Berlin, 11:05, Tag 964

Heute Nacht bin ich oft aufgewacht, auch die Kleeene erzählte morgens von ihrem Alptraum.

Die Morgenmeditation sehr konzentriert, schöne Übung diese Tage. Wenn auch meine Routine davor immer sehr zerfasert und unachtsam ist. Brauche einfach zu lange, ehe ich im Schwung bin.

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Heute ist wieder mal einer Tage, an denen ich nicht schreiben möchte. Das All Hands klingt noch nach. Gestern war noch sehr intensiv, sehr klar. Habe grade viele Ideen, bin gern in der Firma, rede gerne mit den Leuten, bin sanft, versuche Energie zu geben.

Ein paar Spiele funktionieren nicht mehr mit mir, und statt ärgerlich zu werden, suche ich nach anderen Wegen, anderen Lösungen und sehe den Ärger in mir nur, handle aber nicht unter seinem Einfluss. Das führt aber auch dazu, dass einige der altgedienten Kollegen sich anders orientieren, sich wieder einen Chef suchen wollen, mit dem sie ihre Spiele spielen können. Klingt jetzt vielleicht schräg, ist gar nicht so gemeint. Ist meine Perspektive, wenn alte Muster nicht mehr bedient werden und die neuen Muster anders sind, einen mehr auf sich selbst zurück werfen.

Ein Beispiel ist die Rettung! Also, die Herausforderungen und Probleme einfach gross und größer machen, in die Vergangenheit legen und ausserhalb der eigenen Kontrolle. Um sich dann von mir retten zu lassen. In dem man mir meinen Handlungsspielraum vorgibt und mich zwingen möchte, bestimmte Anweisungen zu erteilen oder auch Entscheidungen zu treffen, die gar nicht in meiner Kompetenz liegen, nur um meinen Handlungsspielraum weiter einzuschränken. So etwas kann sich endlos über Monate und Jahre hin ziehen. Bis einer aussteigt. Einfach weil es sehr anstrengend für alle Beteiligten ist.

Ein Ausweg für mich ist ja, einfach erst mal nur zu zuhören. Wirkliches Zuhören. Das ist zweischneidig, weil mal allein durch das Zuhören bestimmte Themen zur Realität der Firma werden lässt, die eigentlich nur in einem Kopf vorhanden ist, bis eben zum Zuhören.

Ein anderer Ausweg ist, sachliche, nachprüfbare Ergebnisse zu fordern und da nicht nach zu geben. Also ein: Ich kann nicht, weil der oder das nicht meinen Erwartungen entspricht… mit einem: kurzen, harten: Du schaffst das schon, Du findest schon einen Weg zu beantworten. Hier muss man aber sehr vorsichtig, bestimmt und klar sein. Sehr schnell kriegt man ein Todo mit, welches alles kippen lässt und mich dann verantwortlich macht, für das Nichtliefern.

Eine Unterstützung dafür ist es, den Aufgabenbereich stark einzuschränken und zu wechseln, was oft aus Sachzwängen nicht möglich scheint, aber früher oder später eh passieren muss.

Das alles geht nur, wenn ich nicht operativ involviert bin, wenn ich keine eigenen Aufgaben in dem jeweiligen Thema oder Projekt habe, ausser mir einen Status geben zu lassen.

Ich hab schon oft hier über die Hungergeister in uns geschrieben, die dafür verantwortlich sind, dass wir im Aussen, in Abkürzungen und bei anderen nach der Rettung für unser Leid und unsere Probleme suchen. Dabei überhöhen wir uns selbst zu den einzig wahren Engagierten, den einzig wahrhaft Leidenden, der Rettung und Unterstützung wirklich verdient hat.

Wenn die Rettung dann erfolgt, umspielt ein Lächeln das Gesicht. Das ist der Hungergeist, der das Essen sieht, es aber nicht annehmen, nicht verdauen kann.

Wenn ich da aus manchen Beziehung raus gehe, weniger Kontakt habe, eher anderen helfe, mit den Hungergeistern der Kollegen klar zu kommen, als es selbst zu tun und so mit der Zeit der Kreis der Retter immer kleiner wird, gehen sie.

Suchen sich wieder ein Umfeld, in dem man dankbar ist, für die vielen Probleme die nun endlich offensichtlich werden und der Rettung (Lösung) bedürfen.

Diesen Kreislauf des Leidens zu durchbrechen, im privaten Umfeld und auch in der Firma und bei Kunden, ist eine schöne tägliche Aufgabe und für mich eine starke Motivation.

Das ist alles noch relativ neu und frisch für mich. Intellektuell hatte ich das wohl schon eine ganze Weile verstanden, nur waren meine Gewohnheiten, meine Routinen, dieses Festhalten am Leid so stark, dass ich es zwar reflektieren, aber nicht ändern konnte.

Ein Disclaimer noch: wer sich beim lesen jetzt mies fühlen sollte, bitte kurz ein und ausatmen, und den Ärger durchlassen, loslassen. Es ist der Hungergeist in mir, der das schreibt und der sich mit dem Hungergeist in dir verbindet. Es geht mir darum, diesen Mechanismus für mich zu durchbrechen, zu beenden. Das hier ist nur ein Blog, nur ein Tagebuch meiner ganz persönlichen Gedanken und Gefühle.

Wünsch Euch irgendwie erleichtert einen schönen Freitag!

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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