Passiver Konsum

Berlin, 7:29, Tag 969

Heute Nacht gut geschlafen, wild geträumt, mit Gedanken an meine Süchte aufgewacht und unruhig meditiert. Eine kleine Erkenntnis kam hoch. Davor schon und auch danach nochmal stärker: die Verbindung meiner Neigung zu stofflichen Süchten und Facebook, Twitter, Spiegel Online und Tumblr. Werde heute mal auf Entzug gehen.

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Habe meine Homescreen auf dem iPhone schon umsortiert. Meine Bookmarks gelöscht. Bin keiner der sich abmeldet, warum auch? Die Werkzeuge sind nur Werkzeuge. Es kommt immer auf denjenigen an, der sie wofür benutzt. Die Umsortierung und Löschung dient nur als Hilfe zur Aufmerksamkeit.

Passives Konsumieren macht für mich den Unterschied zwischen Sucht und „normalem“ Leben aus.

Mein Lieblingscomedian Louis CK hat das mal wunderbar zusammengefasst in einem kleinen Stück über seine Süchte. Er würde niemals Drogen nehmen. Damit er dann, wenn er sie nimmt, richtig Spass daran hat. Sonst wären sie ja doch nur wieder ein weiteres Problem in seinem Leben. Und davon hat er ja schon genug.

Für mich finde ich viel Weisheit in diesen kurzen drei Minuten. Für mich ist es genau so. Wenn man Facebook & Co ständig benutzt, immer offen hat, immer wenn man einmal kurz nichts zu tun hat, darin passiv rumliest, ist es nur „another pain in the ass“. Ich lese und lese und merke nicht, was ich mir da antue, was ich aufnehme.

Am Morgen merke ich das noch am deutlichsten. Die Qualität meiner Meditation hängt sehr stark davon ab, was ich vorher tue. Wenn ich Facebook oder Spiegel lese, wird sie oberflächlich, zerfasert und einfach unruhiger. Wenn ich aber einen kurzen spirituellen Text von zB Thich Nhat Hanh lese, habe solche wohlüberlegten Worte eine ganz andere Wirkung.

Ich lese dann meist ein oder zwei Seiten aus Transformation at the Base. Heute morgen zufällig passend über unsere Wahrnehmungen. Die Buddhisten unterscheiden achtzehn Formen unserer Wahrnehmung. Unserer sechs Sinne (Augen, Ohren, Nase, Schmecken, Körper und Bewusstsein) haben jeweils direkte, dann konstruierte Wahrnehmungen und drittens reine Vorstellungen. Direkte Wahrnehmungen sind extrem selten in unserem Alltag. Wir leben in unseren Vorstellungen von den Dingen die uns umgeben, haben keinen Zugriff auf deren wahre Natur. Wir können nicht vollständig erfassen, was der Computer auf dem wir schreiben oder lesen wirklich ist.

Wenn ich mich mit solchen Gedanken dann hinsetze, gelingt es mir leichter, mich zu konzentrieren, und mich an das Wesen der Meditation zu erinnern.

Wünsch Euch irgendwie befreit einen schönen Mittwoch.

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