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Der Kämpfer

Bizimköy, 6:55, Tag 904

Heute Morgen sehr zeitig einen schönen Sonnenaufgang genossen.

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Danach aufs Kissen. Mein Fuss heilt gut. Ich konnte ohne grosse Verrenkungen wieder in normaler Pose sitzen. Meine Kleine wachte mitten in der Meditation auf und kam die Treppen runter und wir kuschelten. Die paar Minuten Facebook und Spiegel Online vor dem Sitzen könnte ich wieder mal weglassen. Mich eher und länger setzen oder Texte von Thich Nhat Hanh lesen, wären besser für einen bewussten Start.

Gleich sollte ich meine ToDo Liste aus dem Kopf in die Kladde dumpen.

Diese Gewohnheit hilft und strukturiert indirekt die ganze Woche. Das Aufschreiben mit einem Stift auf Papier hat bei mir einen wunderbaren Effekt. Danach habe ich es für einen beliebigen Zeitraum voll im Zugriff, ich kann es visuell und inhaltlich komplett erinnern. Es ist wie ein Schnappschuss, ein Screenshot, ein Braindump eben.

Ohne das Aufschreiben verändert sich die Liste und die Erinnerung ständig. Aufschreiben ins Laptop, in Evernote, OmniFocus oder auch Reminders vom Telefon helfen dabei nicht. Dieses Tippen erfordert eine weitere Schicht der Abstraktion. Mein Gedächtnis merkt sich in Verbindung mit der Handbewegung des Schreibens mit einem Stift, das Geschriebene auf dem Papier, als eine Art Foto der Seite und als Liste. Das passiert nicht mit der gleichen Genauigkeit und Permanenz, wenn ich mit einer Tastatur in ein Fenster hier schreibe.

Möchte über ein paar Fundstücke schreiben, die ich in der letzten Woche für später aufgehoben habe.

Das erste ein Interview mit Arno Grün über die politische Dimension des Mitgefühls. Sehr kurz, wenig Inhalt, nicht zitierfähig, trotzdem wichtig für mich. Das kognitiv-abstrakte Denken: das Argumentieren, Recht haben, rhetorisch gut sein, meine Vorstellung gegen deine Vorstellung ist Teil der vielen Konflikte in der Welt. Dieses Denken führt zur Entmenschlichung. Einfaches Tun wird dann plötzlich Marketing und hat eine ganz andere Bedeutung. Freunde werden auf einmal Mitarbeiter, die man kategorisieren, sortieren, bewerten muss, um wachsen zu können. Arno Grün fährt die grossen Geschütze: Schule und Hitler auf, um das in seinem neuen Buch zu erläutern.

Ich mach die Augen auf und sehe genau dieses Dilemma überall um mich herum.

Das Mensch zu sein, mit Empfindungen, Leiden, Freude, dem Versuch zu Verstehen, sich seinen Ängsten und Sorgen zu stellen und sie nicht unterdrücken, in sich hinein zu fressen, das ist die Lösung. Und viele von uns, wissen nicht mehr wie das geht.

Ich weiss oft nicht, wie das geht.

Dann sensationelle Farbaufnahmen von Berlin ’45. Passen ja irgendwie auch zum ersten Link. Gefunden hab ich das als Reupload bei Berlin Multikulti auf Facebook. Hier eingebettet aber das Youtube, das mir Originaler erscheint und wenigstens einen Verweis auf den Autor in der Beschreibung enthält.

Und dann zum Abschluss, das will schon seit Samstag raus hier, noch der Hinweis auf einen Persönlichkeitstest von http://www.16personalities.com, den ich sehr spannend fand.

Wie eigentlich alle diese Tests bisher, üben sie eine gewisse Anziehungskraft auf mich aus. Vermutlich weil sie Bestätigung und Erklärung für Teile meines Verhaltens geben und mir durch das Einsortieren in Kategorien, das Gefühl geben, nicht allein zu sein?

So 2004 hatte ich wohl das erste Mal bewusst Kontakt zu einem Personalberater. Ich war kurz über dreissig, hatte sowas wie einen Burnout, trennte mich von einer langjährigen Beziehung, flog aus einem Projekt, stritt mich mit meinem damaligen Mitgesellschafter.

Wir fanden Christian, ein Coach/Personalberater, der uns einen Workshop mit der gesamten Geschäftsführung der Unternehmensgruppe moderierte und einen weiteren, mit meinem Mitgesellschafter und mir allein. Er hatte einen Satz Vier Farben Karten dabei, wohl auf dem Lüscher Test basierend und mit diesen Karten sollten wir uns selbst und die anderen jeweils einschätzen und beschreiben.

Wenig später knallte es laut und die Unternehmensgruppe flog auseinander. Hmmh, nein, das trifft es nicht ganz, ich beendete dieses Kapitel in meinem Leben: löste meine Firma mit ihm auf und startete in Berlin mit einem Teil der Kunden und Mitarbeiter neu durch.

Christian versuchte dann später noch, uns einen Onlinetest zu verkaufen, so etwas wie einer Potentialanalyse, die zu xx Seiten Einschätzung führte und als Grundlage für Gehalt, Einsatz und weiterer Zusammenarbeit dienen sollte.

Allen gemeinsam war, dass man vorgegebene Sätze oder Fragen mit stimmt oder stimmt nicht einschätzen sollte und man dann Erkenntnisse über sich präsentiert bekommt.

Mich erinnert das grad immer an Horoskope, die Tests bei Partnerschaftsbörsen oder Persönlichkeitsbeschreibungen basierend auf dem Tierkreiszeichen. Irgendwie ist ja immer was dran. Sicherlich komplett wissenschaftlich bewiesen, total fundiert, seriös. Ich weiss auch nicht, warum ich das in die gleiche Schublade packe.

Ich habe mich später, das fing so etwa 2008 an, intensiver mit Pyschologie beschäftigt, genau mit Kommunikationspycholgie. Habe einen, ein Jahr dauernden, Anfägerkurs bei Karl Nielsen gemacht und dann 2012 noch einmal ein Jahr einen Trainerkurs bei Johann Kluzcny. Schreibe grad angestrengt nicht NLP, weil das so einen schlechten Ruf hat, aber ich komm ja eh nicht drum herum. Also eigentlich habe ich von den Modellen von Jung, Beatson und natürlich von Dilts und Erickson und vielen mehr erfahren, viele Kopien von Kopien erhalten und wegsortiert und auch viel mit anderen in einer geschützten Umgebung Kommunikation geübt und versucht zu verstehen.

Na, nun aber zurück zu http://www.16personalities.com. Als ich am Samstag diesen Test machte und mir die Ergebnisse durchlas, kam jedenfalls all diese Erinnerung wieder hoch. Nein, eher habe ich dadurch einen leichteren Zugriff auf diese Erinnerungen, wie ich grad hier beim Schreiben bemerke.

Die Briten teilen uns Menschen in 16 Typen ein und haben einen kostenlosen Test gebaut, incl. einer ausführlichen Beschreibung aller 16 Typen, eine tolle Fleissarbeit, grossartiges Marketing für ihre Premiumprofile 😉

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Als ich im Taxi diese Fragen schnell durchklickte, kam als Ergebnis „The Campaigner“ raus. Bei den Stärken und Schwächen dieses Typs finde ich mich schon sehr gut wieder.

Overthink Things – ENFPs (The Campaigner – d.A.) don’t take things at face value – they look for underlying motives in even the simplest things. It’s not uncommon for ENFPs to lose a bit of sleep asking themselves why someone did what they did, what it might mean, and what to do about it.

oder auch

ENFPs enjoy both small talk and deep, meaningful conversations, which are just two sides of the same coin for them, and are adept at steering conversations towards their desired subjects in ways that feel completely natural and unforced.

Aber wie gesagt, ich werde das Gefühl bei all diesen Tests leider nicht los, dass solch ei kognitiv-abstraktes Denken letztlich nicht wirklich weiter hilft. Ja es ist angenehm, sich wieder zu finden in diesen Karten, Farben und Texten. Es kann hilfreich sein, wie so vieles im Leben.

Doch nun zu etwas ganz anderem: dem Frühstück! Ouch, hab ich jetzt Appetit auf ein richtig schönes, frisches türkisches Frühstück… 😉

Wünsch Euch einen schönen Start in die neue Woche!

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