Freiheit

Bizimköy, 8:35, Tag 892

Heute ist mir wieder nach Pause. Bin zeitig hoch, hab einen ruhigen Morgen. Schon viel mit der Kleinen gelesen. Eine konzentrierte Meditation vorher.

IMG_7771

Gestern hat mich mein Freiheitsbegriff beschäftigt. Ich hab neben Entwicklung, Veränderung auch immer meinen Wert Freiheit sehr hoch priorisiert. Irgendwann hatte ich mal das Inselspiel gespielt, also welche 12 Dinge ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde, um dann über Pärchen bilden, im Ausschlussverfahren auf das Wichtigste zu kommen, was ich mit nehmen würde. Weiss nicht mehr, welche Gegenstände es waren, weiss nur noch, wofür sie standen: für Freiheit, für Entwicklung, für Beziehung. Wenn ich mich also entscheiden müsste, würde Freiheit über Entwicklung, und Entwicklung über Beziehung gewinnen. Ein etwas akademisches, künstliches Spiel. Aber die Ergebnisse begleiten mich nun schon eine Weile und geben mir Richtung, Halt in diesem so unvorhersagbaren, unkontrollierbaren Leben.

Als ich nun bei Krishnamurti über Freiheit gelesen habe, bemerkte ich, wieviel radikaler ich diesen Begriff noch denken könnte, sollte: Freiheit als Abwesenheit aller Konzepte, aller Vorstellungen davon, was wir sein könnten. Freiheit ist nichts, was wir zu erreichen anstreben können. Allein das Streben nach Freiheit macht uns ja wieder unfrei. Immer, wenn wir nach etwas streben, wenn wir eine Vorstellung davon haben, wie oder was wir sein könnten, was wir erreichen sollten oder können, sperren wir uns das Gefängnis dieser Vorstellungen. Damit verstärken wie eher unsere Unfreiheit, unsere Unzufriedenheit mit dem, was wir jetzt haben, was wir jetzt sind.

Freiheit ist es, wir selbst zu sein, nur wir selbst. Wir lernen so etwas nicht ausserhalb von uns selbst, von jemand anderem, keinem Lehrer, keinem Chef, keinem Gelehrten, Philosophen, Priester, Weisen, Erleuchteten. Wir können das nur für uns selbst heraus finden. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in einem Umfeld zu sein, in dem wir uns frei entwickeln können, zu unserem Selbst finden können.

Das geht nur in angstfreien Umgebungen, in denen uns niemand sagt, wie wir zu sein haben, was wir zu machen haben, was wir zu erreichen haben. Kein: wenn du dies tust, dann erreichst du das. Sondern eher eine Umgebung, die es ermöglicht, die es uns uns zusammen herausfinden lässt. Es wird kein Ergebnis zu erreichen geben, keine endgültige Definition, kein anzustrebenden Zustand. Es ist eher eine Art zu leben, zu denken und zu fühlen. Ohne die Beschränkungen, die uns unsere Eltern, Lehrer, Politiker, Vorgesetzte, Kollegen, Vorbilder auferlegen.

So, das musste mal gedacht werden. Es musste hier aufgeschrieben werden. Das ist mein Ideal für mich persönlich, für meine Familie, meine Firma, mein Leben. Es liest sich verführerisch logisch, mein Glaube zu Verstehen engt mich aber bereits wieder ein. Aber es ist für mich eine der Treppenstufen, auf dem Weg zu was auch immer.

Wünsch Euch einen angstfreien, wunderschönen, freien Sonntag.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s