Istanbul, 6:14, Tag 836

Heute bin ich bin meinen Träumen aufgewacht und zeitig hoch. Habe detailreich und spielfilmhaft geträumt, habe eine gute Erinnerung daran. Bin nicht ganz ausgeschlafen, aber mir war die morgendliche Routine, die Meditation zum Sonnenaufgang, grad wichtiger.

Beim Übertragen meines Sonnenaufgangs, habe ich gleich die Bilder des gestrigen Tages sortiert. Das fühlt sich gut an. Dauert, wenn täglich früh erledigt, nur ein paar Minuten. Durchgezogen, würde ich mir das schlechte Gefühl beim Anblick der 27.384 anderen unsortierten Fotos ersparen, die ich in den letzen Jahren mit dem iPhone gemacht hab.

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Gestern Abend habe ich noch eine Runde um den Block gedreht. Ich hakte fest und brauchte Bewegung. Nicht so sehr ich, mehr mein Umfeld sollte sich bewegen. Am frühen Samstagabend hier in Gayrettepe ist nicht viel los, die E5 zieht wie ein Starkstromkabel einmal quer durch. Laut und schnell, kurz vor der Brücke, kurz vor Asien. Der Gemüsemann räumt seinen Stand weg. Zwei Taxis stehen lauernd am Rand. Im Sürmeli gibt es eine Firmenfeier. Es gibt kleine Parks, wenig Grün, die paar Spielplätze haben Bänke zum Sitzen.

Mein Ärger, meine Wut sind direkt, direkt verbunden mit meinen Süchten. Wenige Schritte brauchte ich, bis sich dieser Gedanke breit machte. Ich spürte die klare Verbindung, die Linie, den Zusammenhang. Der Ärger dient dabei als Rechtfertigung, als Ursache und Grund. Mehr noch. Ärger erzeugt den Handlungsimpuls in mir.

Es ist ein Ärger auf mich selbst, in mir selbst, der mich vergessen lässt, was mir gut tut. Vergessend, nur mich selbst vergessend, kann ich Cola Light trinken, Zigaretten rauchen, Süsses fressen und das andere alles auch. Ignorierend, nur alle Konsequenzen ignorierend,  kann ich Gifte atmen.

Mein Ärger dient dabei als Schmerzmittel. Vorab verabreicht.

Wie soll es auch anders gehen? Schwierig zu erkennen, wenn beides zeitlich nicht zusammen hängt, wenn man abends in gemütlicher Runde sitzt. Kollektive Normen, gesellschaftliche Rituale, das viele Geld erschweren die Erkenntnis zusätzlich.

Wir stellen uns viele unserer Wahrnehmungen nur vor, wir erfinden sie einfach. Können wir aufmerksam, achtsam sein, erkenn wir den wahren Charakter unserer Wahrnehmungen. Die Bilder in unseren Köpfen, die damit verbundenen Gedanken, die daraus resultierenden Gefühle – alles Illusion, alles selbst erzeugt. Von uns und unserem Umfeld.

Selbst meine Erkenntnisse über den Zusammenhang, nur ein Bild, das mir hilft. Im Moment. Mich motivierend, weniger zu streiten, sanfter, nachlässiger, nachgiebiger, offener, freier zu sein. Den Kreislauf des Rennens, des Hetzens, des Ärgerns und des Leidens zu durchbrechen, das ist mein Weg.

Frohen Mutes wünsche ich einen guten Sonntag.

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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