Berlin, 6:17, Tag 1062

Heute Nacht wieder schräg geträumt, extrem schräg. Ich verschone Euch mit Details, einfach weil ich diese nach meiner Morgenroutine schon vergessen habe. Gestern morgen wars schön eisig. Bin früh durch den Kiez gelaufen und hab die Kälte sehr genossen, deshalb hier ein Bild zur Erinnerung.

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Eben eine Runde im Neuen durch Berlin. Kaffee und Marzipancroissant dazu. Aber nicht krümeln und bitte auch nicht kleckern! Ich glaub, der Blog hat jetzt endlich ein Geheimnis. Puhh! An dem einen Foto letztens kann nur der Superexperte erkennen, was es ist und sonst muss man mich schon kennen. Bin völlig begeistert.

Dann hab ich zu Fuss warme Schrippen vom Bäcker mit Brezel und Kakao für die Damen geholt. Musik an. Mir ein Ei gekocht: Schrippe, Butter, Salz, Ei. Dazu durch die Küche tanzen. Ein schöner Morgen. Jetzt Tee und hier zu Ende schreiben und dann zweites Frühstück vorbereiten.

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Gestern haben mich meine Süchte wieder sehr beschäftigt. Muss jetzt hier noch raus und hin geschrieben werden.

So sehr ich doch die Freiheit liebe, immer wieder komme ich an Momente, in denen ich nicht entscheiden kann, sondern es mich entscheidet.

Lange waren es Zigaretten und Alkohol, die ich unbeschwert und nebenbei, nicht wichtig, nicht schlimm konsumiert habe. Alkohol ging zeitig los, schon mit 16 im Internat. Später allein in Ostfriesland eher nicht, aber dann im ersten richtigen Job mit Rotwein etwa 99 fing es wieder an, Ende 20 war ich. Ab Mitte 20 auch Zigaretten, in der WG in Halle. Erst F6 wie Daddy, dann Luckies, später Marlboro. Um genauer zu sein, ob ich das doof fand oder mir viele Gedanken gemacht habe, kann ich einfach nicht mehr erinnern.

Ende 30 dann drei heftige Jahre. Diese endeten 2008/9 mit Martins Tod und der Entdeckung von echter Transformation durch Meditation. Seit dem nur wenige, kurze Rückfälle. Sie gehören für mich dazu, dienen der Selbstvergewisserung. Ich versuche, es und mich nicht zu beurteilen, nicht zu verurteilen. Auch weil ein Rückfall grade wieder zu Ende geht. Ich hatte seit dem Sommer ab und zu wieder Zigaretten geraucht, es so gut es ging versteckt in meinem Umfeld, manchmal nicht, manchmal doch, manchmal geraucht, manchmal auch nicht. Seit ein paar Tagen rauche ich wieder nicht mehr.

Und nun beschäftigt mich diese Dynamik, diese Gewohnheit, dieser Zwang wieder im Blick zurück wieder sehr. Die Erinnerung ist frisch. Der Ausweg im ersten Schritt ist bei mir immer Achtsamkeit. Merken, was man da tut. Es sich genau anschauen. Sich genau nicht ablenken, beim ablenken. Sondern alle Details realisieren. Die Veränderungen, die Gerüche, die Geschmäcker, die Gefühle, das Kribbeln, die Unruhe. Einfach alles. Erst mal feststellen, nicht wegdrücken. Dann Gelegenheiten suchen zur Veränderung. Am besten über kurzen Kontextwechsel. Es ist ja immer nur eine Entscheidung nötig. Wenn man es selbst nicht schafft, hilft das Leben nach. Ganz bestimmt. Immer. Wir müssen es nur sehen wollen, das Drama, die Ankündigung, das Auswirkung, den Zusammenhang.

Wenn ich dann entschieden bin, dann gibts schnelle, kurze Autoagressionen, später Ärger über mich und Andere. Zickigkeit, dann Rückzug, Neusortierung. Lange ist ein schlechtes Gewissen mein Begleiter. Die Sucht ist noch da, führt aber nicht mehr zum Nachgeben, sondern zu Widerstand. Und wo Widerstand ist, da ist Wachstum.

Es gibt dann ganz schnell, immer mehr neue Freude, neue Klarheit, mehr Ruhe, viel mehr Bewusstheit, ab und zu Sanftheit, viel mehr Lächeln, viel mehr Liebe. Das ist gut, das ist die Belohnung. Als ob es auf einem neuen Niveau weiter geht, anders.

Aber alles zusammen, alles gemischt, das gute und das nicht so gute.

Es deutet sich neuer Sinn in der Arbeit, einfach mehr Freude am Sein, wieder mehr Spass an Projekten, und mehr Aufmerksamkeit für alles, was man so tut, an.  Es wird wieder mehr möglich.

Das geht für viele sicher auch mit Wein und Zigarre. Für manche, ab und zu. Doch nicht für mich. Mich nimmt das ein. Mein gesamtes Denken verändert sich. So sehr, so stark. Ich merke sehr schnell, so möchte ich nicht leben. Doch gleichzeitig zieht mich dieses Leben doch so sehr an, bin es so gewohnt und es scheint alles so einfach.

Dieses Innehalten beim Heben des Glases, dieses Innehalten beim ersten Zug am Morgen, dieser Rausch beim Spiel, dieser Fokus beim schnellen Sport, dieses sich am Leben fühlen. Das Leben fühlen. Darum geht es wohl. Das Leben herausfordern. Sich selbst herausfordern. Das Warten ist so oft nicht auszuhalten. Und Spielen, Arbeiten, Hobbies, Essen, Trinken, wasauchimmer, kann und wird von uns benutzt werden, um raus aus der Wirklichkeit, raus aus dem aktuellen Moment zu flüchten, weg von uns selbst zu rennen und gleichzeitig etwas zu fühlen!

Das zu erkennen, schmerzt mich. Es ist nicht sehen, strengt mich an. Genau das halte ich nicht aus und suche nach einem Weg, nach meinem Weg. Für mich gibt es da keinen Unterschied.

Die Regeln der Gesellschaft helfen dabei nicht. Weil es niemand wirklich blickt und die Kraft zu haben scheint, dieses Riesensystem zu ändern. Pillen sind legal und killen mehr, als jede illegale Droge, keinen scheint’s zu jucken. Alkohol und Kippen sind legal und killen mehr, als jede illegale Droge, keinen scheint’s zu jucken. Wir verfolgen, bestrafen. Statt aufzuklären, drohen wir. Mit dem Thema kann man keine Wahlen gewinnen. So viele abgestumpft und müde.

Wir essen Junk, wir arbeiten zu viel, schlafen zu wenig, wir opfern uns für andere, wir hängen fest in unsern Denkmustern, haben Angst vorm Fremden, vorm Anderen. Auch das kann Flucht, auch das kann Sucht sein, auch das kann der Selbstversicherung dienen, dieses Fühlen wollen, am Leben zu sein. Alles hängt ja immer mit allem zusammen.

Worte helfen nicht weiter. Nun bin ich still.

Now be silent.
Let the One who creates the words speak.
He made the door.
He made the lock.
He also made the key.

~Rumi

Musik an. Weiter Tanzen. Guter Morgen!

 

Veröffentlicht von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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