Auf der Reise

Berlin, 5:16, Tag 852

Der gestrige Tag war sehr lang. Heute morgen bin ich viel zu zeitig aufgestanden, konnte die ganze Nacht nicht gut schlafen.

Habe geträumt, dass ich mit einem Auto in unseren alten Innenhof gefahren bin und an der Tordurchfahrt hinten, zum Garten raus, bin ich gegen eine Backsteinmauer gestossen. Die darauf hin um gefallen ist. Ein türkischer Mann, mit Frau und Kind kamen dahinter zum Vorschein, die jetzt dort leben. Für dreissig Euro würde er den Schaden, den ich angerichtet habe, beheben können. Ich wollte ihm 50 geben, erschien mir eher angemessen.

Die Meditation war entsprechend unruhig, der Sonnenaufgang dauert schon lang. Zusammen mit dem Sonnenuntergang gestern gibt es aber eine unglaublich schöne Abwechslung in den Farben.

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Habe eine lange Pause gemacht, jetzt ist es schon Acht und ich schreibe hier erst jetzt weiter. Sollte vielleicht einen Pausenpost schreiben.

Es geht grad ums Ankündigen von nicht fertigen Dingen, von Absichten und Erwartungen. Etwas wehrt sich weiter stark in mir. Ich mag anderen nicht mehr gern erzählen, was ich, was wir erst noch machen wollen. In der Zukunft. Es scheint so viel besser, einfach zu erzählen, was wir, was ich gemacht habe. Und mit welchem Ziel.

Es gibt ein altes Gleichnis, welches mir dazu einfällt. Das könnte helfen. Es geht nicht darum, zu erzählen, wie das Schiff aussehen wird, welche Segeleigenschaften es haben wird, wie es sich steuern lässt, wie viel Laderaum, wie viele Passiere es mit nehmen kann. Es geht auch nicht darum, zu erzählen, wie das Schiff gebaut wurde und welche Pläne wir mit dem weitere Ausbau noch haben, wie schwer oder leicht es war oder wie gut wir Schiffe bauen können.

Es geht einzig und allein darum, zu erzählen, wie es draussen auf dem Meer ist. Wie schön es ist, zu segeln, wie die Luft da draussen riecht, wie das Licht ist, wie sich die Freiheit der Meere anfühlt. Es geht immer nur darum, warum wir etwas tun.

Wir entwickeln Software, Features, Oberflächen, Architekturen, Lösungen, Produkte. Die allein sind nur das Schiff, nur das Vehikel.

Wir supporten Benutzer, Anwender unserer Software, bei der Benutzung dieser Features, wir erklären, wie man sie benutzt, wie sie funktionieren, was alles geht und auch was nicht geht.

Aber eigentlich dienen wir unseren Kunden.

Wir helfen ihnen, wir ordnen uns unter, wir dienen ihnen und helfen ihnen dabei, ihre Probleme selbst zu lösen. Wir unterstützen sie, bei ihrer eigentliche Aufgabe, dienen dem Zweck ihres jeweiligen Seins, ihres Unternehmens, ihrer Abteilung.

Alles drei zusammen: Entwicklung, Support und Service sind bei mir eine Einheit ohne eigenständige Daseinsberechtigung. Ein Schiff muss segeln. Und es braucht ein Ziel. Die Software muss benutzt werden und sie muss einen Zweck erfüllen, der über die eigentlichen Features hinaus geht.

Auch das habe ich letzte Woche im mtc All Hands erzählt, habe erklärt warum und wie sich aus dieser Einsicht, dieser Überzeugung unsere Firmenstruktur ganz natürlich ergibt.

Die ersten zehn Jahre meines Unternehmertums lautete die Dreifaltigkeit: Consulting, Development, Services. Es wurde nie gelebt. Die Strukturen gab es nur im Namen, nicht im Herzen der Kollegen. Lange habe ich nicht verstanden, wieso da etwas fehlt. Ich habe sogar eine Support Firma dazu gegründet, die nie wirklich in die Gänge kam.

Dann dauerte es noch weitere vier Jahre. Erst 2010 bildete sich eines Morgens zu La Traviata diese Struktur heraus. Ein Raumschiff, gestrandet im Deltaquadranten diente als Bild. Die Besatzung hofft auf Heimkehr, auf Rückkehr zur Erde. Der Maschinenraum liefert die Energie, die Decks supporten Manschaft, Maschine und Mission. Die Aussenmissionen sind Chance und dienen dem Erkenntnisgewinn. Die oberste Direktive hilft dabei, das eigene Ego, die eigenen Wünsche und Sorgen, der Mission, der Heimkehr und der Erforschung dieser fremden Welten zu unterzuordnen.

Seit dem Tag im März 2010 bin ich wirklich auf dem Weg, bin ich erst wirklich unterwegs!

Wüsche Euch weit weg, einen wunderschönen Tag auf Eurer Reise.

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