Fremdenfreundlichkeit

Bizimköy, 6:54, Tag 850

Heute bin ich zeitig hoch, das Haus ganz ruhig, doch die Kleine wurde wenig später auch schon wach. Gestern war ein schöner, ruhiger Tag. Wir haben die letzten Sommer hier verbracht. Im grünen Garten, dem kleinen Häuschen, in der Nähe vom Strand des Marmarameers. In einer kleinen Wohnanlage. Zwei Supermärkte, ein Strandcafe, sonst nix.

Silivri, die Stadt in der Nähe, hat nun 155.000 Einwohner. Vor zwanzig Jahren war das nur ein Fischerdorf. Dort haben wir am Hafen den Fisch für den Grill am Abend gekauft, der war lecker. Hab viel gelesen, bin viel rumgelaufen. Hab meine drei Ingress Portale hier in aller Ruhe bestückt und vernetzt.

Dann doch 28 Grad, am Nachmittag viel Sonne, es blies ein frischer Wind und brachte viele Wolken vom Schwarzen Meer. In der Nacht hat geregnet, jetzt ist hier leuchtend grauer Morgen.

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Ups, jetzt bin ich irgendwie auf Publizieren gekommen und der Post ist schon raus. Deshalb gibts hier den Rest als Aktualisierung. Sorry, falls der Link nicht mehr funktioniert (wenn ich den Titel im Nachhinein ändere).

Wollte eine meditierende Schnecke hier hochladen und habe mich in Youtube und beim News lesen verloren.

Aber eigentlich wollte ich Euch die Geschichte unseres neuen Grills erzählen. Gestern bin ich in den Baumarkt hier gefahren. Die Mode schwappt schon seit ein paar Jahren aus dem Rest Europas hier rüber. Bis dato gab es Strassen in jeder Stadt, die kleine Geschäfte mit Krams haben. Eine Lampengasse. Eine für Werkzeug. Eine für Gartenzeug.

Gestern also, bin ich in den Baumarkt hier in Silivri. Unser Grill auf der Terasse ist über den Winter über verschwunden incl. Wedel und Zangen. Konnte wohl jemand gebrauchen, obwohl er schon 4 Jahre alt war und eigentlich komplett durchgebrannt.

Im Baumarkt hatte ich schnell das Regal mit den Grillen gefunden. Ich entschied nach Einfachheit und Standfestigkeit. Wackelte an jedem Grill rum. Wenn er schwankte, dann der nächste bitte. Ganz links, ein silberner Flachgrill wurde es dann. Ich packte noch etwas Kohlenanzünder und eine dieser runden Grillkohlenkamine mit Griff dazu, mit denen man die Kohle heutzutage anfeuert und zum Glühen bringt.

Und dann rollte ich meinen Fang einfach zur Kasse.

Der Laden war rappelvoll, die Angestellte alle irgendwo mit anderen Kunden beschäftigt. Fast an der Kasse angekommen, kam mir einer in Montur und mit einer Familie im Schlepptau in die Quere und redete auf türkisch auf mich ein. Ich verstand so viel, dass ich natürlich nicht das Ausstellungsstück kaufen könne und ich auf ihn und einen verpackten Grill warten solle.

Meine Standardreaktion ist: Lächeln und im besten lokalen Dialekt zu sagen, dass ich nur ganz wenig Türkisch spreche, weil ich Ausländer bin.

Çok az konuşuyorum türkce. Ben yabancıyım.

Die garantierte Reaktion auf diese Eröffnung ist dann: Woher bist Du? Nerelisin?

Und meine Antwort dann: Berlinden, ben Alman. Aus Berlin, ich bin Deutscher.

Daraufhin strahlte der Türke mich an und sagte auf Deutsch: Dann darfst Du. Weisst, Du. ich bin seit 93 zurück aus Deutschland. Eigentlich musst du einen in der Kiste nehmen, aber weil Du es bist, kannst Du den so mit nehmen. Hast Du heute Abend Gäste?

Ich strahlte ihn an, freute mich so offensichtlich, dass sich alle nach uns umdrehten. Ja, klar und vielen Dank, çok teşekkür ederim, harika!

Als ich mich an der Kasse einreihte, an der einer zwanzig Teppiche kaufen wollte und die Kasserierin an der nicht funktionierenden Kreditkarte verzweifelte und die Schlange wurde immer länger wurde, eröffnete genau in diesem Moment jemand eine weitere Kasse.

Das ganze hat fünf Minuten gedauert und mir die halbe Stunde Aufbau gespart. Auf der Hollywood Schaukel schaukelnd freute ich mich über diese wunderbare Gastfreundschaft, nein eigentlich ist das eher Fremdenfreundlichkeit, der Türken.

Fahrt mal raus. Weg vom Taksim und den grossen Sehenswürdigkeiten in Sultanahmet, mal raus aus der Hotelanlage, wenn ihr in Antalya seid. Seid einfach neugierig und offen, lächelt und ihr werdet erleben, wie freundlich und herzlich diese Menschen hier sind. Wie gastfreundlich sie jeden Fremden willkommen heissen, wie sehr sie es schätzen, wenn man ein paar Brocken ihrer Sprache spricht.

Der Fisch, abends beim Eingrillen hat herrlich geschmeckt.

Wünsch Euch einen tollen Sonntag!

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