Neue Gelassenheit

Istanbul, 7:52, Tag 1045

Nach einem langen Tag wieder ausgeschlafen, sehr schön. Ruhiger Start und zusammen mit der Tochter meditiert, die nicht mehr schlafen konnte oder wollte. Das Jucken an der Nase, ein leichter Schnupfen und die Unruhe, nicht zu wissen, wann der Gong gongt, waren die zu meisternden Herausforderungen.

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Gestern waren wir auf einem Istanbuler Möchtegernweihnachtsmarkt im Zorlu Center. Er kam mir vor, wie der Versuch einer Kopie, fehl am Platz, nicht passend, für Touristen gemacht. Dazu kam das Wetter, ein regnerischer Dienstag, so war es sehr leer. In den Ständen frierend, gelangweilte, Tee schlürfende Smartphonenutzer. Ein DJ spielte keine Weihnachtsmusik. Eine Blaskapelle mit Schlagzeugschwerpunkt, spielte nach einem Weihnachstsong, einfach ihr Partymusikreportoire. Festliche Stimmung a la Center Management.

Wir sind einmal quer durch die Stadt zu Sedas Uni gefahren, den Baufortschritt überall bestaunend. Zurück am 2h Stau auf dem Standstreifen vorbei gefahren. Das kann nur sie! Ich hatte die meiste Zeit die Augen zu oder atmete ganz konzentriert. Es regte mich kaum auf, das ist neu. Diese Gelassenheit kenne ich von mir sonst gar nicht.

Diese neue Gelassenheit geht damit einher, dass ich weniger Impulse, weniger Entschlossenheit spüre. Ich bin auch gelassener mit mir, habe weniger Regeln für mich selbst. Nehme mal die Treppe und mal den Lift. Es fällt mir schwer, mich nicht so sehr unter Druck zu setzen, sondern einfach mal laufen zu lassen. Nicht dass es mir schwer fällt, aber die mitlaufende Wertung im Kopf, Wertung mit T, sorgt dafür, dass ich mir manchmal Ventile suche, etwas zickiger, oder wie ich es nenne, ironisch-sarkastischer bin, als gut tut. Ich hab hier schon ein paar Versuche gemacht, alleine den Touristen zu spielen, durch die Altstadt zu laufen, mit der Kamera und meine Neugier zu finden. Kann mich aber oft nicht aufraffen, überlassen dann den Tag doch wieder der Familie. Das fühlt sich anders, komisch an. Sonst gab es immer Kampf ums Programm. Wenn ich abwarte und mitmache, gibt es keinen Kampf im Aussen mehr, nur noch in mir drinnen. Den Moment so nehmen, wie er ist. Achtsam, aufmerksam, nicht wertend, nicht kämpfend. Das übe ich wohl grade!

So, mit diesen paar Gedanken verabschiede ich mich von Euch und wünsch Euch einen schönen vorletzten Tag in 2015.

 

 

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