Monat: Juni 2015

Tagebuch Teil II

Verloren?

Berlin, 6:26, Tag 873

Heute Nacht bin ich spät ins Bett, hab früh verschlafen und bin erst nach dem Sonnenaufgang hoch.

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Gestern fühlt sich an, wie ein verlorener Tag. War es gar nicht. Ist nur heute morgen mein Gefühl. Bin unter meinen Möglichkeiten geblieben. Bewerte wohl wieder, statt einfach laufen zu lassen.

Am heutigen Morgen bin ich auch durch das späte Aufstehen gleich wieder in dem Modus. Hab eigentlich nur zwei feste Termine, auf die ich mich schon freue. Drei private Kleinigkeiten sind noch einzubauen in den Tag. Dann die All Hands Slides für morgen. Das wär schön, wenn ich die heute im Laufe des Tages schon fertig machen könnte.

Der Donnerstag, mein Abflug für drei Wochen, kommt näher und ich fühle die Aufregung der Tage und Stunden vor diesem Termin. Er markiert irgendwie ein Ende des Frühlings, das Ende einer intensiven Phase. Aber auch den Beginn des Sommers, den Start einer eher reflektiven Zeit.

Ich freu mich auf den Sommer in Silivri. Die Beziehungen zu diesem Ort intensivieren sich mit jedem Jahr. Der Berg der Erinnerungen wächst. Und mit ihm, meine Verbundenheit. In einer manchmal rastlosen Zeit, voll Möglichkeiten und Konsum. Ich bemerke, wie dieses kleine Feriendorf so viele eigene Möglichkeiten beinhaltet. Ich spüre, wie Konsumverzicht mir dabei hilft, runter zu kommen. Wie kurz die Halbwertszeit von Dingen ist, wie stark geprägt und gelenkt unsere Aufmerksamkeit im Aussen ist.

Wie wenig wir doch brauchen, um einen erfüllten, glücklichen Tag zu verbringen.

Nein, gestern war kein verlorener Tag. Bin wohl nur urlaubsreif! 😉

Wünsche Euch einen ruhigen, schönen Dienstag!

Tagebuch Teil II

Fertig?

Berlin, 6:21, Tag 872

Heute Nacht war lang und ruhig. Bin zeitig hoch. Es regnete. Ein grauer, blauer Sonnenaufgang hinter dichten Wolken.

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Habe heute etwas Ehrfurcht vorm Schreiben hier. Davor, wieder nicht zu wissen. Keine Inspiration zu fühlen. Oder wenn, habe ich eine leichte Angst, ihr zu folgen. Meine Gedanken auf zu schreiben, scheint heute zu banal.

Die neue Woche steht bevor. Am Donnerstag möchte ich mich in meinen Urlaub verabschieden. Die Routine der letzten Monate durchbrechen. Nichts tun. Bücher lesen, am Strand rum liegen, schwimmen, laufen. Los lassen. Neu fokussieren.

Habe drei grosse Gebiete, über die ich seit langem nachdenke. Unsere Strukturen. Unsere Kommunikation. Und drittens unsere Dokumentation, in der sich die ersten beiden ausdrücken, materialisieren. Unsere unverbindliche, freie, flexible Art zu Arbeiten braucht einen Rahmen. Dieser Rahmen soll uns tragen, Halt und Sicherheit geben. Die Dokumentation ist das, was bleibt. Strukturen ändern sich ständig. Kommunikation fliesst wie ein Fluss einfach vor sich hin, mal stärker, mal schwächer.

Daneben habe ich ein paar Projekte, die noch nicht beendet sind. Meine Photos, mein Drohnenfliegenlernen (nicht diesen Sommer), mein Gehaltsexcel, meine Vorträge. Dann die Reisen. Vorbereitungen nur. Die eine nach Innnen ohne Sprache, dann nach Andalusien und dann Japan. Meine Texte hier sind auch nicht fertig, harren der Kategorisierung und der Selektion.

Der Umzug! Unser neues Leben hier, in Berlin. Neue Wohnung, neue Schule, neue Routinen. Weniger zwischen den Welten. Mehr zu Haus. Auch hier habe ich Angst. Mein Ego fürchtet sich, seine Freiheit zu verlieren, sich wieder mehr einlassen, nicht mehr allein die Hälfte meiner Zeit.

Wenn ich das alles vor mir sehe, kann ich mich nur ergeben! Die Gefühle fühlen und einen Schritt darauf zu machen. Nicht weg, nicht raus. Nein hin und rein. Einen Schritt auf die Angst zu gehen, mit offenen Armen und einem Lächeln. Freundlich mit mir und zu meiner Angst zu sein, das ist der Ausweg. Nicht schützen, nicht härten, nicht kämpfen. Nein!

Motiviere mich selbst hier, programmiere mich, erkläre mich.

Die Maschine im Kopf startet gerade! Maßnahmen, ToDos, Mails, überfällig, rechtzeitig, notwendig. Rein ins Thema und gleich wieder raus. Nachdenken, handeln, ruhen lassen.

Wann ist etwas fertig? Niemals.

Wünsch Euch einen schönen Start in die neue Woche.

Tagebuch Teil II

Sonntagspause

Berlin, 7:13, Tag 871

Heute Nacht schräg geträumt, lang geschlafen. Die Mädels fliegen gleich vor, ich bleib noch die Woche. Der Sonntag scheint dadurch zerrissen, in vor’m Abflug und nach’m Abflug.

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Gehe jetzt mal in meinen Stealthmode. Allein nur mit mir und allem, was hier an Zeug in Wohnung und Büro und in der Gegend vorhanden ist. Nach vielen Tagen voller Eindrücke, Gespräche, Leben und Lieben, fahre ich mal ein paar Anwendungen runter, lass dem Hirn mal Zeit zu defragmentieren und leere die Papierkörbe. Pause.

Morgen gehst weiter! Geniesst den Sonntag!

Tagebuch Teil II

Denkstoff

Berlin, 7:35, Tag 870

Heute Nacht war kurz. Bin sehr spät ins Bett, nach München und Bergmannstrassenfest und langem, gutem Gespräch. Hab das erste Aufwachen ignoriert.

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Und ein unscharfes Foto geschossen. Naja, ist ja auch kein Sonnenaufgang, deshalb lass ich das einfach mal so.

Weil mir heute aber leider immer noch nicht nach Aufschreiben hier ist, geb‘ ich Euch mal zwei grosse Artikel zum Lesen, die ich erst in der letzten Woche gefunden und die ich noch am Verdauen bin.

Einmal vom Zentrum für politische Schönheit ein langer Artikel über unseren fehlenden aggressiven Humanismus. Bin hier sogar erst zur Hälfte durch, aber trotzdem fesseln mich die Gedanken und Beobachtungen, die Referenzen. Mein Interesse für Geschichte, meine Vergangenheit im Osten, meine Gespräche mit meinem Vater, die Doktorarbeit meiner Liebsten, spielt da alles mit rein. Hatte gestern das Gefühl, dass diese Ansichten nicht meine, aber mir sehr nah sind.

Und dann führte mich ein missverständlicher Linktitel, zu einem grossartigen Text von David Weinberger im The Atlantic über das Netz, die grundlegende Architektur, das Ermöglichen von Prototypen und die sich daraus ergebende Bedeutung für uns, unsere Gesellschaft.

Humans don’t understand things in terms of neat, clean definitions, but through examples we take as clear and of the essence.

Das ursprüngliche Netz wird so unter neuen Anwendungsschichten versteckt, dass viele die grundlegende Architektur, ihre immense Schönheit, ihren ursprünglichen Wert für uns alle nicht mehr erkennen, nicht mehr erfahren können.

In diesem Sinne bin ich übrigens ein absoluter Spätstarter, ich bin in keiner dieser ursprünglichen Projekte heimisch gewesen, noch habe ich mich vollständig in Netzcommunities eingebracht. Hatte immer mal wieder Berührungspunkte und intensive Phasen: das frühe Facebook, Friendfeed, Second Life, Instagram, Ingress, etc. Aber immer als Beobachter, als Suchender, nicht und niemals All In.

Habe viel gelernt, viele Stunden investiert, viel gespielt, mich viel und gut unterhalten (lassen). Aber mich aktiv in Diskussionen einbringen, Gleichgesinnte suchen und dann echte Beziehungen im Netz bauen, davor habe ich mich immer gedrückt, davor habe ich mich geschützt. Das Netz ist damit immer noch nur Werkzeug, nicht Heimat für mich.

Vom vernetzten Personal Computing im Bankenumfeld und zu Haus bin ich erst in den 0ern überhaupt eingestiegen. Erst nach der New Economy, die ich fast komplett ignorierte, habe ich mich wirklich mit dem Netz an sich beschäftigt. Damit ich habe ich die Vernetzung sehr lange immer nur im Firmenumeld, und eben nicht zwischen Individuen erlebt.

Die Erkenntnis über die immensen Möglichkeiten der Architektur auf jeden von uns, privat und beruflich, kam wirklich erst mit Friendfeed und dann Facebook wirklich bei mir an. Auch das ist jetzt schon knapp 10 Jahre her. Vielleicht gefällt mir genau deshalb der Artikel eines, der das lange vor mir verstanden und erlebt hatte, so sehr.

Wünsch Euch einen guten Start ins Wochenende!

Tagebuch Teil II

Freitagspause

Berlin, 4:57, Tag 869

Heute Nacht schräg geträumt, zeitig hoch. Ein angenehmer Morgen draussen.

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Weil ich schon kurz vorm Losfahren bin, mach ich heute hier Pause.

Wünsch Euch einen schönen Freitag!

Tagebuch Teil II

Unterstützen

Berlin, 5:33, Tag 868

Heute Nacht war wundervoll. Voller Wunder? Nein, hab geträumt und das Bett den Schlaf sehr genossen, gebraucht. Meine Morgenmeditation war dagegen unruhig. Bin schon auf dem Sprung. Der Sonnenaufgang unentschlossen.

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Will gleich loslegen. Weiter arbeiten. Schreiben. Aufräumen. Sortieren. Planen. Bin sehr unruhig, merke ich gerade. Gleich hole ich meine Kleene von den Grosseltern ab. Der Tag scheint dadurch zerteilt, zerfahren. Kein voller Tag im Büro. Morgen darf ich nach München reisen für ein Treffen, das auch noch weiter vorbereitet sein möchte.

Nun hab ich etwas Blogs gelesen und bin ganz woanders in Gedanken. Abgelenkt, voller neuer Wortkombinationen anderer Menschen.

Wollte eigentlich über Support schreiben. Unterstützung. Wie unterstützte ich eigentlich meine Kunden, meine Kollegen, meine Familie? Wenn ich hier Support schreibe und denke, dann ist das meist etwas abstrakter. Wir supporten System x. Wir machen Business Support, Plattform Support.

Der Begriff scheint sich verselbständigt zu haben. Support hat was mit Tickets, mit Störungen und Änderungen zu tun. Hat es aber gar nicht. Wir bauen uns das alles nur. Es lenkt uns oft ab, vom eigentlich Support, vom Unterstützen. Es gibt Prozesse, Tools, ein Service Desk, ne Hotline, Tagesdienste, Dienstpläne. Wer macht heute A-Level?

Wenn wir die Anfragen dann erfasst und jemanden gefunden haben, dem wir es zuweisen konnten, sind wir froh und warten auf die nächste Störung. Die Queue sollte nicht größer als 5, 10 oder 20 Tickets sein. Tagfertiges Arbeiten. Jedes Ticket hat einen Eigentümer und ein Datum. Wir verwalten den Support, unsere Unterstützung. Versuchen, zu qualifizieren, zu sortieren, zu priorisieren.

Und wir vergessen, worum es eigentlich geht! Das passiert ständig. Das passiert mir ständig. Hatte dann aber gestern einen Moment, in dem es klar wurde. In dem ich glaubte, die Essenz gefunden zu haben.

Wie versteh ich eigentlich Support?

Es fängt damit an, dass ich die Frage, den Anruf, die Mail als das Problem eines anderen begreife. Jemand anders hat ein Problem und macht sich die Mühe, mich um Unterstützung zu bitten. Mit diesem Wissen mache ich sein Problem zu meinem Problem.

Dann stelle ich eine erste Hypothese auf, was das Problem hinter dem Problem sein könnte. Diese Hypothese, versuche ich mir zu beweisen oder zu widerlegen. Das wiederhole ich so lange, bis ich nicht mehr weiter komme.

Dann teile ich meine Ergebnisse mit demjenigen, der das Problem hat. Ihm erzähle ich, welche Hypothese ich bewiesen oder widerlegt habe. Ich erzähle, was ich mir überlegt, was ich heraus gefunden, was ich erfahren habe. Ich unterstütze damit jemand anders bei der Problemlösung. Das ist für mich Support.

Ich löse das Problem nicht, finde keine Antwort auf seine Fragen, nehme ihm nicht die Arbeit ab. Ich unterstütze ihn dabei, es selbst zu tun. Das ist der Kern.

Ich hab ein paar Beispiele im Kopf, die alle nicht passen. Meine Worte hier scheinen es überhaupt nicht richtig zu beschreiben, was ich meine und fühle.

Es kann am Morgen liegen, an der Unruhe. Ich werte mal nicht. Ich halte mal aus, was jetzt hier steht, einfach so stehen bleibt.

Und wünsch Euch einen guten Tag!

Tagebuch Teil II

Nicht Wissen

Berlin, 5:18, Tag 867

Heute Nacht war kurz, wieder ein intensiver Traum, diesmal schon vergessen. Bin zwei Minuten vor dem Wecker hoch. Zeitig.

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Gestern Abend kam wieder ein neuer Artikel von Boz zur genau richtigen Zeit. Es geht um den Anfängergeist. Ums Nicht Wissen, sondern ums offen und verletzbar sein. Darum, nicht schon alle Antworten zu haben. Sich nicht gegenseitig zu verstärken in den vorgegeben Pfaden, sondern das Nicht Wissen auszuhalten und auf sich und den Moment zu vertrauen.

So leicht, und doch so schwer. Es ist beides, immer beides!

Am Morgen heute, fängt es wieder schwer an. Bin so traurig. Halte meine Schwächen und Versäumnisse kaum aus. Sehe Freunde in Schwierigkeiten. Sehe ihr Festhalten an Überzeugungen aus vergangenen Erfahrungen. Sehe ihr Leid. Sehe meinen Anteil daran. Meine Nachlässigkeit, meine Trägheit. Die mit daran Schuld trägt, dass diese Schwierigkeiten existieren. Habe zu wenig erklärt, zu wenig geschrieben, zu wenig informiert und ihnen zu lange das Gefühl gegeben, dass es schon gut ist, wie es ist.

Veränderung ist unvermeidlich. Widerstand zwecklos.

Wie gehen wir damit um, nicht zu wissen, nicht wissen zu können? Nicht kontrollieren, nicht managen zu können?

Auch beim Mittagessen war das, nur das, das eigentliche Thema. Es geht darum, dass unsere Vorstellungen, unsere Ideen und Konzepte oft nicht mit der Realität übereinstimmen. Wir leiden, wenn wir das bemerken. Wir können ablehnen, was ist. Wir können wollen, was nicht ist. Wir können diese Fakten ignorieren. Aber wir entkommen uns selbst nicht. Wir können das nicht im Kampf lösen. Wir schaffen das vielleicht manchmal. Wir vergleichen uns. Wir suchen uns Beispiele, wo es doch schon geklappt hat in unserem Leben und wir hoffen.

Wir hoffen und träumen und ärgern uns und werden wütend.

So ist es einfach. Wir schwimmen im Fluss unserer Gefühle. Wir gleiten von Moment zu Moment. Wir machen einfach. Weiter. Unsere Analysen und Wertungen bringen uns nicht weiter (wie schwer es mir fällt, diesen Satz zu schreiben!). So schnell unser Kopf auch denkt, wir kriegen es manchmal einfach nicht hin, uns die Welt so einzurichten, wie wir sie wollen, brauchen, träumen, erhoffen.

Ich habe einen Plan, er lautet, Dinge zu tun. Wieder zurück zu finden, zum Atem, zu sich selbst. Bei sich zu sein, und sich nicht davon tragen zu lassen, von den eigenen Gedanken, Überzeugungen oder Gefühlen. Diese wahrzunehmen und auszuhalten und auszubrechen, aus dem Automatikmodus, aus der geübten, gewohnten Reaktion, ist die Schwierigkeit.

Sich eine Option mehr zu erarbeiten, zu erdenken, zu erfühlen. Und dann noch eine. Und noch eine! Dabei zu beobachten, als Zeuge. Noch nicht als Täter. Nicht mehr als Opfer. Sondern als wahrnehmender, fühlender, denkender Mensch. Dieser Mensch kann dann entscheiden, welche Handlung jetzt möglich, welche Option jetzt alle da sind, ehrlich und sich selbst bewusst.

Frage Dein Herz. Frag Deinen Verstand. Höre zu, halte aus. Handle dann. Aus liebevoller Freundlichkeit dir selbst, den Beteiligten und Unbeteiligten gegenüber.

So leicht, und doch so schwer. Es ist beides, immer beides!

Wie schön wir sind, wenn wir das so tun tun können. Wie viel leichter es fällt, mit diesem Anfängergeist des nicht Wissen zu leben, sehen wir erst dann, wenn wir uns trauen, wenn wir es wirklich versuchen.

Für mich ist das ein Ausweg. Das ist die Hoffnung. Ab und an schaffe ich das schon, im Rückblick sind das die Momente, die Kraft geben, die mitten im Tun, den Akku laden. Diese Situationen, in denen ich beobachte und aushalte und dann erst handele, sind die Momente, in denen ich wirklich am Leben bin.

Ich habe den Vortragstitel festgelegt: Wenn Angst den Erfolg verhindert. Der Vortrag ist Ende November und schon jetzt spüre ich meine eigene Angst vor dem Auftritt, vorm Versagen, vor der Ablehnung. Aber das ist gut!

So, jetzt ist mir ein tolles Gespräch mit vielen neuen Einsichten genau jetzt dazwischen gekommen. Ich schreib jetzt nicht weiter.

Sondern wünsch Euch einfach einen tollen Tag!