Monthly Archives: September 2015

Berlin, 8:37, Tag 955

Heute irgendwie komisch gestartet, schon ruhig und achtsam aber auch irgendwie komisch. Beim Frühstück hab ich dafür gleich in die Hand geschnitten, sehr zur Freude meiner Kleinen, die ein unglaublich herzlicher, interessierter Tröster ist.

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Die Geschichte von gestern ging noch weiter. Ich halte in den nächsten Wochen zwei Vorträge übers Scheitern und vielleicht deshalb fiel mir gestern mein erster richtiger Ferienjob wieder ein: als Mistfahrer in der LPG meines Vaters.

Ich muss so 16 gewesen sein und sollte zwei Wochen lang die Urlaubsvertretung des eigentlich Mistfahrers übernehmen. Hatte grade meine Führerschein gemacht und wollte Trekker fahren, war happy über die Riesenchance, als ich die ich den Job sah.

Die ersten drei Tage waren reinstes Chaos. Mein Trekker hatte einen kaputten Anlasser und musste morgens angeschleppt werden, dann lief er den ganzen Tag durch. Man durfte ihn also auf keinen Fall abwürgen, was bei einem ZT 300 auch relativ schwer ist.

Am ersten Tag fuhr ich mir die Fahrertür beim Anschleppen ab, weil die Lenkung leicht eingeschlagen war und ich sie ohne Motor nicht grade kriegte.

Am zweiten Tag, sollte ich anziehen und liess die Kette durch den ganzen Stall fliegen, weil ich einfach losfuhr.

Am dritten Tag hatte ich dann einen Trekker mit funktionierendem Anlasser, einen MTS 50, genannt: 50er Russe.

Als ich mit übervollem Hänger voller Kuhscheisse kleckernd aufs Feld fuhr, liess sich dieser nicht heben, zu wenig Hydauliköl. Nochmal zurück durchs ganze Dorf. Direkt in die Werkstatt, schnell nachfüllen und zum dritten Mal kleckernd raus.

Dort fuhr ich zu nah an den schon rumliegenden Mist ran. Hob hoch, und steckte fest, weil nur ein Drittel des Mistes vom Hänger rutschte. Ich grub den Trekker fast ein im Feld. Es ging nichts mehr.

Schliesslich koppelte ich los, um Hilfe zu holen und hatte noch eine letzte Idee.

Ich fuhr im rechten Winkel wieder ran, konnte ankoppeln und den Hänger wegdrehend rausziehen. Ohmannn!

Ich hätte hinschmeissen können, fühlte mich als das Gespött und Mittagsgespräch der ganzen LPG und war soooo froh, das mein Vater mich nicht rauswarf und mich auch nicht rettete.

Das war die erste und größte Lektion im Nichtaufgeben bei einem Scheissjob (im wörtlichen Sinne) von dem man keine Ahnung hat. Dann nach zwei Wochen war ich ein ganz passabler Mistfahrer und hatte mir das Feriengeld aber auch wirklich redlich verdient.

Wünsch Euch mit einem leichten Ammoniakduft in der Nase einen wunderbaren Tag!

Berlin, 8:34, Tag 954

Heute ausgeschlafen und gut gelaunt. Der Morgen bis jetzt war schön, ruhig, entspannt. Kaum Widerstand, viel Offenheit und Kreativität.

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Wir haben in den letzten Monaten unsere echten Arbeitszeiten an Supporttickets unserer Kunden erfasst und sind bei der Auswertung etwas durcheinander gekommen: wir verbringen nur rund 30-50% unserer Zeit mit der reinen Ticketbearbeitung. Wir hören jetzt wieder auf damit. Aber heute morgen beim drüber sprechen, kam eine Erinnerung hoch:

Ich vergleiche Support grad mit Tierhaltung, speziell die von Kühen, da ich mich damit auskenne, bin ja schliesslich gelernter Melker sogar mit Abitur. In meiner Ausbildung gab es eine Kennzahl für unsere Güte, das war die Melkgeschwindigkeit. Wir sollten beim Handmelken 1.100gr Milch pro Minute aus der Kuh kriegen für die sehr gute Note. Das hiess bei einer 20l Kuh, das wir 20 Minuten hatten, um sie leer zu kriegen. Diese 20 Minuten war die reine Arbeitszeit, um das Ergebnis zu erzielen. Aber natürlich gehört, um 20l Milch zu produzieren, noch jede Menge mehr Arbeit dazu. Früh füttern und ausmisten, nachmittags nochmal, einen Stall pflegen, das Futter heranschaffen, die Kühe pflegen, ab und zu ’nen Tierarzt holen. All diese Arbeiten wurden nicht gemessen, auf die reine Melkzeit kam es an.

Genau so ist es doch bei uns im Support. Die reine Bearbeitungszeit von Tickets, ist die Zeit die benötigt wird, um das Ergebnis zu erzielen. Aber wir müssen uns Zugänge verschaffen, müssen die Umgebung des Kunden kennen, müssen die Kunden selbst kennen, wir müssen das Ticket dokumentieren, unseren Arbeitsplatz sauber halten, uns weiterbilden und so weiter. Unsere Kunden schauen nur auf die Reaktions- und Lösungszeiten. Wenn diese Grundlage der Kalkulation sind, gehen die Kunden aber alle ein. Deshalb messen wir zusätzlich noch die Kundenzufriedenheit.

Ein weiterer Vergleich kam daraufhin hoch:

Support ist also wie Tierproduktion. Im Support hast Du dich ständig um Deine Kunden und ihre Probleme und Wünsche zu kümmern. Bist jeden Tag vorm Rechner, räumst auf, fütterst die Systeme, pflegst und löst die Tickets. Bist Du einen Tag nicht da, ist die halbe Meute danach krank und du hast x Eskalationen an der Backe.

Entwicklung ist aber wie Pflanzenproduktion. Am Jahresanfang bestellst Du das Feld, legst die Architektur fest, strukturierst Dein Projekt, schreibst ein paar Arbeitspakete und Meilensteine auf und dann musst Du der Natur ihren Lauf und die Entwickler in Ruhe ihre Arbeit machen lassen. Klar kannste ab und zu mal checken und Unkraut jäten, oder ein wenig Dünger oder sonst was auf die Felder bringen. Auch musst Du dafür sorgen, dass Unwetter- oder Wildschäden nicht überhand nehmen. Aber erst irgendwann im Herbst kannst Du die Früchte Deiner Arbeit einholen und das Ergebnis geniessen. Dann muss alles ganz schnell gehen, und deployt werden. Was die Kunden dann mit der Software aber machen, welche Suppe sie sich daraus kochen, liegt nicht mehr in Deiner Hand.

Ich selbst war immer schon Tier- und kein Pflanzenbauer. Lag an meinem Vater, der eben für die Tiere in unserer LPG verantwortlich war. Pflanzenproduktion war irgendwie nie mein Ding. Rüben verziehen, Kartoffeln roden und auf Knien einsammeln, Steine vom Acker holen, alles irgendwie bähh. Ok, Trecker konnten die Pflanzenbauern mehr fahren, das was das einzige auf das ich etwas neidisch war. Die Stalltrecker, die wir hatten, waren eher Spielzeuge.

So bin ich heute auch eher Supporter, als Entwickler. Dieses lange verbuddeln und entwickeln, um dann irgendwann nach unendlich langer Zeit, mal etwas funktionierendes zu haben, liegt mir nicht so. Bin ich viel zu ungeduldig. Aber meine Kühe jeden Tag zufrieden wiederkäuend zu verabschieden, den Stallboden glänzend zu sehen, alle satt gekriegt zu haben, alle gesund zu halten, das mochte und mag ich sehr.

Und trotzdem: der Mist der Kühe landet auf dem Feld und lässt dort die Pflanzen wachsen. Kühe geben nur Milch, wenn sie ordentliche Pflanzen zu fressen kriegen. Die Fehler der Supporter werden durch Entwickler ausgebügelt. Aber die Ergebnisse der Entwickler sind Grundlage für unsere Supportarbeit. Irgendwie klar, oder? Auch wir bei mtc sind Teil der Natur! 🙂

Für diese Geschichte hab ich heute etwas länger gebraucht, der Tag trug mich davon. Denn hab heute morgen gleich noch ein zweites Mal meditiert, mit unserem Nachbarn Francis Kéré aus Gando in Burkina Faso. Das war mir eine besondere Freude. Er hatte noch gar keine Erfahrungen mit Sitzmeditation, kennt aber schon etwas Yoga. Stelle mir vor, wie er eher über Tanz und Bewegung meditative Zustände erreicht. Und seine Architektur ist für mich atemberaubend. War also sehr dankbar, ihm meine Atemmeditation zeigen zu können.

So, nun Euch noch einen schönen Abend gewünscht.

Berlin, 8:07, Tag 953

Heute Nacht bin ich mitten in einem wirren Traum vom auf 4:00 gestellten iPhone geweckt worden. Nach kurzer Phase der Orientierung bin ich hoch, und mit der gestern schon vorbereiten Kamera inclusive Stativ aufs Dach. Es sollte ja ein besonderer Mond am Himmel stehen. Stand dann auch, zusammen mit eindrucksvoll vielen Sternen für Berlin. Sogar eine Sternschnuppe mit richtig Schweif und Blitz begrüsste mich in Norden. 250 Aufnahmen brauchte ich für dieses Bild hier:

Hatte meine Brille vergessen, so dass scharf stellen eher Glücksache war. Muss an der frühen Stunde gelegen haben, tagsüber liegt sie deshalb immer im Rucksack ganz unten.

Gestern war Marathon gucken. Und dann am Nachmittag zu zockenden Rentern auf der Trabrennbahn. Schöner Sport! Das neue iPhone machte mir viel Freude nebenbei. Hier ein paar Eindrücke:

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Die Woche startet nun. Es gibt viel zu tun. Die letzte Woche hat eine lange ToDo Liste und viel Motivation hinterlassen.

Wünsch Euch einen starken Start in die neue Woche.

Berlin, 8:03, Tag 952

Heute Nacht wieder wild geträumt, und spät aufgestanden. Meine Morgenroutine in der neuen Wohnung, mit meinen Damen hier in Berlin, ist noch immer sehr flexibel. Müsste wohl noch mindestens eine halbe Stunde eher aufstehen, um etwas mehr Freiraum am Tagesanfang zu haben. Lasse am Wochenende komplett los, dann geht es. Nehme alles, wie es kommt. Versuch es zumindest. Aufgeben, sich ergeben, war gestern und vorgestern schon das Thema. Sowie ich im Widerstand, in der Wertung bin, klappt es nicht. Sofort gibt es Konflikte mit mir und meinem Umfeld.

Gestern von nem Freund, der superschnell bestellt hatte, ein neues iPhone 6S Plus bekommen. Ohhhh, die Kamera ist wieder mal so viel besser. Es ist nicht zu fassen, dass ich das Gefühl fast bei jeder neuen Generation habe.

Das Video ist nun so stark stabilisiert, dass bei Strassenszenen fast jedes Handschütteln ausgeglichen wird. Erst gab es 10’€ Systeme, die so etwas konnten. Dann Hyperlapse, die noch aufwendig konvertieren mussten, nun ist das live möglich. In 4k Auflösung. Aber eigentlich auch verrückt. Jedesmal finde ich gute Gründe, wieder sehr viel Geld für ein neues auszugeben. Ich brauch das nicht. Und trotzdem.

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Der Tag startet hier schon, mal schauen, wie ich mich heute anstelle beim Ergeben!

Wünsch Euch einen angenehmen Sonntag!

Berlin, 7:56, Tag 951

Wie seit langem nicht, bin ich heute mal wieder mit leichten Panikgedanken sehr zeitig aufgewacht. Wohl wegen dem etwas intensiven Treffen bei meinem größten Kunden gestern, hatte ich alle möglichen Todos im Kopf und Lösungen und habe ein paar Mails formuliert, die besser ausdrücken, was ich gestern eigentlich sagen wollte. Atmen half nicht viel, aber Kuscheln an die Liebste dann schon.

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Im Anflug auf Berlin gab es dann dieses stahlende Stralau hinten unter dem Flügel zu sehen. Und wenig später rollte ein ICE auf den Fernsehturm zu.

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War dann nach drei Tagen unterwegs sein doch etwas platt.

Wir haben unseren Wochenendeinkauf aber gleich noch erledigt, dann brauchen wir heute nicht dafür raus. Ich hab einiges an noch unbenutztem Spielzeug, mit dem ich mich beschäftigen könnte. Die Laptops der Mädels haben noch kein Yosemite, ein paar Backups sollten mal erneuert werden, mein Copter muss doch auch noch mal Auslauf kriegen.

Mit einem Mix aus lesend rum lungern, basteln und kochen werd ich nun ein ruhiges Wochenende haben. Montag gehts dann weiter und dann lösen sich auch die ganzen Probleme des zeitigen Morgens. So war es immer, so wird es auch diesmal.

Einfach in die Aufgabe ergeben und nicht widerstehen, nicht kämpfen.

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Wünsch Euch erholsames Wochenende!

Berlin Tegel, 6:25, Tag 950

Wild geträumt, sehr zeitig hoch. Stehe in der Schlange am Gate D. Gleich gehts los.  

Noch schnell ein Bild vorm Einstieg.

 
Wünsch Euch schon rollend nen schicken Freitag.

München, 7:59, Tag 949

Konnte nicht schlafen heute, hatte Halsschmerzen, aber nach einem sehr obslastigen Frühstück hier fühle ich mich fit für den Tag.

Der Nachmittag gestern verlief gut. Musste kurz Datenqualität als Wert an sich mit dem Amt diskutieren, die Nutzer und Dienstleister Anforderungen und Wünsche hinterfragten. Für mich hat die Qualität von Daten einen intrinsischen Wert, der unbekannte, unformulierte Möglichkeiten eröffnet. Die Aufgabe von Behörden ist es dabei eben genau nicht, Forderungen ihrer Nutzer zu erfüllen, sondern ihre Aufgabe bestmöglich auszuführen. So ist jedenfalls mein Staatsverständnis. Ich glaube, ich konnte die Beamten nicht überzeugen.

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Gleich die zweite Runde. Dann gehts am Abend schon wieder zurück. Hoffentlich kommen wir schnell durch, dann kann ich den Flug vorverlegen, sonst bin ich erst um 9 zu Haus.

Morgen dann wieder los. Hier werde ich schon unruhig, das Excel und die Slides sind noch nicht in einem Zustand, mit dem ich zufrieden bin. Die Zeit am Nachmittag muss reichen, um das noch hinzukriegen.

Dieses Reisen ist nun übrig von meinen fünf Jahren pendeln zwischen den Welten. Fühle mich an den Flughäfen sehr wohl, kenn die Prozesse, geniesse den Flug, die leider etwas kurz sind. Die knapp drei Stunden nach Istanbul hatten eine Länge, die perfekt zum Abschalten und dann tieferen Beschäftigen mit einem Thema erlaubt. Ungestört und durch den Blick nach draussen, das Rauschen, das Wackeln sehr konzentrationsfördernd.

Der Taxifahrer zum Flughafen gestern war lustig, ein Perser, der sich die ganze Zeit über die Eigenschaften orientalischer Frauen mit mir unterhielt. Er war mit einer Holländerin verheiratet, aber seine Schwester, eine erfolgreiche Managerin in London, diente ihm als Beispiel und Quell zahlloser Anekdoten.

Im Supermarkt:

Bruder, hier ist die Mortadella, die Du so magst, solllen wir die kaufen?

Ja gerne, Schwester.

Nein, das machen wir nicht, die ist nicht gut für Deine Gesundheit.

Bruder, magst Du noch diese Butter hier?

Ja, sehr, Schwester.

Aber Du musst doch auf Dein Herz achten, wir nehmen die nicht.

Irgendwann gibt er auf.

Kauf doch, was Du möchtest Schwester und hör auf zu fragen, was ich mag.

Ein wunderbares Beispiel! Genau so! Es wurde schnell auch politisch. Wie die Frauen mit den sie unterdrückenden Gesetzen im Iran umgehen. Wie sehr diese Gesetze, die Verzweiflung der Männer ausdrücken, die ihren Frauen nichts anderes entgegen zu setzen haben, als die Staatsmacht. Es ging noch sehr viel weiter, als dass ich jetzt die Zeit hätte, alle seine Ansichten hier aufzuschreiben.

Wollte mir hier aber unbedingt einen Merker setzen, mich mal eingehender und auch mit meinen eigenen Erfahrungen unterlegt, damit zu beschäftigen.

So, nun aber! Auf in den Tag. Wünsch Euch einen guten Donnerstag.