Istanbul, 6:42, Tag 842

Heute Morgen bin ich immer noch müde. Die eine Stunde Zeitverschiebung fiel mir auf, es ist in Berlin jetzt erst 5:42 und ich bin damit sehr zeitig wach. Aber Ausschlafen ist keine Option, nur eher ins Bett gehen. Gestern lag ich zeitig im Bett, konnte aber schwer einschlafen, nach so einer Woche und einem langverspäteten Flug auch kein Wunder.

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Gestern ist mir sehr klar geworden, wie viel mein Job von meiner eigenen inneren Klarheit abhängt. Ich hab mir in der Lounge einen Spiegel geben lassen und den das erste mal seit Monaten, wenn nicht Jahren gedruckt gelesen.

Ein Artikel über den Papst, der eine feste Routine, feste Rituale für alles hat, den Tag, die Woche, den Monat, das Jahr, immer gibt es irgend einen Anlass, irgend eine Zeremonie, feste, lang geübte Formate für alle möglichen Aufgaben. Der aktuelle Papst solle sich mehr unter sein Amt beugen, schrieb einer, der anscheinend niemals auch nur in die Nähe eines Amtes kommen wird. Dieses Beugen unter das Amt, unter die Aufgabe, diese Aufgabe des eigenen Egos, zugunsten einer Sache, versteh ich irgendwie.

Es sind die vielen Meetings, die Gespräche, die Aufgaben, die ich in meiner Organisation hab und die mich manchmal belasten und aus denen ich ausbrechen möchte. Zu oft tue ich das auch, lass mein Ego gewinnen und verlasse das Format, verändere das Ritual, setze die Zeremonie aus. Aber ein paar haben sich etabliert, die von alleine funktionieren, aus denen ich nicht ausbrechen möchte, die anscheinend zu mir und dem Unternehmen passen. Das monatliche All Hands, der jährliche Jahresauftakt, das jährliche Sommerfest sind solche Eckpfeiler, ebenso ein paar Regeln und Zuständigkeiten, die ich nicht aus der Hand gebe, zB dass ich noch das letzte Wort bei allen Einstellungen und auch bei den Finanzen habe. Der Rest ist dezentralisiert, meist unreguliert, nur durch praktische Erfahrungen, geübtes Verhalten der Mitarbeiter laufen die Prozesse.

Ein Artikel über Baumgartl’s Bundesdruckerei in Venezuela und einer über Blatters anstehende Wiederwahl machten mir klar, wie sehr die Einschätzung bestimmter Verhaltensweisen vom eigenen Standpunkt abhängen. Wie oft im Leben man Teufel und Engel zugleich ist. Für den einen Schädling, für den anderen Wohltäter. Baumgartl wollte den Auftrag und hat ihn bekommen, dafür musste er 25% Provisionen zahlen und das irgendwie sauber abwickeln. Er hat es geschafft. Guter Mann! Ein Vermittler und ein Journalist schauen sich das an und rufen laut: Unsauber! Korruption!

In dem Fifa Artikel stand ein Satz: Korruption ist in manchen Ländern ein anderen Wort für Politik. Nun kann man seine Werte, seine Sicht von Gut und Böse missionarisch in die Welt schreien, oder man versucht nicht zu werten. Wir kennen eh nicht alle Fakten, wir waren sowieso nicht dabei. Wir können gar nicht wirklich beurteilen, was richtig oder falsch ist. Wir fühlen nur die Gefühle der anderen und spüren dabei, ob es sich richtig, positiv oder falsch, negativ anfühlt. So funktioniert Unterhaltung! So funktioniert auch Politik.

Ein anderer Artikel, ein Interview mit dem Bayerchef Dekkers, gab mir zu denken, wie ein einzelner Mensch da ganz oben vom restlichen Konzern gesehen, wie er diese Macht ausübt, eigentlich nur dadurch, wie sehr diese Macht viele anzieht.

Er macht Politik durch die Medien, er handelt durch das Interview und dreht seinen Laden wieder ein Stückchen in die Richtung, von der er meint, dass sie die richtige ist. Der Verkauf von Material Science, der grad alle beschäftigt, weil nach vielen Integrationen mal eine Desintegration, eine Abtrennung, Aufteilung zu erfolgen hat. Dies legt viele versteckte Verbindungen offen, und kehrt viele ehemalige Synergien wieder um. Er sprach sich für Genfood aus, muss er ja. Er sprach sich auch für TIPP aus, muss er ja! Seine Argumente klingen für ihn engelhaft, für mich teuflisch.

Es hängt immer alles vom eigenen Standpunkt ab!

Wünsche Euch einen erholsamen, leichten, lockeren Samstag!

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

One Comment

  1. ich glaub, es heisst reflexion, aber das fühlt sich so falsch an, deshalb bleibe ich bei reflektion.

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