Es ist immer Ego

Berlin, 6:45, Tag 919

Heute Nacht lang und gut geschlafen. Kein Traum. Wieder zeitig wach und noch schön weiter gedöst. Der Morgen ist wieder verregnet, aber noch ist es schön warm.

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Hadere grade mit meinem Schreiben hier. Bin ganz ruhig und überlege, was gestern interessant war, welche Geschichten ich erzählen, welche Themen mich bewegen. Dann denke ich an Frau N. Möchte auch so schreiben können, so scheinbar locker und leicht, Geschichten aus dem Tag aufgreifen und interessant, lustig aufschreiben, was an schrägem, schönem alles so passiert ist.

Dann traue ich mir das einfach nicht zu. Kann ich doch gar nicht.

Dann meine ich, ich sollte einen Schreibkurs machen. Dann denke ich an mein Anfängergeistbild von vorgestern. Bin ja doch schon sehr geübt in fast tausend Posts hier. Aber merke immer mehr, wie wenig ich eigentlich weiss und kann. Mir fallen bei anderen immer andere Dinge, immer mehr Details auf, die ich vor Jahren und Monaten noch nicht bemerkt habe. Immer wieder stolpere ich über die Intention, mit der Artikel hier ins Netz gestellt werden. Der Klickfang. Der x. Aufguss vom ewig gleichen. Die Befindlichkeiten, der Ärger und die vielen vielen Missionare, die uns ihre Abkürzungen verkaufen möchten. Grosse Ego, und das daraus resultierende Lobdefizit und das folgende, umgebende Leid, welches es produziert.

Nun finde ich doch noch ein Thema für jetzt: mein ständiges Werten und Vergleichen. Eine tolle Eigenschaft meines Bewusstseins. Aber hier steckt mein grosses Ego dahinter. Meine Idee von etwas, meine Erwartungen, meine Vorstellungen vom Sein anderer Menschen. In den nächsten drei Monaten möchte ich daran arbeiten, mir das mal genauer anschauen. Beim Werten entsteht bei mir sofort Ärger, Sarkasmus, Trauer. Kein Wahrnehmen, was ist. Sondern immer ein: Wollen, was nicht ist. Diesem Wollen verleihe ich fast automatisch Ausdruck oder ich renne davon, tauche ab, entziehe mich der Situation. Diese beiden Möglichkeiten habe ich heute. Ich möchte eine dritte Option entwickeln, das Aushalten, das Bezeugen, das Beobachten meiner Impulse, und die der anderen. Und dann nicht aus der Wertung, dem Vergleich heraus handeln, sondern unvoreingenommen, aus dem Moment heraus, das richtige, angemessene tun. Meist ist das nur: da sein, es aushalten, zu hören, zu schauen, fragen stellen, verstehen lernen.

So, nun ist dieser Gedanke aufgeschrieben, festgehalten und hier für Euch und mich nachzulesen. Jetzt oder später.

Wünsch Euch einen leichten Dienstag!

One thought on “Es ist immer Ego

  1. Danke für den Schwung, den Sie in Ruhe erarbeitet und dann mit Ihrer Wut (?) oder Ihrem Engagement gesteigert und schließlich schön zu Ende ausgeführt haben. Ihr Text legt sich „mit dem großen Ego“ logisch über meinen und stimmt mich sehr versöhnlich: Aushalten, beobachten, weiter atmen. Nur quengeln (und so lese ich fast meine Arbeit der letzten Nacht) ist zu wenig. Lösen durch drinnen bleiben und durch dieses drinnen bleiben von innen verändern, erscheint mir richtig.
    Und so leicht und flockig wie Frau N.: Das hätte ich auch gern.

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