Übers Mist fahren, mein erster Ferienjob.

Berlin, 8:37, Tag 955

Heute irgendwie komisch gestartet, schon ruhig und achtsam aber auch irgendwie komisch. Beim Frühstück hab ich dafür gleich in die Hand geschnitten, sehr zur Freude meiner Kleinen, die ein unglaublich herzlicher, interessierter Tröster ist.

IMG_8926

Die Geschichte von gestern ging noch weiter. Ich halte in den nächsten Wochen zwei Vorträge übers Scheitern und vielleicht deshalb fiel mir gestern mein erster richtiger Ferienjob wieder ein: als Mistfahrer in der LPG meines Vaters.

Ich muss so 16 gewesen sein und sollte zwei Wochen lang die Urlaubsvertretung des eigentlich Mistfahrers übernehmen. Hatte grade meine Führerschein gemacht und wollte Trekker fahren, war happy über die Riesenchance, als ich die ich den Job sah.

Die ersten drei Tage waren reinstes Chaos. Mein Trekker hatte einen kaputten Anlasser und musste morgens angeschleppt werden, dann lief er den ganzen Tag durch. Man durfte ihn also auf keinen Fall abwürgen, was bei einem ZT 300 auch relativ schwer ist.

Am ersten Tag fuhr ich mir die Fahrertür beim Anschleppen ab, weil die Lenkung leicht eingeschlagen war und ich sie ohne Motor nicht grade kriegte.

Am zweiten Tag, sollte ich anziehen und liess die Kette durch den ganzen Stall fliegen, weil ich einfach losfuhr.

Am dritten Tag hatte ich dann einen Trekker mit funktionierendem Anlasser, einen MTS 50, genannt: 50er Russe.

Als ich mit übervollem Hänger voller Kuhscheisse kleckernd aufs Feld fuhr, liess sich dieser nicht heben, zu wenig Hydauliköl. Nochmal zurück durchs ganze Dorf. Direkt in die Werkstatt, schnell nachfüllen und zum dritten Mal kleckernd raus.

Dort fuhr ich zu nah an den schon rumliegenden Mist ran. Hob hoch, und steckte fest, weil nur ein Drittel des Mistes vom Hänger rutschte. Ich grub den Trekker fast ein im Feld. Es ging nichts mehr.

Schliesslich koppelte ich los, um Hilfe zu holen und hatte noch eine letzte Idee.

Ich fuhr im rechten Winkel wieder ran, konnte ankoppeln und den Hänger wegdrehend rausziehen. Ohmannn!

Ich hätte hinschmeissen können, fühlte mich als das Gespött und Mittagsgespräch der ganzen LPG und war soooo froh, das mein Vater mich nicht rauswarf und mich auch nicht rettete.

Das war die erste und größte Lektion im Nichtaufgeben bei einem Scheissjob (im wörtlichen Sinne) von dem man keine Ahnung hat. Dann nach zwei Wochen war ich ein ganz passabler Mistfahrer und hatte mir das Feriengeld aber auch wirklich redlich verdient.

Wünsch Euch mit einem leichten Ammoniakduft in der Nase einen wunderbaren Tag!

Über Kühe und Support und über Pflanzen und Entwickler.

Berlin, 8:34, Tag 954

Heute ausgeschlafen und gut gelaunt. Der Morgen bis jetzt war schön, ruhig, entspannt. Kaum Widerstand, viel Offenheit und Kreativität.

IMG_8921

Wir haben in den letzten Monaten unsere echten Arbeitszeiten an Supporttickets unserer Kunden erfasst und sind bei der Auswertung etwas durcheinander gekommen: wir verbringen nur rund 30-50% unserer Zeit mit der reinen Ticketbearbeitung. Wir hören jetzt wieder auf damit. Aber heute morgen beim drüber sprechen, kam eine Erinnerung hoch:

Ich vergleiche Support grad mit Tierhaltung, speziell die von Kühen, da ich mich damit auskenne, bin ja schliesslich gelernter Melker sogar mit Abitur. In meiner Ausbildung gab es eine Kennzahl für unsere Güte, das war die Melkgeschwindigkeit. Wir sollten beim Handmelken 1.100gr Milch pro Minute aus der Kuh kriegen für die sehr gute Note. Das hiess bei einer 20l Kuh, das wir 20 Minuten hatten, um sie leer zu kriegen. Diese 20 Minuten war die reine Arbeitszeit, um das Ergebnis zu erzielen. Aber natürlich gehört, um 20l Milch zu produzieren, noch jede Menge mehr Arbeit dazu. Früh füttern und ausmisten, nachmittags nochmal, einen Stall pflegen, das Futter heranschaffen, die Kühe pflegen, ab und zu ’nen Tierarzt holen. All diese Arbeiten wurden nicht gemessen, auf die reine Melkzeit kam es an.

Genau so ist es doch bei uns im Support. Die reine Bearbeitungszeit von Tickets, ist die Zeit die benötigt wird, um das Ergebnis zu erzielen. Aber wir müssen uns Zugänge verschaffen, müssen die Umgebung des Kunden kennen, müssen die Kunden selbst kennen, wir müssen das Ticket dokumentieren, unseren Arbeitsplatz sauber halten, uns weiterbilden und so weiter. Unsere Kunden schauen nur auf die Reaktions- und Lösungszeiten. Wenn diese Grundlage der Kalkulation sind, gehen die Kunden aber alle ein. Deshalb messen wir zusätzlich noch die Kundenzufriedenheit.

Ein weiterer Vergleich kam daraufhin hoch:

Support ist also wie Tierproduktion. Im Support hast Du dich ständig um Deine Kunden und ihre Probleme und Wünsche zu kümmern. Bist jeden Tag vorm Rechner, räumst auf, fütterst die Systeme, pflegst und löst die Tickets. Bist Du einen Tag nicht da, ist die halbe Meute danach krank und du hast x Eskalationen an der Backe.

Entwicklung ist aber wie Pflanzenproduktion. Am Jahresanfang bestellst Du das Feld, legst die Architektur fest, strukturierst Dein Projekt, schreibst ein paar Arbeitspakete und Meilensteine auf und dann musst Du der Natur ihren Lauf und die Entwickler in Ruhe ihre Arbeit machen lassen. Klar kannste ab und zu mal checken und Unkraut jäten, oder ein wenig Dünger oder sonst was auf die Felder bringen. Auch musst Du dafür sorgen, dass Unwetter- oder Wildschäden nicht überhand nehmen. Aber erst irgendwann im Herbst kannst Du die Früchte Deiner Arbeit einholen und das Ergebnis geniessen. Dann muss alles ganz schnell gehen, und deployt werden. Was die Kunden dann mit der Software aber machen, welche Suppe sie sich daraus kochen, liegt nicht mehr in Deiner Hand.

Ich selbst war immer schon Tier- und kein Pflanzenbauer. Lag an meinem Vater, der eben für die Tiere in unserer LPG verantwortlich war. Pflanzenproduktion war irgendwie nie mein Ding. Rüben verziehen, Kartoffeln roden und auf Knien einsammeln, Steine vom Acker holen, alles irgendwie bähh. Ok, Trecker konnten die Pflanzenbauern mehr fahren, das was das einzige auf das ich etwas neidisch war. Die Stalltrecker, die wir hatten, waren eher Spielzeuge.

So bin ich heute auch eher Supporter, als Entwickler. Dieses lange verbuddeln und entwickeln, um dann irgendwann nach unendlich langer Zeit, mal etwas funktionierendes zu haben, liegt mir nicht so. Bin ich viel zu ungeduldig. Aber meine Kühe jeden Tag zufrieden wiederkäuend zu verabschieden, den Stallboden glänzend zu sehen, alle satt gekriegt zu haben, alle gesund zu halten, das mochte und mag ich sehr.

Und trotzdem: der Mist der Kühe landet auf dem Feld und lässt dort die Pflanzen wachsen. Kühe geben nur Milch, wenn sie ordentliche Pflanzen zu fressen kriegen. Die Fehler der Supporter werden durch Entwickler ausgebügelt. Aber die Ergebnisse der Entwickler sind Grundlage für unsere Supportarbeit. Irgendwie klar, oder? Auch wir bei mtc sind Teil der Natur! 🙂

Für diese Geschichte hab ich heute etwas länger gebraucht, der Tag trug mich davon. Denn hab heute morgen gleich noch ein zweites Mal meditiert, mit unserem Nachbarn Francis Kéré aus Gando in Burkina Faso. Das war mir eine besondere Freude. Er hatte noch gar keine Erfahrungen mit Sitzmeditation, kennt aber schon etwas Yoga. Stelle mir vor, wie er eher über Tanz und Bewegung meditative Zustände erreicht. Und seine Architektur ist für mich atemberaubend. War also sehr dankbar, ihm meine Atemmeditation zeigen zu können.

So, nun Euch noch einen schönen Abend gewünscht.

Marathon und Trabrennen

Berlin, 8:07, Tag 953

Heute Nacht bin ich mitten in einem wirren Traum vom auf 4:00 gestellten iPhone geweckt worden. Nach kurzer Phase der Orientierung bin ich hoch, und mit der gestern schon vorbereiten Kamera inclusive Stativ aufs Dach. Es sollte ja ein besonderer Mond am Himmel stehen. Stand dann auch, zusammen mit eindrucksvoll vielen Sternen für Berlin. Sogar eine Sternschnuppe mit richtig Schweif und Blitz begrüsste mich in Norden. 250 Aufnahmen brauchte ich für dieses Bild hier:

Hatte meine Brille vergessen, so dass scharf stellen eher Glücksache war. Muss an der frühen Stunde gelegen haben, tagsüber liegt sie deshalb immer im Rucksack ganz unten.

Gestern war Marathon gucken. Und dann am Nachmittag zu zockenden Rentern auf der Trabrennbahn. Schöner Sport! Das neue iPhone machte mir viel Freude nebenbei. Hier ein paar Eindrücke:

IMG_8876

IMG_8866


IMG_8881

IMG_8897

IMG_8884

Die Woche startet nun. Es gibt viel zu tun. Die letzte Woche hat eine lange ToDo Liste und viel Motivation hinterlassen.

Wünsch Euch einen starken Start in die neue Woche.

Immer noch!

Berlin, 8:03, Tag 952

Heute Nacht wieder wild geträumt, und spät aufgestanden. Meine Morgenroutine in der neuen Wohnung, mit meinen Damen hier in Berlin, ist noch immer sehr flexibel. Müsste wohl noch mindestens eine halbe Stunde eher aufstehen, um etwas mehr Freiraum am Tagesanfang zu haben. Lasse am Wochenende komplett los, dann geht es. Nehme alles, wie es kommt. Versuch es zumindest. Aufgeben, sich ergeben, war gestern und vorgestern schon das Thema. Sowie ich im Widerstand, in der Wertung bin, klappt es nicht. Sofort gibt es Konflikte mit mir und meinem Umfeld.

Gestern von nem Freund, der superschnell bestellt hatte, ein neues iPhone 6S Plus bekommen. Ohhhh, die Kamera ist wieder mal so viel besser. Es ist nicht zu fassen, dass ich das Gefühl fast bei jeder neuen Generation habe.

Das Video ist nun so stark stabilisiert, dass bei Strassenszenen fast jedes Handschütteln ausgeglichen wird. Erst gab es 10’€ Systeme, die so etwas konnten. Dann Hyperlapse, die noch aufwendig konvertieren mussten, nun ist das live möglich. In 4k Auflösung. Aber eigentlich auch verrückt. Jedesmal finde ich gute Gründe, wieder sehr viel Geld für ein neues auszugeben. Ich brauch das nicht. Und trotzdem.

IMG_8802 IMG_8819 IMG_8824

Der Tag startet hier schon, mal schauen, wie ich mich heute anstelle beim Ergeben!

Wünsch Euch einen angenehmen Sonntag!

Sich ergeben

Berlin, 7:56, Tag 951

Wie seit langem nicht, bin ich heute mal wieder mit leichten Panikgedanken sehr zeitig aufgewacht. Wohl wegen dem etwas intensiven Treffen bei meinem größten Kunden gestern, hatte ich alle möglichen Todos im Kopf und Lösungen und habe ein paar Mails formuliert, die besser ausdrücken, was ich gestern eigentlich sagen wollte. Atmen half nicht viel, aber Kuscheln an die Liebste dann schon.

IMG_8768

Im Anflug auf Berlin gab es dann dieses stahlende Stralau hinten unter dem Flügel zu sehen. Und wenig später rollte ein ICE auf den Fernsehturm zu.

FullSizeRender

War dann nach drei Tagen unterwegs sein doch etwas platt.

Wir haben unseren Wochenendeinkauf aber gleich noch erledigt, dann brauchen wir heute nicht dafür raus. Ich hab einiges an noch unbenutztem Spielzeug, mit dem ich mich beschäftigen könnte. Die Laptops der Mädels haben noch kein Yosemite, ein paar Backups sollten mal erneuert werden, mein Copter muss doch auch noch mal Auslauf kriegen.

Mit einem Mix aus lesend rum lungern, basteln und kochen werd ich nun ein ruhiges Wochenende haben. Montag gehts dann weiter und dann lösen sich auch die ganzen Probleme des zeitigen Morgens. So war es immer, so wird es auch diesmal.

Einfach in die Aufgabe ergeben und nicht widerstehen, nicht kämpfen.

IMG_8787

Wünsch Euch erholsames Wochenende!

Orientalische Frauen

München, 7:59, Tag 949

Konnte nicht schlafen heute, hatte Halsschmerzen, aber nach einem sehr obslastigen Frühstück hier fühle ich mich fit für den Tag.

Der Nachmittag gestern verlief gut. Musste kurz Datenqualität als Wert an sich mit dem Amt diskutieren, die Nutzer und Dienstleister Anforderungen und Wünsche hinterfragten. Für mich hat die Qualität von Daten einen intrinsischen Wert, der unbekannte, unformulierte Möglichkeiten eröffnet. Die Aufgabe von Behörden ist es dabei eben genau nicht, Forderungen ihrer Nutzer zu erfüllen, sondern ihre Aufgabe bestmöglich auszuführen. So ist jedenfalls mein Staatsverständnis. Ich glaube, ich konnte die Beamten nicht überzeugen.

IMG_8759

Gleich die zweite Runde. Dann gehts am Abend schon wieder zurück. Hoffentlich kommen wir schnell durch, dann kann ich den Flug vorverlegen, sonst bin ich erst um 9 zu Haus.

Morgen dann wieder los. Hier werde ich schon unruhig, das Excel und die Slides sind noch nicht in einem Zustand, mit dem ich zufrieden bin. Die Zeit am Nachmittag muss reichen, um das noch hinzukriegen.

Dieses Reisen ist nun übrig von meinen fünf Jahren pendeln zwischen den Welten. Fühle mich an den Flughäfen sehr wohl, kenn die Prozesse, geniesse den Flug, die leider etwas kurz sind. Die knapp drei Stunden nach Istanbul hatten eine Länge, die perfekt zum Abschalten und dann tieferen Beschäftigen mit einem Thema erlaubt. Ungestört und durch den Blick nach draussen, das Rauschen, das Wackeln sehr konzentrationsfördernd.

Der Taxifahrer zum Flughafen gestern war lustig, ein Perser, der sich die ganze Zeit über die Eigenschaften orientalischer Frauen mit mir unterhielt. Er war mit einer Holländerin verheiratet, aber seine Schwester, eine erfolgreiche Managerin in London, diente ihm als Beispiel und Quell zahlloser Anekdoten.

Im Supermarkt:

Bruder, hier ist die Mortadella, die Du so magst, solllen wir die kaufen?

Ja gerne, Schwester.

Nein, das machen wir nicht, die ist nicht gut für Deine Gesundheit.

Bruder, magst Du noch diese Butter hier?

Ja, sehr, Schwester.

Aber Du musst doch auf Dein Herz achten, wir nehmen die nicht.

Irgendwann gibt er auf.

Kauf doch, was Du möchtest Schwester und hör auf zu fragen, was ich mag.

Ein wunderbares Beispiel! Genau so! Es wurde schnell auch politisch. Wie die Frauen mit den sie unterdrückenden Gesetzen im Iran umgehen. Wie sehr diese Gesetze, die Verzweiflung der Männer ausdrücken, die ihren Frauen nichts anderes entgegen zu setzen haben, als die Staatsmacht. Es ging noch sehr viel weiter, als dass ich jetzt die Zeit hätte, alle seine Ansichten hier aufzuschreiben.

Wollte mir hier aber unbedingt einen Merker setzen, mich mal eingehender und auch mit meinen eigenen Erfahrungen unterlegt, damit zu beschäftigen.

So, nun aber! Auf in den Tag. Wünsch Euch einen guten Donnerstag.

Nur ganz kurz

Berlin, 6:33, Tag 948

Heute Nacht ausgeschlafen, erinner mich nicht an meinen Traum. Zeitig aber müde hoch. Gleich geht der Flieger nach München. Habe alle Unterlagen zusammen, nun kann kommen, was wolle. Auch der Freitag ist schon vorbereitet, zumindest habe ich auch hier alle Verträge schon zusammen gestellt, was gestern den ganzen Nachmittag in Anspruch nahm.

Weil ich grad nicht wusste, was ich schreiben kann, und weil ich schon unterwegs bin in meinen Gedanken, habe ich noch das Video vom Sonntag morgen für Euch.

Das ich das selber machen kann, selbst erstellt, selbst erlebt habe, das ist das Besondere für mich. Solche Aufnahmen waren bis vor kurzem nur wenigen Menschen möglich, die Fliegen oder Luftaufnahmen zu ihrem Beruf gemacht hatten. Anschauen konnten das seit der Verbreitung des Fernsehens ja viele. Aber jetzt kann ich das auch erzeugen, einfach so. Ich brauche kein Riesenbudget dafür, muss kein Filmregisseur, kein Rettungspilot sein. Die Technik ist so weit, dass ich leicht und locker dazu in der Lage bin. Irgendwie verrückt, oder?

Wünsch Euch einen schönen Mittwoch.

Sehen, was ist

Berlin, 6:35, Tag 947

Heute Nacht wieder wild geträumt. Habe zu kurz geschlafen, wollte nicht einschlafen gestern. Bin ganz kurz hoch aufs Dach nach einer schnellen, ruhigen Meditation im Dojo.

IMG_8753

Übernächstes Wochenende habe ich meinen ersten Auftrag als Kopterpilot. Gestern Abend habe ich das schon mal ein wenig vorbereitet. Es ist kein wirklicher Auftrag, eher eine Idee, geboren bei einer Familienfeier im Juni, die nun in die Tat umgesetzt wird. Wir fahren nach Kühlungsborn an die Ostsee und ich freu mich nun schon drauf.

Alles, was auch immer passiert, hat seinen Sinn, ist perfekt und geschieht zur richtigen Zeit. Es hat keinen Sinn, dem Widerstand entgegen zu setzen. Es geht darum, dem Leben zu vertrauen. Setze mich stark unter Druck, bin hart zu mir selbst, unbarmherzig hart. Fühle mich eigentlich konstant schlecht vorbereitet. Gestern war so ein Tag, der ruhig begann und dann gleich früh eine Wendung nahm. Die Energie des ganzen Tages verpuffte in wenigen Minuten. Nun liegen hier die Stapel, die noch zu bearbeiten sind. Ab morgen früh bin ich den Rest der Woche unterwegs, erst München, dann Leverkusen.

Das anzunehmen, fällt mir sehr schwer. Möchte gerettet werden. Möchte, dass sich die Welt um mich dreht und mir geholfen wird. Es ist doch so wichtig. Dabei vergesse ich immer, dass ich immer alles schon habe.

Auch wenn ich auch heute nichts mehr tun werde, so bin ich doch schon vorbereitet. Bei Vorträgen gelingt das mittlerweile ganz gut. Bei Quartalsterminen bei meinen wichtigsten Kunden noch nicht so ganz. Möchte nichts mehr beschönigen, nichts mehr verkaufen. Möchte sehen, was wir die letzten Monate gemacht haben, möchte stolz drauf sein können, weil es genau das ist, was wir tun konnten. Möchte noch besser verstehen, was wir alles getan haben.

Es soll aufhören, dass ich an meinen Ideen hänge, wie es hätte sein können. Dies sind meine wunden Punkte, meine Trigger, an denen die Emotionen entstehen. Mein Ärger, mein Sarkasmus, meine Bestimmtheit, meine Härte.

Es kam eine Geschichte meiner Kindheit hoch. Mein Vater wollte gegen Kiesklau vorgehen. Die Bauern im Dorf borgten sich am Tagesrand ihre Trekker mit Hänger, um sich Kies für ihre Auffahrten oder Anbauten zu klauen. Ein Klassiker im Osten. Ich erinnere mich, dass mein Vater hier ganz wichtig war, selbst eine saubere Weste zu haben. Er dürfe nicht mal ein Blatt Papier aus dem Büro mit nehmen, wenn er im Kampf gegen den Schwund eine Chance haben wolle. Vorbild sein. Keine Schwachpunkte haben.

Damit lass ich mich und Euch jetzt allein. Und verabschiede mich in den Morgen!

Wünsche Euch einen entspannteren Start in den Dienstag!

Wunsch und Wirklichkeit

Berlin, 6:35, Tag 946

Spät ins Bett, wild geträumt. Aber zeitig hoch, nicht müde. Zehre wohl noch vom Schlaf am Samstag. Ganz kurz aufs Dach, die letzten Reste gleich noch mit aus der Wohnung geräumt.

IMG_8746

Gestern vormittag wurde noch spannend, nach dem Ausflug über die Wolken am Morgen.

Habe mich lange mit einer Trennung beschäftigt. Wie konnte es dazu kommen? Es ging wieder um das Ende von Täuschung, um meine Enttäuschung. Die wichtigste Erkenntnis hierbei war, dass wir uns gerne als Opfer äußerer Umstände inszenieren. Die zweitwichtigste danach, dass wir gerne unsere Stärken betonen, aber unsere Schwächen nicht sehen wollen. Wenn beides zusammen kommt, dann können wir unseren eigenen Anteil am Geschehen, als Ergebnis unserer eigenen Handlungen nicht akzeptieren. Wir sind aber immer Täter und Opfer zugleich.

Dies ist manchmal eine schwer zu akzeptierende Einsicht. Es wäre schöner, wenn ich jemanden anders als mich selbst benennen könnte, der mir Anerkennung verwehrt, der meinen Handlungsspielraum einschränkt, mir Position und Titel verwehrt, ohne die ich mich mittel- und machtlos wähne. Wie soll ich damit umgehen, wenn doch klar ist, dass ich von anderen ungerecht behandelt werde?

Sicher kann ich kämpfen oder mich zurück ziehen. Ich kann in den Ärger, die Wut, den Frust gehen. Ich kann auch aufgeben, hinnehmen, aushalten.

Es gibt einen dritten Weg. Dieser dritte Weg, ist für mich der einzige, der nicht mehr Leid erzeugt, der mir einen echten Ausweg bietet. Dieser Weg endet nicht damit, was ich nun fühle oder tun kann, sondern er besteht darin, zu fragen: was – in mir – ist die Wurzel des momentanen Gefühls? Wo kommt es her, dass ich mich nicht anerkannt, nicht geliebt, nicht gewertschätzt fühle? Wo kommt es her, dass ich mich unverstanden, übergangen, ignoriert fühle?

Wenn ich mich hier nicht mit der ersten Antwort zufrieden geben, die meist im Aussen liegt, meist andere Menschen als Ursachen sehen möchte, sondern ich dann weiter frage, was ist die Wurzel des Ärgers auf diesen Menschen? Was ist die Ursache, dass dieser Mensch so gehandelt hat? Und was ist davon die Ursache?

Am Ende lande ich bei mir und meinen Taten. Und meiner Interpretation, meinen Vorstellungen und Wünschen zu diesen Taten. Ich kann beides klar erkennen, die eigentliche Handlung und danach meine Handlung der Interpretation des Geschehens.

Das ist das eigentlich Geschenk der Meditation. Denn das Ergebnis dieses Prozesses, ist Einsicht, die zu Gelassenheit führt. Mit dieser Gelassenheit wird es möglich, seine Kräfte ganz anders zu nutzen, zu bündeln und sie nicht mehr in Konflikten oder Sorgen zu verschwenden.

Das ist sehr befreiend, sehr friedvoll, sehr schön! Und es ist für mich tagtägliche Aufgabe! Diesen Zustand muss ich mir Tag für Tag neu erarbeiten. Jeder Morgen ein Reset. Jeder Tag eine neue Chance, eine neue Herausforderung, ein neues noch nicht da gewesenes Problem.

Mal schauen, was heute noch so alles passiert? Ich nehme es an!

Wünsch Euch einen gelassenen Start in die neue Woche.