Bizimköy, 6:59, Tag 877

Als wäre ich schon länger hier. Konnte gestern ankommen, und war gleich wieder im Rhythmus der letzten Jahre. Das ist also der Vorteil des wiederholten Urlaubs am selben Ort. Man erinnert sich einfach und schaltet die alten Routinen wieder an. Nicht schlecht!

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Waren gestern in der nahen Großstadt einkaufen und im Hafen zu Abend essen. Also nicht Istanbul, sondern das ehemalige Fischerdorf Silivri, mit nun 155.000 Einwohnern. Dort am Hafen wurde vor ein paar Jahren eine Promenade gebaut, mit ein paar Teegärten und am Ende vier Restaurants, immer abwechselnd gibts Fisch oder Köfte.

Ein Wagen vollen kaputten Spielzeuges fiel mir auf.

Eine kleine Ziege war im Schatten unter, hinter dem Wagen angebunden. Wie clever, dachte ich so bei mir! Die kleine Ziege zieht die Kinder an: wie niiiieeedlich. Und damit sie genug zu fressen kriegt, muss man eben eine Kleinigkeit aus Plaste mit nehmen.

Hat auch bei uns funktioniert und mit einem Seifenblasendigens für nur ein Lira sind wir weiter geschlendert.

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Als wir auf dem Rückweg wieder an dem Wagen vorbeikamen, hatte sich das Zicklein in eine dicke alte Zigeunerin verwandelt. Jedenfalls sass nun eine hinter dem Wagen auf einem kleinen Hocker. Ich suchte ja nur das Zicklein.

Sie schaute mich erschrocken, ärgerlich an. Sie kaute mit vollem Mund und hatte die Hände voller Brot. Dabei trug sie eine typische, dunkelbunte Rockhose mit einem passenden T-Shirt und einem schwarzen Kopftuch.

Der Blick in ihre Augen und auf ihr Brot dauerte nur drei Millisekunden. Was für ein tolles Bild dachte ich sofort in der vierten Millisekunde. Aber ich hatte das iPhone in der Hosentasche und konnte es unmöglich in den drei nächsten Millisekunden rausholen, die ich noch Zeit hatte, ehe sie sich abwandte, um ihre Sünde vor mir zu verstecken. Es waren ja noch etwa zwei Stunden zu warten, ehe sie beim Iftar (dem allabendlichen Fastenbrechen) hätte essen dürfen.

Und das war schon das zweite Foto, dass ich gestern nicht geschossen hatte.

Das erste war noch in Istanbul und betraf eine ebenfalls ältere, nicht sehr schlanke Frau. Nach dem Frühstück lief ich zum Supermarkt. Auf dem Rückweg schaute ich kurz vom schmalen Bürgersteig hoch. Mir kam jemand entgehen und der Bürgersteig ist hier nur breit genug für eine Person. Ich schaute also hoch, um nonverbal abzustimmen, wer von uns beiden auf die Strasse müsse, um nicht zu kollidieren.

Bei diesem Blick fiel mir ihr schwarzes T-Shirt auf.  Es trug die Aufschrift Zero Gravity. Darüber waren zwei riesige Sneaker aufgedruckt. Diese hatten allerdings der Schwerkraft nichts mehr entgegenzusetzen. Kopfschüttelnd und grinsend vermutete ich auf dem Weg zurück, dass sie wohl einfach nicht weiss, was die Buchstaben bedeuten.

Tja, und dieses Bild war gestern das erste Foto, das ich nicht gemacht hab.

Wünsch Euch einen wunderbaren Samstag!

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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