Angemessenheit

Berlin, 6:05, Tag 841

Heute bin ich zur üblichen Zeit aber sehr müde aufgewacht und noch ne Stunde liegen geblieben. Das war gut. Hatte wilde Träume. Es gibt wohl viel zu verarbeiten. War gestern auch 17h auf den Beinen, sagte mir abends die Apple Watsch. Bin jetzt immer noch müde, aber schon für den Tag entschlossen. Die Meditation war schön konzentriert, der Sonnenaufgang düster dramatisch:

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Der Berge– und der Druckpost wirken noch nach. Bin grad in einer Antwort noch mal rein in meinen Frust, in meinen Ärger, mein Ego. Gehe gerne über gefühlte Ignoranz, über das scheinbare nicht gehört werden. Das triggert bei mir fast automatisch, den Lautstärkeregler nach oben zu drehen. Diese Verbindung zu sehen, ist eigentlich sehr einfach.

Meine Aufgabe ist es aber, auch andere Formen der Kommunikation meiner Vorstellungen, Wünsche, Ideen zu finden.

Das ist mein rechtes Bemühen!

Eine der Situation und dem Gegenüber jeweils angemessene Form zu finden, fällt mir heute nicht immer leicht. Zu verführerisch ist der naheliegende Laustärkeregler. Zu verführerisch ist es, sich einfach nur zu ärgern und das zu zeigen und dann vom anderen zu erwarten, sich retten zu lassen. Zu verführerisch ist es, sich anderen scheinbar wichtigeren Dingen zu zuwenden und die Aufgabe sich selbst zu überlassen.

Wird schon! Bin ja Optimist!

Und das sind auch meine Ausreden, mein Rationalisieren, meine Ignoranz. Diesen Teil in mir anzunehmen, eine kleine Distanz aufzubauen, eine Millisekunde der Entscheidungsmöglichkeit zu erzeugen, darum geht es. Es als ein Werkzeug zu sehen, als eine Möglichkeit von vielen, das wäre schön. Wenn ich wählen könnte, ob Ärger oder Lautstärke jetzt die angemessene Reaktionen sind. Hach…

Ich ärgere mich gerade über ein Schild in der Espressolounge, in die ich mich für ein Brötchen gesetzt habe. Dort steht: „Liebe Gäste, der Verzehr von mitgebrachten Speisen ist nicht gestattet“. Direkt an der Kasse.

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Jeder „liebe Gast“, der hier etwas essen oder trinken möchte, bekommt diesen handgeschriebenen Zettel zu Gesicht.

Für mich ist das grad wie anlasslose Totalüberwachung.

Für den einen von tausend Gästen (und die Chefin hier wird jetzt sicher argumentieren, dass es ja viel viel mehr seien, ich hätte ja keine Ahnung), der sich hier nur hinsetzen und etwas selbst mit gebrachtes Essen möchte, für den wird jeder(!) Gast darauf hingewiesen, dass man hier gefälligst, seinen Schockoriegel in der Tasche zu lassen hat.

Das ist das Einzige was mir einfällt, was ich manchmal gerne mache würde, meine Lieblingsschokolade zu einem guten Kaffee essen zu wollen. Und auch mir, der das noch nie gemacht hat, mir wird unmissverständlich klar gemacht, dass dies hier nicht unerwünschtes Verhalten ist: ich darf hier nur essen, was auch hier verkauft wird.

Wie dumm!

Diese Schild sagt für mich alles über die Einstellung gegenüber ihren Gästen, ihren Kunden aus. Und diese Einstellung lehne ich ab, teile ich einfach nicht. Mit dieser Einstellung erhebt man sich über den Gast, gängelt ihn, teil ihn in gut und böse, in gewünscht und unerwünscht ein! Und verpackt das ganze noch in „Lieber Gast“, als ob es dadurch besser werden würde. Aber Verbote funktionieren im Servicegeschäft einfach nicht. Das ist Ausgrenzung, also Diskriminierung von unerwünschtem Verhalten in einem Cafe, wie soll das gehen? Gastfreundschaft wählt nicht! Entweder ist man Gastfreundlich oder man ist es nicht. Das ist doch eigentlich sehr einfach, zu verstehen, oder?

Aber vermutlich ärgert sich hier die Chefin auch einfach nur über die Touris, die ein billigers Brötchen nebenan kaufen die dann hier Plätze belegen und möchte mit Hilfe des Zettels eine Verstärkung haben. Oder der Zettel ist eigentlich für Ihre eigenen Mitarbeiter, die diese ungehörigen, selbstessenden Gäste darauf hinweisen sollen, bitte zu gehen, wenn sie eigene Speisen hier essen. Ohmann!

Ich schreibe das hier alles zu mir! Ich will mir klar machen, wie unangenehm und dumm es ist, sich zu ärgern und aus diesem Ärger heraus zu handeln. Wie unangenehm und umm auch ich bin, wenn ich mich ärgere.

Bei anderen sehe ich das so klar, bei mir selbst bin ich so oft so blind.

Dumm ist, wer sich selbst schadet, ohne dass es anderen nützt!

Sich zu ärgern oder auch ein Verbotsschild, kann sicher manchmal angemessen sein. Oft ist es das aber nicht! Wünsch Euch ernüchtert einen tollen Freitag!

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