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Es reicht, da zu sein

Bizimköy, 6:30, Tag 883

Heute Morgen fühlt sich etwas klarer an, dadurch entschlossener. Die Unterschiede zu gestern sind gering, die eine Stunde vorm Aufstehen meiner Kleinen ist so anders als zu Haus in Berlin oder Istanbul. Vermutlich weil die Tage hier so ruhig und selbstbestimmt sind, ist der Morgen zum Zentrieren nicht ganz so bedeutsam.

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Gestern Morgen waren ja die Vorträge und Faust Thema. Heute ist das gar nicht mehr wichtig. Eine Woche ist nun schon rum. Der Taktwechsel, das Ausbrechen aus den vielen Routinen, das Runterfahren strengt nun schon weniger an. Mein Einlassen auf das Anders sein, auf andere Beschäftigungen, das Nichtwerten, das noch näher ran rücken an die Gedanken und Gefühle meiner beiden Mädels, gelingt immer besser. In den Zwischenräumen habe ich gestern Fotos sortiert, Dokus über die Burgen der Kreuzritter im Nahen Osten geschaut, mich mit Swift beschäftigt, ein paar Türkisch Vokabeln in Anki wiederholt, geschlafen, geschwommen, gesonnt, gegessen.

Wenn ich zurück bin, habe ich Kraft für alles, was dann kommt. So ein wiederkehrender Gedanke. Ich brauche jetzt meine Vorträge nicht vorbereiten, ich brauche jetzt nicht alle Mails bearbeiten, beantworten, mit lesen reicht völlig aus. Ich muss grad auch nicht wissen, was alles genau passiert in Berlin. Das ich nicht weiss, wie es allen geht, beunruhigt mich. Dass ich unsere Zeit hier nicht durchtakte und plane und das Optimum raus hole aus jedem Tag, beschäftigt mich auch. Dass ich kein tolles Sommerprojekt habe, dass ich echt wenig fotografiere, dass hier nur wir sind, kein Wegrennen, kein Ausbüchsen, kein Betäuben mit Aktion, das nehme ich wahr.

Wäre so gern perfekt! Das Vergleichen, also das Verbinden mit der Restunzufriedenheit geht auch, ohne immer gleich handeln zu müssen. Ich kann Lächeln und einfach Machen zu Dingen, die nicht von mir kommen. Und finde dann trotzdem noch die Zeit für mich. Das größte Geschenk ist, dass ich hier langsam, langsam aufhöre, den Retter zu spielen. Einfach da sein, zu hören, präsent sein, reicht völlig aus.

Wünsch Euch einen schönen, wunderschönen Tag!

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