Berlin, 7:35, Tag 870

Heute Nacht war kurz. Bin sehr spät ins Bett, nach München und Bergmannstrassenfest und langem, gutem Gespräch. Hab das erste Aufwachen ignoriert.

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Und ein unscharfes Foto geschossen. Naja, ist ja auch kein Sonnenaufgang, deshalb lass ich das einfach mal so.

Weil mir heute aber leider immer noch nicht nach Aufschreiben hier ist, geb‘ ich Euch mal zwei grosse Artikel zum Lesen, die ich erst in der letzten Woche gefunden und die ich noch am Verdauen bin.

Einmal vom Zentrum für politische Schönheit ein langer Artikel über unseren fehlenden aggressiven Humanismus. Bin hier sogar erst zur Hälfte durch, aber trotzdem fesseln mich die Gedanken und Beobachtungen, die Referenzen. Mein Interesse für Geschichte, meine Vergangenheit im Osten, meine Gespräche mit meinem Vater, die Doktorarbeit meiner Liebsten, spielt da alles mit rein. Hatte gestern das Gefühl, dass diese Ansichten nicht meine, aber mir sehr nah sind.

Und dann führte mich ein missverständlicher Linktitel, zu einem grossartigen Text von David Weinberger im The Atlantic über das Netz, die grundlegende Architektur, das Ermöglichen von Prototypen und die sich daraus ergebende Bedeutung für uns, unsere Gesellschaft.

Humans don’t understand things in terms of neat, clean definitions, but through examples we take as clear and of the essence.

Das ursprüngliche Netz wird so unter neuen Anwendungsschichten versteckt, dass viele die grundlegende Architektur, ihre immense Schönheit, ihren ursprünglichen Wert für uns alle nicht mehr erkennen, nicht mehr erfahren können.

In diesem Sinne bin ich übrigens ein absoluter Spätstarter, ich bin in keiner dieser ursprünglichen Projekte heimisch gewesen, noch habe ich mich vollständig in Netzcommunities eingebracht. Hatte immer mal wieder Berührungspunkte und intensive Phasen: das frühe Facebook, Friendfeed, Second Life, Instagram, Ingress, etc. Aber immer als Beobachter, als Suchender, nicht und niemals All In.

Habe viel gelernt, viele Stunden investiert, viel gespielt, mich viel und gut unterhalten (lassen). Aber mich aktiv in Diskussionen einbringen, Gleichgesinnte suchen und dann echte Beziehungen im Netz bauen, davor habe ich mich immer gedrückt, davor habe ich mich geschützt. Das Netz ist damit immer noch nur Werkzeug, nicht Heimat für mich.

Vom vernetzten Personal Computing im Bankenumfeld und zu Haus bin ich erst in den 0ern überhaupt eingestiegen. Erst nach der New Economy, die ich fast komplett ignorierte, habe ich mich wirklich mit dem Netz an sich beschäftigt. Damit ich habe ich die Vernetzung sehr lange immer nur im Firmenumeld, und eben nicht zwischen Individuen erlebt.

Die Erkenntnis über die immensen Möglichkeiten der Architektur auf jeden von uns, privat und beruflich, kam wirklich erst mit Friendfeed und dann Facebook wirklich bei mir an. Auch das ist jetzt schon knapp 10 Jahre her. Vielleicht gefällt mir genau deshalb der Artikel eines, der das lange vor mir verstanden und erlebt hatte, so sehr.

Wünsch Euch einen guten Start ins Wochenende!

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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