genau das macht auch mein Leben aus.

In Dankbarkeit für diese tollen Möglichkeiten, verabschiede ich mich in den Samstag und brutzel uns jetzt Pfannkuchen.

Wünsch Euch einen erfüllten Samstag!

Drama pur

Istanbul, 6:33, Tag 834

Heute Morgen bin ich in Istanbul aufgewacht an einem freundlichen, bedeckten Morgen. Die Morgenmeditation verlief schnell und unruhig, kurz unterbrochen von einem vergessenen Wecker klingeln.

Mein Plan heute ist es, einen Tag im Kolektif House zu verbringen, einem sehr schönen Co Working Space hier bei mir in der Nähe. Die Tochter ist schon im Schulbus. Und ich sitze schon beim Tee im Durak Bufe vor unserem zu Hause und schreibe meinen Blog.

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Habe meinen Traum vergessen lassen. Eine schnelle Bemerkung meines besten Freundes, hat mich zum Nachdenken gebracht. Die Verbindung mit meinem Traum, die Suche nach den Fetzen der Nacht als Einleitung hier zu überdenken.

Nun suche ich nach einem neuen Einstieg. Wie geht es mir heute morgen? Wie lief meine echte Morgenmeditation? Das sind die beiden Alternativen, die mir gleich in den Sinn kommen.

Ich habe keine Lust, mich selbst mit dem Finden von genialen ersten Sätzen unter Druck zu setzen. Denn hier gibt es eine Erinnerung über die Bedeutung von ersten Sätzen in Büchern von berühmten Autoren. Die führte dazu, dass Jungautoren extrem viel Aufwand und Aufmerksamkeit in die ersten Sätze stecken. Diese Erinnerung gilt es, nun los zu lassen.

Bestimmtheit, statt Ärger war auch gestern das Thema im Job. Ich spreche meinen Ärger an. Wenn ich dabei Zugriff auf meine Motive bekomme (kleines Ego, schlechte Erfahrungen, Machtgerangel, Konkurrenzdenken, oder oder oder… letztlich Angst), lege ich diese sofort offen. Stelle mich der Schwäche, öffne meine Arme, rede mich um Kopf und Kragen.

Halte inne, lasse los.

Die Energie dabei ist sehr hoch. Es ist viel Druck im Kessel, ich spüre meinen Blutdruck, einen leichten Druck in den Schläfen. Es fühlt sich neu an. Es fühlt sich richtig an.

Türkische Nachrichtensender wiederholen dramatische Szenen, die meist nur wenige Sekunden dauern, meist 5 – 10 mal, ab und zu ergänzt durch kurze Sätze von Zeugen und leicht variierten Schnitten oder Hervorhebungen. Drama pur. Immer mit dem O-Ton, den Schreien, dem Krachen, dem Schlag, dem Schmerz. Drama pur.

Aktuell eine Überschwemmung, ein Mann rappelt sich auf die Beine in einem reissenden Fluss und wird sofort von einer Kiste getroffen und weggespült. Frauen neben dem Filmenden schreien in Panik.

Nachdem das 5 Sekunden Video 2 Minuten lang immer und immer wiederholt wurde, gab es einen kurzen Abstecher an den Strand nach Alanya (mit Touristinnen in Bikinis von hinten). Und dann ging es zum nächsten Hochwasser. In diesem wurden allerdings nur mehrere überspülte Autos von Traktoren abgeschleppt, dafür gab es nur 3 Wiederholungen.

Wie langweilig, beschaulich ist dagegen das deutsche Morgenprogramm im Fernsehen. Jetzt ahne ich, warum das niemand mehr anschaut. Da passiert ja nix! 😉

So! Die geplante Zeit naht dem Ende. In 45 min startet mein erster Termin, mein Weg ins Kolektif House dauert etwa so lang. Also.

Wünsch Euch einen anregenden Freitag!