Istanbul, Tag 1127

Heute gut geschlafen. Ich freu mich grad immer auf den Schlaf und das Aufstehen am Morgen. Gestern waren wir am Nachmittag Essen in Asien mit Freunden, das Wetter hat schon 20 Grad. Der Verkehr hielt sich in Grenzen. Davor und danach gab es intensive Arbeit. Wieder viele Emotionen und etwas Ärger ab und zu. Kriege ich noch nicht hin ohne. Arbeite ich aber dran. Jeden Tag.

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Kognitive Dissonanz ist auch das Ergebnis von Spezialistentum. Man glaubt etwas wirklich fest, man glaubt zu wissen, man glaubt es wirklich richtig zu machen. Die Wirklichkeit kommt einem dazwischen. Zing. Dissonanz.

Ich bin ein Spezialist im Ärgern. Seit vielen Jahrzehnten übe ich, mich über etwas zu ärgern, um damit genügend Energie zu finden, es zu ändern. Mich motiviert Ärger. Dafür werte ich die Aktionen anderer in Sekundenbruchteilen. Und ebensoschnell gleiche ich meine Erwartungen an andere mit der Realität ab. Dann rationalisiere ich meinen Ärger. Ich gebe Ratschläge, Hinweise. Ich helfe sogar, aus diesen Gründen. Weil ich meine zu wissen, wie etwas richtig, besser, gut zu machen ist. Und weil es mich ärgert, wenn jemand unter seinem Potential bleibt, wenn jemand etwas tut, was ihm oder anderen nicht gut tut. Wenn ich mich ärgere, bin ich am Leben. Wenn ich mich nicht ärgere, dann verschwende ich mein Leben. Das ist einer meiner eingebrannten Glaubenssätze. Ich glaube aber auch daran, dass ich mich für meinen Ärger selbst entscheide. Dass mein Ärger in mir liegt. Zing. Dissonanz.

Wenn mir nun noch jemand zu beweisen versucht, dass es andere Wege gibt, ausser den des Ärgers, dann ärgere ich mich sofort über denjenigen. Wenn ich merke, wie sehr mein Ärger andere und mich demotiviert, dann ärgere ich mich über mich. Das ist kein schöner Zustand, in dem mir diese unterschiedlichen Realitäten klar und bewusst werden und ich sie einfach nicht auflösen kann.

Aber ich suche. Ich suche in diesem Zustand nach der Kraft, meinen Glauben an den Ärger los zu lassen, um mein Verhalten dauerhaft zu ändern. Mit Rückfällen gelingt das immer mehr. Der Trick geht wieder über Aufmerksamkeit. Wenn wir darauf achten, was wir da tun; es nicht wegschieben, wegdrücken, unterdrücken, sondern aushalten dass wir so fehlerhaft und schrecklich sind und auch diese Wertung irgendwann loslassen, dann gibt es die Chance für wirkliche Entwicklung, für wirkliche Freiheit.

Ärgere dich nicht, sei frei.

 

 

Verfasst von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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