Gedankenspiele

Bizimköy, 7:22, Tag 893

Heute Morgen ist Montag. Wache unruhig, zeitig auf. Überlege, wie sehr ich mich weg von hier, zurück nach Berlin orientiere, wieder anfange, zu arbeiten.

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Ein Gedanke bei der Morgenmeditation war folgendes: hier habe ich die gleichen Probleme, die gleichen Schwierigkeiten, wie in Berlin. Ich bin ja der gleiche. Sicher mein Zoom ist ein anderer, aber auch hier gibt es so viel zu tun. Auch hier sind die Interaktionen so unterschiedlich, mal Ärger, mal Freude, mal guter Kompromiss, mal ein schlechter. Was mache ich jetzt als nächstes? Es gibt so viel zu tun am Haus, mit meiner Kleinen. Spüre, wenn etwas aus der Balance gerät, auch hier. Das gleiche fühle ich bei der Arbeit, es gibt auch da so viel zu tun. Auch da sind die Interaktionen immer unterschiedlich. Aber eben sind mir die Gemeinsamkeiten, mein gleiches Herangehen, aufgefallen.

Dann fing ich kurz an zu vergleichen, mit anderen Urlauben, die ich so bei Facebook mitlesen, die ich mir so für mich selbst vorstelle, die ich erinnere. Dadurch, dass wir hier kein Auto haben, sind wir am gleichen Ort, in einem kleinen Umkreis nur zu Fuss unterwegs. Es gibt kaum Input, wenig Abwechslung.

Und wie ich das schreibe, merke ich, wie das einfach nicht stimmt. Es gibt so viel Input, so viel Abwechslung wie überall sonst auch. Nur der Zoom ist ein anderer. Und ich bin ja auch der gleiche.

Diese Erfahrung, des Ausbrechens aus der ständigen Reizüberflutung, aus der ständigen Suche nach Abwechslung, dem nächsten Sight Seeing Punkt, dem nächsten tollen Restaurant fürs Abendessen, dem nächsten tollen Strand, ist ganz interessant. Es ist das gleiche Ausbrechen, aus dem ständigen Erfolg suchen, dem nächsten Projekt, der nächsten Baustelle, dem nächsten Thema, welches es zu entwickeln gilt.

Ein Gedanke dann kam hoch, dass all diese Erinnerungen, all diese Vergleiche gar nicht nötig sind. Dieser ständige Beobachter in mir. Diese ständigen Kommentare und Wertungen fallen mir hier grade deutlich auf. Wie schaffe ich es, dies nur zu Beobachten, aber mich nicht darin zu verfangen, nicht daraufhin zu agieren? Wie kann ich an die Stille dahinter, darunter, danach kommen?

Es fühlt sich an, wie eine Sucht. Eine Sucht, ständig dem Kommentator hinterher oder vorweg zu laufen. Es dem Beobachter immer recht machen zu wollen.

Rebellion! Aufstand! Es muss doch mehr geben. Ich will es heraus finden, möchte all das gelernte, all das erfahrene für einen Moment los lassen können. Aushalten, dass ich jetzt so oder so bin, unruhig oder ruhig, glücklich oder unglücklich, zufrieden oder unzufrieden. Beobachten, ohne einzugreifen.

Dass ich es selbst bin, der sich beobachtet, bin ja Beobachter und beobachtetes Objekt zugleich, wird es richtig interessant. Kann ich mich beim Beobachten beobachten? Kann ich mir beim Werten von Gedanken zuschauen, und das dann wieder werten. Inception! Stop! Macht ja Sinn und dann doch wieder nicht. Wieder nur Mindfuck.

Stop!

Ein und Ausatmen. 1. Nicht Wissen. 2. Beobachten, was ist und 3. liebevoll, freundlich Handeln. Das ist alles, was übrig bleibt. Wenige Worte nur, die bleiben.

So, nun geht genau das los und schicke das ab, verbunden mit einem Gruss durch den Montag morgen zu Euch.

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