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Schwarze Löcher

Berlin, 10:39, Tag 1059

Heute Nacht wieder unruhig geschlafen, der Abend war es schon, danach die Nacht nicht besser. Der Tag heute zerrissen, bin grad etwas aus’m Takt.

Aber gestern hab ich die Vorfreude beendet und Max, den II. abgeholt. Das war sehr aufregend und der erste Ausritt auch etwas spannend. Ist nix passiert. Warum es wohl gerade regnen muss, wenn man schon so ein seltenes Erlebnis hat? Na, ihr ahnt es vielleicht: is’n Engländer geworden, da muss es einfach regnen! 😉

IMG_0483.jpg

Woran ich mich gestern morgen noch erinnert hab, ist der Hungergeist in uns allen, das schwarze Loch, wie ich es machmal auch nenne.

Diese Ecke aus der unser Verlangen, unsere Gier, unsere Unzufriedenheit kriecht und die uns, wenn wir das nicht reflektieren, immer noch mehr wollen lassen will. Es soll nicht regnen, bei der Auslieferung! Ich will keinen Stress, weniger Stress. Ich will glücklich sein. Ich will nicht ignoriert werden. Ich will, ich will, ich will. Oft sage ich, dass es unser Ego ist, was das macht. Aber hinter dem Ego steckt bei manchen eben ein grosses schwarzes Loch, das alles, was man rein wirft, verzehrt, aufnimmt und verschwinden lässt. Egal, wieviel Aufmerksamkeit, wieviel schöne Dinge auch da sind, sie verschwinden hinter dem Ereignishorizont auf nimmer wieder sehen. Die Masse wird immer schwerer und je schwerer sie wird, umso grösser wird die Anziehungskraft, umso mehr verschwinden die schönen Dinge aus unserem Leben. Und wir sehen nur noch, was wir nicht haben und wollen. Und wir sehen, was wir alles haben und nicht wollen.

Das Problem, welches ich habe, ist das Sehen solcher Verhaltensweisen, dieser Hungergeister und dass diese durch das Sehen, erst mal stärker werden, dass ich mich selbst und andere werte, durch diese scheinbare Erkenntnis. Würde ich mir diese Gedanken nicht machen, würde ich nicht nach dem warum mancher Aktionen fragen, würde ich nicht ihren destruktiven Charakter, ihre negativen Folgen ahnen, sondern es einfach ignorieren, stehen lassen, wegschauen können… ja, manchmal denke ich, dass es mir dann besser gehen würde.

Ich aber sehe einen Hungergeist in mir, ich versuche ihm nicht nachzugeben, ihn nicht stärker werden lassen. Die meiste Zeit zumindest. Ich versuche zu erkennen, wenn er die Kontrolle übernehmen will. Ich versuche dann, zu atmen, nicht in Aktion zu gehen, zu warten, bis der Anfall vor rüber ist. Das gelingt sogar recht oft und immer besser. Oft aber auch nicht. Wenn ich das bei anderen sehe, versuche ich sie zu retten, zu schützen, aufzuklären, ihre Widerstandskraft zu stärken. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Gruppen. Einmal die, die auch wissen, was ich meine, wenn ich von Hungergeist oder schwarzem Loch oder den drei Giften in der ein oder anderen Form spreche. Und die, die es nicht wissen, nicht merken, nicht wahr haben wollen.

Mit beiden fällt mir der Umgang nicht leicht, eben weil sie auch das schwarze Loch in mich aktivieren und wenn ich nicht achtsam, nicht bei mir, nicht für mich gesorgt habe, nicht stark bin, dann jammern wir gemeinsam, wie schwer das Leben eben manchmal ist.

Diese Löcher können der Grund unserer Angst, unserer Wut, unseres Jähzorns, unseres Frustes sein, unserer Langeweile, unserer Ungeduld, unserer Ignoranz sein. Früher hat mich das alles nicht interessiert. Lass uns ein Glas Wein zusammen trinken und darüber sprechen. Komm, ist alles nicht so schlimm. Heute kriege ich das nicht mehr so gedämpft, ab uns zu probiere ich es noch, nehme eine Auszeit und wache umso ernüchterter wieder auf.

Das klingt jetzt nach Jammern, ich weiss. Fühl mich dabei gar nicht soo jammerig. Es geht mir gut, hab alles, bin halbwegs gesund, tolle Familie, tolle Firma, viel zu tun, neues Auto, die Sonne scheint hinter den Regenwolken, meine Augen sehen, mein Ohren hören, mein Mund schmeckt, meine Nase rieht, meine Haut fühle, ich bin am Leben, was will ich mehr? Geh rein, in das was ich habe, mach das grösser, sehe es, geniesse es, beachte es, bedanke mich, freue mich, lächle mich an. Lächle all den Macken und all den dunklen Gedanken zu und weine all dem Zeug, welches in meinem schwarzen Loch schon verschwunden ist, keine Träne nach, sondern schick auch da ein Lächeln hinterher.

So, das musste raus, wenn auch etwas spät. Wünsch Euch noch nen schicken Abend voller Achtsamkeit.

 

 

  1. und Du weisst, dass Du immer das bekommst, was Du nicht willst ?
    Liebe Grüsse zentao

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    13. Januar 2016
  2. Das, wonach wir suchen ist durch suchen nicht zu finden,
    und dennoch finden es nur Sucher… 😉

    Gefällt mir

    14. Januar 2016

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