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Es tun oder nicht tun

Berlin, 8:17, Tag 972

Heute Nacht ausgeschlafen. Nun in voller Einsamkeit ins Büro. Ich weiss, was mich erwartet. Die Suche nach Motivation im Aussen wird nicht erfolgreich sein. Nur den Fokus auf die Aufgaben richten und dann den Widerstand aushalten, nicht wegflutschen die vielen möglichen Ablenkungen. Genau dafür bin ich hier geblieben.

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Es gibt keine Störungen von aussen heute. Das ist das Schöne am Wochenende. Der gesellschaftlich, kulturelle Deal, an diesen beiden Tagen nicht „zu Arbeiten“. Wenn ich diese Unterscheidung nicht mache, wenn ich mit dieser Konvention brechen möchte, dann muss ich aufhören, mein Sein, mein Tätig sein zu kategorisieren: in Arbeit und Nicht Arbeit.

Das war auch in dieser Woche bestimmend. Auch weil wir so oft zwischen guter oder schlechter Arbeit unterscheiden. Auch diese Unterscheidung wird uns oft vom Aussen aufgezwungen.

Hier allein, am Wochenende im Büro, gibt es niemanden, der die Unterscheidung braucht. Ich allein, brauche sie jedenfalls nicht. Es gibt hier nur Dinge zu tun, oder eben nicht.

Do or do not, there is no try. ~Joda

Erinnere ich einen der vielen weisen Sprüche des kleinen, grünen Jedi Ritters. Auch in diesem Spruch sehe ich für mich, dass es keine Unterscheidungen gibt. Alles hausgemacht, alles aus Unsicherheit und Angst geboren, sich verorten, sich bewerten zu müssen, um Halt zu finden in dieser unsicheren, sich ständig verändernden Umwelt.

Seit dem letzten All Hands bei uns, fallen mir immer wieder kleine Sequenzen aus meiner Vergangenheit im Kuhstall ein. Erinnerungsfetzen an das allmorgendliche Gefühl, einen unüberwindbaren, riesigen Berg an Arbeit vor sich zu haben. Das Futter hinterm Stall, die lange Reihe an hungrigen Kühen. An den vielen Dreck unter und hinter ihnen, der uns jeden morgen wieder frisch stinkend begrüßte. An den gähnend leeren Hänger, der mit Säcken zu füllen ist. An den dunklen leeren Tank, der mit heller glänzender Milch zu füllen ist.

Bilder nur, unscharfe, farblose Bilder aus meiner Erinnerung.

Und wenn wir anfingen, spürte ich die Unruhe der Kühe, das Klappern und Schnaufen und Kratzen, das langsam anschwillt, bis die Hälfte geschafft ist. Und dann wieder langsam leiser und leiser wird, bis dann auch die letzte der Reihe satt und versorgt ist. Dann dampft alles. Das Futter, das Fell, der frisch gefegte Boden. Und das knisternd helle Stroh auf dem Boden dämpft alle Geräusche, so lange bis es nach Stunden wieder dunkel und voll ist.

Nach dem Ausmisten, ist vor dem Ausmisten.

Wünsch Euch einen schönen ruhigen Samstag!

  1. Danke für die Ermutigung! Auch ich sitze hier am Samstagmorgen am Schreibtisch und schreibe an meinem Artikel über das Erstarken der Zivilgesellschaft. Was wichtig ist, kennt kein Wochenende! Nach dem Schreiben ist vor dem Schreiben! Habt ein gutes erholsames oder auch produktives Wochenende!

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    17. Oktober 2015

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