Alles Vorhanden

Berlin, 7:35, Tag 1038

Wilder Traum nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen. In Berlin in einem Auto lag ein nacktes Pärchen. Ich laufe zufällig vorbei und kann nicht widerstehen ein paar Fotos zu machen. Was für ein Scoop. Zwei Nonnen kommen dazu und bedecken die schlafenden Partygänger. Ich überlege schon die Titel und Beschreibungen der Fotos, wenn ich sie denn posten sollte. Irgendwas mit keiner BVG und weil wir dich lieben. Dann wird es schräg, die beiden wachen auf und scheinen gestrandet. Ich spüre die Verwirrung, die Scham und kann nichts posten. Das iPhone mit dem Bilderschatz glüht in meiner Hand und ich entscheide wirklich, das nicht zu posten. Wir besichtigen zusammen eine Wohnung für die sie sich interessieren, meine Wohnung. Sie schauen sich um, stellen Fragen zu Nachbarn, zur Internetanbindung. Ich fühle mich sehr alt, weil ich den Fernseher und die Kabelkanäle erkläre. Und wache zum zweiten Mal auf, stehe jetzt aber wirklich auf und setze mich rüber ins Büro.

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Der letzte Tag hier vor Weihnachten. Werde noch ein wenig aufräumen, spüre eine leichte Angst, eher eine ganz leichte Unruhe. Was wird kommen? Was wird passieren? Immer, wenn ich nach vorne schaue, kann ich diese Unruhe spüren, es ist die Mischung aus Neugier, Vorfreude und Spannung. Aber wenn ich nicht nach vorn, sondern zurück schaue, dann kommt zuerst etwas Stolz, dann Freude wunderbar gemischt mit leichter Trauer und Scham auf. Auch hier ist es die Aufmerksamkeit, die das Sehen dieser vorbei rauschenden Gefühle ermöglicht. Und es immer sind unsere Gewohnheiten, die unser Sehen beeinträchtigen.

Nun aber ab in den Moment. Zurück zum Hier und Jetzt. Ich hab so ein Glück, so viele Ressourcen, bin gesund, hab unendliche Möglichkeiten und fühle eine grosse Dankbarkeit. Eine riesengrosse Dankbarkeit, die alles überflutet. Puhhh! Das ist es! Unser Sehen können wir benutzen, um uns nach vorn oder zurück zu beamen, um unsere Schwächen, unsere Fehler, unser Scheitern anzuschauen, die Gründe liegen doch immer wieder in unseren Gewohnheiten, in den Ritualen, im scheinbaren Wissen. Ich möchte mein Sehen benutzen, um jetzt und hier dankbar und freundlich mit all dem Vorhandenen umzugehen. Ich möchte weniger wissen, weniger werten, weniger urteilen, weniger trennen, weniger unterscheiden. Mehr von etwas brauche ich nicht. Es ist immer schon alles vorhanden, immer.

Wünsch Euch einen ruhigen, angenehmen Tag vor Weihnachten.

 

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