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Worte zum Sonntag

Istanbul, 6:27, Tag 829

Heute Nacht habe ich geträumt. Bin schnell aufgestanden. Bei der Meditation habe ich bemerkt, dass ich alles bereits vergessen habe. Nur noch die Erinnerung an die Erinnerung war vorhanden.

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Die neue Woche hat noch nicht begonnen. Und doch ist sie schon sehr präsent. Möchte vorbereiten, mich und die anderen. Dinge jetzt schon erledigen, so dass ich dann entspannt die Woche überstehe.

Wonach suche ich? Was ist der Grund meiner Unruhe?

Verbindung. Beziehung.

Das war die erste klare Antwort.

Gesehen werden. Gehört werden. Gespürt werden. Von anderen.

Einsam. Allein.

Das war die zweite klare Antwort.

Akzeptieren, was ist. Anerkennen. Angst und Traurigkeit. Bei mir.

Das ist die Suche nach der Wurzel, die Suche nach der Frucht meiner Gedanken und Gefühle. Was ist die Wurzel von Beziehung? Was ist die Frucht? Was ist die Wurzel von Einsamkeit? Was ist die Frucht?

Spüren, am Leben zu sein. Einatmend. Ausatmend. Fühlend. Denkend. Mit all meinen Sinnen. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen.

Gleichgewicht. Balance.

All die Konzepte, die ich gelernt habe, verlieren ihre Bedeutung. Es sind nur Gedanken.

Schrift ist gespeicherte Zeit. Vorträge, Bücher, Artikel, Texte, die Lebenszeit anderer Menschen, gespeichert in Text, in Schrift.

Selbst gedankenlose Statusmeldungen auf Facebook. Ein paar Sekunden Lebenszeit von anderen Menschen. Konserviert im Netz. So viele Handlungen, die notwendig sind, von so vielen Menschen, die nötig sind, damit ich sie jetzt lesen könnte.

Selbst hier, der Editor. Evolution von Software. Über viele Jahre von mir begleitet, beobachtet, benutzt. Ich erinnere mich kurz an alte Zeiten. Wie ich lernte. Wie ich Lebenszeit benutzt habe, zu lernen, hier zu Schreiben. Nur das wie, nicht das was.

Die Zeit für das Was kommt noch dazu. Die Zeit für die Wurzel ist schon vergangen. Die Zeit für die Frucht wird noch kommen.

Vertrauen. Liebe.

Fühlt sich an wie eine Lösung, wie ein Weg. Ich bin jetzt hier. Alles ist ok, so wie es ist. Ich brauche nichts, was jetzt nicht hier ist. Nichts ist zu viel. Nichts ist zuwenig. Es ist immer alles schon vorhanden. Wenn wir kochen, dann nur mit den Zutaten, die in der Küche vorhanden sind. Sonst kochen wir nicht, sondern wir sind shoppen.

Es geht darum, aus den vorhandenen Zutaten, das bestmögliche Mahl zu zubereiten. Mit Aufmerksamkeit, Konzentration kommt Einsicht, in die Gründe und die Folgen unsere Seins.

Unergründlich. Unerschöpflich. 

Es gibt immer was zu tun. Jippihjaajajippihjippijeh. Den Folgen meiner Taten kann ich nicht entgehen. Meine Taten sind der Boden, auf dem ich steh. Viele Jahre schon, kenne ich diese Worte: 2008, 2012, 2015. Jahrtausend alte Einsichten. Komprimierte Zeit. Texte, die die Jahre überdauert haben.

Dankbarkeit. Glück.

Wenn ich verbunden bin, mit dem was ist, jetzt hier im Moment, dann bin ich nicht allein. Wenn ich am Leben bin, dann bin ich nicht allein. Mein Ego, mein eigenständiges Selbst, ist eine Illusion, eine Folge des nicht Erinnern, des nicht Sehen.

Keine Antwort, ist eine Antwort. Nichts tun, tut etwas.

Ich trinke meinen Tee und schaue aus dem Fenster.

Und wünsch Euch einen schönen Sonntag!

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