Dummheit

Berlin, 6:03, Tag 819

Heute Nacht habe ich ein Treffen vorgeträumt. Es verlief so anders als gedacht, locker, überfreundlich, langweilig. Ich hatte raspelkurze, dünne Haare. Sah mir von schräg oben eine Weile zu.
Der Wecker haute mich aus einem anderen Traum raus, den ich vergessen habe.

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Eine zeitlang hatte ich das Vorurteil, das wolkenlose Sonnenaufgänge langweilig sind. Sie sind anders, schneller, klarer, schärfer und vor allem: sie finden vor sich selbst statt. Wenn die Sonne erst überm Horizont erscheint, ist es vorbei. Hab ich vorhin erst verstanden, als ich dem immensen Farbverlauf bis zur anderen Seite folgte, als ich diesen Moment erwischte, etwas vor dem Sonnenaufgang.

Ich verpasse die re:publica 2015. Hier ums Eck, trotzdem eise ich mich nicht los. Mhh! Versuche ein paar Vorträge im Netz nachzuschauen, aber bis auf Schwarmdummheit habe ich noch nichts geschafft und selbst selbiger ist grad schwer auszuhalten. Ich fand Gunter Dueck 2011 noch im Friedrichstadtpalast richtig grossartig, seine tüdelige Art auf der Bühne verträgt sich wohl grad nicht mit meiner Ungeduld. Seine Art zu Denken und seine relativ einfachen Thesen find ich aber immer noch verführerisch.

In seinem diesjährigen Vortrag geht es um Auslastung, und das die BWL’er diese immer maximieren wollen würden, während nicht-dumme Menschen diese eher zu optimieren suchen. Langatmig erklärt er das mit Lidl Kassiererin und dann, damit wir auch was fühlen, nochmal mit ’nem Notarzt.

Das sind schon Themen, die mich auch beschäftigen, nur komme ich mit den Erkenntnissen von Hrn. Dueck irgendwie nicht weiter. Ich fühle mich eher schlecht, als gut, eher verzweifelt, als angeregt, eher von oben herab, als mit einander. Ach egal!

Habe mir weiter Gedanken über Beziehungen gemacht und wie gegenseitiges Helfen, gegenseitige Gefallen tun, heute und früher für mich funktioniert haben. Was passiert heute, wenn ich Anderen ohne Absicht und ohne Aufforderung helfe? Wie reagiere ich auf Bitten um Hilfe? Wie auf die unspezifischen? Aber auch wie reagiere ich auf die Bitten, die spezifisch nur für mich sind? Wie oft und wie genau frage ich andere Menschen um Hilfe? Wie zeige ich mich für Hilfen, die ich erhalten habe, erkenntlich? Wie gehe ich damit um, wenn Menschen, denen ich einmal geholfen habe, diese Hilfsbereitschaft bei nächster Gelegenheit schon voraussetzen?

Verpflichtungen aus menschlichen Beziehungen kollidieren wohl mit meinem Freiheitsdrang.

Ich fühle mich durch Erwartungen mancher und durch Versprechen manchen gegenüber, manchmal (stark) eingeengt in meinem Entscheidungsspielraum. Da mir eine persönliche Freiheit, eine geradezu Unabhängigkeit sehr wichtig ist, erzeuge ich so für mich Dilemmata, Konflikt, Ärger und Unwohlsein.

Alles Quatsch! Wieder alles nur mein Ego! Wenn ich das loslasse, wenn ich ein und ausatme, dann tue ich einfach das, was jetzt dran ist. Dann antworte ich leicht, dann verabrede ich mich, dann helfe ich, dann lasse ich mir helfen.

Ich kann nicht alles verstehen. Es hilft mir nicht, immer alles erst verstehen zu wollen!

Dumm ist, wer anderen schadet, ohne dass es ihm selbst nützt zitiert Gunter Dueck irgend jemanden in seinem Vortrag oben. Ich ergänze mal: Dumm ist sicher auch, wer sich selbst schadet, ohne dass es anderen nutzt!

Wünsch Euch einen leichten Tag!

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