Istanbul, 6:43, Tag 824

Heute Nacht habe ich mit Mark Zuckerberg verbracht. Er war bei uns zu Gast, übernachtete hier, verbrachte den Abend und Morgen bei uns. Wir unterhielten uns gestelzt,  dabei versuchte er ganz normal zu sein, aber ich konnte nur den Superstar in ihm sehen. Am Morgen dann Abschied, ich wollte ihm etwas schenken, fand aber nur ein Buch auf Deutsch: man sieht sich (bestimmt nie wieder). Ich wachte sehr zeitig, sehr unruhig auf.

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Hab schon viel gelesen heute früh. Aber „nur“ News auf Facebook und Twitter.

oder auch

und dann

https://twitter.com/maltewelding/status/597803964969709568

Das nur mal so zwischendurch! Denn eigentlich sollte es um Angst gehen.

In den letzten Tagen ist das sehr präsent. Angst um den Job, Angst ums Kind, Angst um die Beziehung, Angst um die Welt. Ein komisches Gefühl. Ich geh da nicht gerne hin, fühle das nicht gerne und tue jede Menge dafür, die Angst nicht zu spüren.

Mit Zugang zu meiner Angst, mit dem Eingeständnis, hätte ich die letzten Tage nicht so viele Worte drumherum geschrieben.

Heute morgen habe ich hier gelesen, es braucht 400$ für drei Karten, um den irren Maßnahmen der Angst der Amis beim Reisen von und in den USA zu entgehen: eine fürs Vermeiden des Schuhe ausziehen und Auspacken aller elektronischen Geräte, eine weitere Karte fürs Vermeiden der Schlangen bei der Körperkontrolle und eine dritte Karte gegen das Anstehen bei den Passkontrollen. In Deutschland muss man dafür Vielflieger sein, in der Türkei braucht man dafür die richtige Kreditkarte.

Wenn man einmal mit den Augen der Angst in die Welt blickt, sieht man sie überall hervor blitzen. Gerichtete Aufmerksamkeit, selektive Wahrnehmung.

Was mir hilft, ist das Eingeständnis, dass ich auch Angst habe. Das ich es vor mir selbst zugebe, dass ich Angst um oder vor etwas habe.

Als nächstes versuche ich, mit dieser Erkenntnis aus der Verleugnung, der Ignoranz, der Dämpfung, den Übersprungshandlungen raus zu kommen. Das iPad mit dem Spiel weglegen, die News Seiten schliessen, der Streitlust nicht nachgeben.

Sitzen, Atmen, Aushalten.

Gehen, Atmen, Aushalten.

Wenn ich das nicht tue, konserviere ich meine Angst, behalte sie, schliesse sie ein und lebe wie mit einem Vulkan, immer wartend auf den Ausbruch. Es kann eine Mail sein, die mich aufregt und an deren Beantwortung ich dann stundenlang feile. Es kann ein Wort sein, das mich erzürnt und das dann stundenlang in meinem Inneren Kreise dreht. Es kann ein zukünftiges Ereignis sein, dessen Eintritt ich immer wieder vorhersagen muss. Und damit meine ich entweder einen Lottogewinn oder die Pleite. Die Konservierung meiner Angst funktioniert mit beiden Extremen, eigentlich nur mit Extremen.

Wenn ich es schaffe, kurz abzuwarten, ehe ich handle: sitzend, atmend, aushaltend. Nur dann mache ich meine Angst nicht stärker.

Mir das immer wieder klar zu machen, mich hier nicht selbst zu verarschen, dazu dient auch dieser Blog, diese Routine der morgendlichen, öffentlichen Reflektion.

Wünsch Euch ernüchtert einen wunderbaren Dienstag!

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

One Comment

  1. Musste heute an Dich denken, denn nachdem ich Dein Tagebuch las habe ich folgende Seite entdeckt: http://365grateful.com/
    Schaue mal rein 🙂

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