Ankündigen statt Machen

Berlin, 6:59, Tag 814

Heute Nacht hab ich mich in ein amerikanisches Krankenhaus geträumt. Sie hatten eine Akte über mich angelegt. Sie lag auf dem grossen, eckigen Besprechungstisch. Ich fragte mich leise und dann die Anwesenden laut, was denn mit meinen Daten, meiner Akte, nach meiner Genesung passieren würde. Dann wurde ich sarkastisch, erzählte etwas von, dass ihr ja eh alles sammelt, euch das egal ist, weil es ja nur für einen guten Zweck sei. Ich wurde verständnislos, ob meiner Emotionen bei diesem Thema, angeschaut. Und wachte leicht frustriert pünktlich auf.

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Mir kommen gleich, wenn ich hier aufgelegt habe, noch ein zwei drei Blog Ideen. Ein Thema, über das ich unbedingt schreiben wollen würde. Wieder etwas Spannendes, etwas mehr Abwechslung. Müsste mal wieder über die anderen Themen und Projekte in meinem Leben schreiben. Die es ja auch gibt, wenn ich hier mal nicht darüber berichte.

Und dann fällt mir doch nur eine Fortsetzung ein. Eben das, das mir aktuell am Wichtigsten scheint. Heute war das Ankündigen statt Machen. Irgendwie erinnere ich eine Studie oder eine Bemerkung, dass das (öffentliche) Ankündigen von etwas uns die gleichen Gefühle beschert, die wir hätten, würden wir das etwas erledigt haben.

Merke grad bei mir und in meinem Umfeld, dass da wirklich was dran zu sein scheint. Ich erkenne grade immer mehr: ja, morgen mach ich,… ja, das müsste erledigt werden, … klar, wir machen das gleich fertig. Und wie es mehr eine Absicht, ein Wunsch ist.

Wenn ich dann etwas ganz anderes mache, bleibt ein kleines schlechtes Gewissen übrig. Aber auch das kriegt man wieder hin, am besten mit einem neuen Vorsatz, wann das etwas nun wirklich endlich erledigt wird.

In diesen Schleifen der Selbstankündigung und Selbstbestätigung durch Vorsätze kann man sich suhlen, am liebsten mit anderen gleich Gesinnten. Es entstehen ganze Netzwerke zwischen angekündigten Vorsatzsendern und -empfängern. Man erinnert sich sogar, wem man welche Ankündigungen gemacht hat, um darauf zurück zu kommen: in seiner Gegenwart nicht rauchen, ihm hatte ich schon drei mal erzählt, dass ich nach dieser Zigarette aufhöre. Ihm einen Report schicken und die Risiken weglassen, ihm hatte ich doch erst im letzten Meeting erzählt, dass wir alles im Griff haben.

Wer kennt das nicht?

Auch, das unter Männern verbreitete Phänomen, dass man das etwas, wenn man nur das richtige Werkzeug hätte, sofort erledigen könnte. So muss man sich erst das Werkzeug bauen, besorgen, einstellen, anpassen, verbessern, installieren, upgraden. Aber wenn man das perfekte Werkzeug endlich hat, dann kann man die Aufgabe natürlich mit Links, einem Klacks, innerhalb eines Wimpernschlages erledigen.

Wer kennt das nicht? Echt nicht?

Dazu also nun die Erkenntnis, dass die gleichen Prozesse, die gleichen Glücks oder Stresshormone ausgeschüttet werden, wenn wir nur etwas ankündigen, wenn wir uns mit dem Werkzeug, statt der Aufgabe beschäftigen.

Die Verführung ist gross, sehr gross. Ok, für manche mehr, für andere weniger.

Was alle gemeinsam haben: Die Reaktion, wenn wir an unsere vergangenen nicht eingehaltenen Versprechen erinnert werden.

Egal wie wir das auch anstellen, die wenigsten können dann über sich Lachen und noch weniger können oder wollen daran wirklich etwas Ändern.

Wünsch Euch lächelnd einen schönen Samstag!

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