Berlin, 6:22, Tag 1086

Heute Nacht gut geschlafen, mitten in einem Traum erwacht, den ich schnell vergessen habe. Ein weiteres Bild von gestern. Hier ist es noch dunkel.

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Nach einer Empfehlung von hier, habe ich gestern einen Text über Open Source Software Entwicklung nebenbei gelesen: The Cathedral and the Bazaar von Eric Steven Raymond. Ein Standardwerk, das Wolfgang seit 20 Jahren inspiriert.

Diese Beschreibung motivierte mich. Habe mir Notizen gemacht.

5. When you lose interest in a program, your last  to it is to hand it off to a competent successor.

Oder

I’m basically a very lazy person who likes to get credit for things other people actually do.
too lazy to fail
constructive laziness

Oder

Non–source-aware users tend to report only surface symptoms; they take their environment for granted, so they (a) omit critical background data, and (b) seldom include a reliable recipe for reproducing the bug.

The underlying problem here is a mismatch between the tester’s and the developer’s mental models of the program: the tester, on the outside looking in, and the developer on the inside looking out. In closed-source development they’re both stuck in these roles, and tend to talk past each other and find each other deeply frustrating.

Oder

9. Smart data structures and dumb code works a lot better than the other way around.

Alle vier Themen finde ich auch in meiner Arbeit wieder.

Das erste betrifft ein aktuelles Projekt, eine Entscheidung, die ich treffen möchte. Habe ich das Interesse verloren? Nein. Das macht die Entscheidung so schwer.

Das zweite ist ein Grundsatz, den ich schon lange in mir trage. Faule Entwickler sind die besten Entwickler, ist einer der Sprüche, die ich seit vielen Jahren mit mir rumtragen. Ich meine nicht Trägheit. Es geht um konstruktive Faulheit. Diese Faulheit resultiert in einer Suche nach dem einfachen Weg, der eleganten Lösung. Einfach weil sich nicht sein ganzes Leben mit dem Support dieser einen Lösung beschäftigen möchte, was man müsste, würde man es nicht richtig machen. Quick wins oder Shortcuts holen einen immer wieder ein, schneller und heftiger, als man es sich wünscht. Seine eigene Faulheit anzuerkennen und in die richtige Richtung zu lenken, in gute Lösungen, das ist ein Weg.

Das dritte betrifft die Kommunikation mit Entwicklern, wenn man – wie ich – selbst nicht mehr aktiv entwickelt. Wenn man nicht im Wald steht, umgeben von Bäumen, sondern davor. Es ist eigentlich eine Binsenweisheit, die für viele Konflikte in meinem Leben, in meiner Organisation, verantwortlich ist. Die Übersetzung, die nötig ist, um diese Konflikte zu lösen, ist mit ein Grund für die Existenz von mtc. Tier oder Pflanze habe ich das hier vor ein paar Monaten mal genannt, um nur die Konflikte zwischen Supporter und Entwickler mal aufzugreifen. Mit den Benutzer oder Kunden ist das nochmal eine Spur interessanter.

Der letzte Punkt betrifft Coding Richtlinien. Das Thema kommt in dem Text noch ab und zu anders dargestellt vor: schlanke und konstante Schnittstellen, kein Code ist guter Code, sind zwei Sprüche meines Partners Gunnar, die mir dazu fast immer wieder einfallen.

„Simplicity is the ultimate sophistication.“ wird Leonardo da Vinci zugeschrieben. Das fällt vielen von uns sooo schwer. Die Schönheit der einfachen Lösung zu erkennen, sich daran zu erfreuen, sie als Ziel zu haben. Das setzt voraus, dass wir die Ursache, den Grund des eigentlichen Problems, das es zu lösen gilt, erfassen. Es scheint so viel einfacher, sich in einem Wald zu verlieren und Schritt für Schritt mehr Bäume zu pflanzen.

Die Verbindung dieser Lektüre mit meinem Umfeld, meiner Arbeit, meinem Denken war gestern sehr spannend und anregend.

Es gab eine zweite Inspiration, die mich gestern stark beschäftigt hat. Der von meinem Freund Tony mir empfohlene Film: Jiro dreams of Sushi. Es gibt so viele Parallelen, die ich entdeckte habe, und so viel Widerstand gegen diese Parallelen. Gutes Handwerk, die Suche nach Perfektion, die Erkenntnis, dass man sie niemals erreichen wird. Der klare Wille, die klare Entscheidung, es jeden Tag neu zu versuchen, auch wenn es doch aussichtslos ist. Ist das Härte zu sich selbst? Oder Kampf? Ja und Nein. Die Tiefe dieser Einstellung zum Leben ist mit dualem Denken nicht zu erfassen. Die japanische Kultur scheint solche Phänomene vielleicht zu erleichtern, oder stärker zu würdigen, als unsere europäische Kultur und Geschichte, die sich eher Helden wünscht.

Und die Verbindung dieser beiden Inspirationen für heute zu entdecken und zu zu lassen, dass wird meine nächste Aufgabe sein. Falls ihr den Text gelesen und den Film gesehen habt, wäre ich gespannt, welche Ideen ihr da habt.

Wünsch Euch einen achtsamen Mittwoch.

Verfasst von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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