Istanbul, 6:28, Tag 827

Heute Nacht habe ich geträumt, aber beim sehr zeitigen Wach werden vergessen, wovon. Statt dessen habe ich diesen elendig langen Artikel gelesen, über den Zustand und die Zukunft des Journalismus im Angesicht von Facebook. Wichtigster Satz für mich: „Ohne Text gelingt die Institutionalisierung nicht.“ Ansonsten, der Artikel hat eine klare Meinung und beschreibt die Situation gut.

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Das sehr zeitige Aufstehen war begleitet von einigen Einsichten. Für den gestrigen Feiertag hatte ich mir viel vorgenommen und nichts davon gemacht. Heute aber sehe ich, warum. Und heute sehe ich auch, dass es nicht nötig war, das zu tun, was ich mir für gestern vorgenommen hatte. Es ist auch nicht nötig, dass ich mich deswegen schlecht fühle. Und trotzdem fällt es mir schwer, das zu ändern. Diese Dynamiken, diese Prozesse, die da in mir ablaufen, wenn ich statt zum Excel doch den Browser aufmache oder Nichts oder was ganz anderes tue, sind schon sehr spannend zu beobachten.

Was mich zum eigentlich Thema bringt. Da setze ich mich doch vorhin aufs Kissen und erinnerte mich an meinen gestrigen Post, der mir sehr wichtig, sehr stark vorkam. Und mir fiel ein, dass der Umgang mit den Ursachen unserer negativen Gefühle eine Grundlage haben sollte, eine Grundlage braucht.

Ohne diese Grundlage ist das Geschreibe nicht verständlich. Ohne diese Grundlage macht das alles keinen Sinn. Es fühlt sich vielleicht richtig an, aber es ist mehr mein Gefühl. Ihr habt vielleicht, bestimmt keine Verbindung zu dieser Art Umgang mit den Ursachen.

Ich erkläre mich einigen auf diese Weise schon eine ganze Weile.

Und es funktioniert oft nicht. Es funktioniert nicht!

Dabei fühlt es an, als ob eine Möve dem Fisch erklärt, wie Fliegen geht: Einfach deine Flossen ausbreiten und abstossen. Siehst du? Geht doch! Ach, wie Du bist immer noch im Wasser? Irgendwas machst Du bestimmt falsch.

Und ich erklär das nur so, weil das Bild sonst damit enden würde, dass die Möve ersäuft.

Eine der grundlegenden Dinge dabei ist die Meditation! Das zur Ruhe kommen, das Stoppen des unaufhörlich Beschäftigtseins, das Sitzen, das Nichtstun. Wenn wir es nicht schaffen, zu stoppen, anzuhalten und uns mit dem zu Verbinden, was jetzt grad passiert, klappt es nicht.

Wenn ich sitze, dann sitze ich! Wenn ich gehe, dann gehe ich! Wenn ich schreibe, dann schreibe ich! Ich merke, dass ich sitze, gehe oder schreibe. Wenn ich an einer roten Ampel warten muss, dann mach ich nur das.

Erstens: diese grundlegende Fähigkeit nenn ich mal Achtsamkeit oder Aufmerksamkeit. Wenn wir nicht wahrnehmen können, was um uns herum genau jetzt passiert, dann sind wir gar nicht wirklich vorhanden, dann leben wir nicht. Worauf sich unsere Aufmerksamkeit richtet, das existiert für uns. Alles andere nehmen wir nicht wahr. Wenn wir uns an einer roten Ampel ärgern, dann existiert dieser Ärger für mich, dann bin ich dieser Ärger und nicht ein Mensch, der an einer roten Ampel wartet. Es ist wie das Licht einer Taschenlampe im Dunkeln. Dort wo der Lichtkegel hin scheint, das taucht aus dem Dunkel auf, das existiert für uns. Das was kein Licht bescheint, sehen wir nicht, das existiert nicht für uns oder nur in unserer Vorstellung, Erinnerung.

Zweitens: das zweite wichtige Element ist Konzentration. Achtsamkeit allein genügt nicht, es erfordert unsere Konzentration bei der Sache, bei einer Sache zu bleiben. Ohne die Fähigkeit unsere Aufmerksamkeit auf eine Sache, ein Ding, konzentrieren zu können, lassen wir uns treiben, schwimmen wir so vor uns hin. Die Konzentration ist dabei wie die Batterie in der Taschenlampe. Nur mit vollen, starken Batterien, kann das Licht der Aufmerksamkeit scheinen und die Dinge so beleuchten, wie sie wirklich sind. Ohne Konzentration, ohne die Fähigkeit, uns konzentrieren zu können, flackert unsere Aufmerksamkeit wie eine schwache Kerze im Wind mal hier mal dort hin.

Drittens: untrennbar mit Konzentration verbunden ist das dritte grundlegende Element, die Erkenntnis. Konzentrierte Aufmerksamkeit erzeugt Einsicht. Erkenntnisse und damit Wissen und Erfahrung sind nur möglich, wenn wir uns mit einer Sache intensiv beschäftigen und auseinander setzen. Ohne, dass wir uns konzentrieren auf genau diese eine Sache, klappt das nicht. Binsenweisheit, eigentlich!

Aufmerksamkeit – Konzentration – Einsicht.

Stabilität und Konstanz scheint unser Streben zu gelten, scheinen unsere Ziele oder Wünsche zu sein, aber so ist unsere Welt definitiv nicht eingerichtet. Konstanter Wandel, ständige Veränderung sind eher die Kennzeichen unseres Lebens. Was eben noch galt, stellt sich schon jetzt als Illusion, als blosser Wunsch heraus. Nur mit Aufmerksamkeit und Konzentration sind wir in der Lage, dies auch jetzt zu erkennen.

Schon wieder viel geschrieben. Viele Worte der Bestätigung, der Reflexion, auf der Suche nach meinem Weg.

Als ich heute morgen lange auf dem Kissen sass und meinen Atem zählte, kamen mir viele Ideen. Dringende Ideen. Wichtige Sachen, die unbedingt zu erledigen sind. Ich erlaube mir, das aufzuschreiben. Es befreit und erleichtert mich, dass auch alle Sorgen, alle Probleme dem ständigen Wandel unterworfen sind.

Gestern noch unlösbar, heute schon irrelevant.

Wünsche Euch voller Tatendrang einen produktiven Freitag!

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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