Berlin, Tag 1143

Ausgeschlafen, zeitig hoch, Frühstück und dann auf zum Reiten. Heute Doppelstunde.

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Hat richtig Spass gemacht. Hab ganz in Ruhe das Pferd fertig gemacht. Die sind jetzt so staubig, noch mit Winterfell, kriegt man kaum sauber ohne feuchtes Handtuch.

Dann im Schritt konnte ich alle Gleichgewichtsübungen fast ohne Anweisung der Trainerin machen. Hab einfach angefangen, alle Übungen, an die ich mich erinnerte von alleine abzuspulen. Apfel pflücken, Hände schräg hoch, dabei Oberkörper – nicht die Hüfte – drehen, als ob man einen Hechtsprung vom Pferd machen will, vorne rechts links, vorne überkreuz, hinten rechts links abklopfen. Pferd umarmen. Und dann auf ausdrücklichen Wunsch der Trainerin, das früher (pah! vor 4 Wochen;) sehr unangenehme, Bein übern Hals in den Damensitz und dann wieder versuchen, die Hände überall hin zu kriegen, nur nicht an den Hilfsgurt.

Das ganze dann nochmal wiederholt im Trab. Also nicht im Damensitz, aber ohne in den Bügeln zu sein. Dafür als Hilfe vorher noch ein Rekalibrieren des Gleichgewichtssinns: zehn mal die Augen erst im Uhrzeigersinn viertel, halb, dreiviertel, um kreisen lassen. Dann entgegen dem Uhrzeigersinn wieder zehn mal. Hammer, was das ausmacht. Ist so, als ob in einem ein Schwungrad angestellt worden ist und man nun überhaupt nicht mehr runterfallen kann, so rein physikalisch gesehen. Das Ding merk ich mir! Muss ja auch bei der Drohne den Kompass ständig neu kalibrieren: mit einem Drohnentanz. Das das bei mir selbst auch geht, tss!🙂

Noch ein schicke Übung war die Dehnung meiner Hals und Nackenmuskeln: erst mal rechts und links schauen, wie weit das Blickfeld ist und den Punkt merken, den man grade so sehen kann. Dann die, Hand vors Auge heben, am Handgelenk locker runterklappen lassen, das Handgelenk anschauen und erst mit der Hand langsam rechts und links drehen, so weit man eben kommt und dann seitenverkehrt nochmal, Hand nach rechts und die Augen links. Alles zehn mal. Wenn man danach nochmal versucht, weit nach rechts und links zu schauen, geht das etwa ne viertel Drehung weiter. Unglaublich, wie weit sich so ein alter Nacken noch drehen kann.

Danach letzter Akt im leichten Trab und dabei dann wieder ein magischer Moment: ich glaub, ich war total eins mit dem Pferd, voll im Takt. Ich konnte im leichten Trab im Rhythmus des Laufens des Pferdes, vorne, hinten, oben, überall abklopfen in zwei verschiedenen Geschwindigkeiten, ganz schnell also immer wenn ich oben und unten war, oder hinten abklopfen, wenn ich oben war, vorne abklopfen, wenn ich unten war. Das aber sowas von mühelos, dass es mich so richtig breit grinste.

Danach durfte ich zur Belohnung wieder ein paar Runde alleine durch die Halle, diesmal die Zügel im Westerngriff nur in der rechten Hand, um zu sehen und zu lernen, wie man ein Pferd über die jeweilige Aussenseite lenkt.

Man zieht nämlich nicht am rechten Zügel, wenn man rechts abbiegen will. Das weiss ich jetzt. Das denken nur Anfänger und machen die armen Pferde damit kaputt und wundern sich, warum die bockig sind. Viel, viel natürlicher ist es, wenn man den äusseren Zügel „anlegt“ und den inneren Zügel locker lässt. Also beim Rechts abbiegen, den linken Zügel nach rechts ziehen, und den rechten Zügel einfach locker lassen. Dabei noch den äusseren Unterschenkel mit nach hinten ziehen, passierte bei mir heute ganz natürlich. Und so drückt eine Wand aus Zügel, der am Hals anliegt, und Unterschenkel das Pferd in die gewünschte Richtung. Hah!

Es war das erste mal in meinem kurzen Reiterleben, dass sich ein Abbiegen natürlich und richtig angefühlt hat. Damit war das ein richtiges Motivationstraining heute. Und ich freu mich dermassen auf das, was da noch kommt.

Wird ja sicher nicht weniger anstrengend oder leichter, aber die Belohnungen durch solche Gänsehaut- oder Aha Momente ab und zu machen aber jeden Schweisstropfen, Muskelkater und Unsicherheit mehr als wett.

Ob ich nun schon diesen Sommer, oder erst nächsten oder übernächsten zu meinem Traum eines freien Ausrittes im Galopp über die Wiesen komme, völlig egal. Aber dass ich da jetzt weiter dran arbeite und dran bleibe, das habe ich ich heute ganz klar bemerkt.

Dabei schlepp ich seit gestern sogar eine leichte Erkältung mit mir rum, aber die merk ich eigentlich nur im Bett, oder wenn ich zur Ruhe komme. Auch spannend, wie man sich gesund fühlt – wenn man Spass hat, etwas macht, etwas liebt, ein Ziel hat.

Hui, ist jetzt fast ein Tschakka Post geworden. Wer weiss, was da für Drogen da beim Reiten ausgeschüttet werden. Sind Endorphine, glaub ich, die machen sowas wohl.

Also, bei Erkältung empfehle ich ne Reitstunde bei Carola, Endorphine, statt Aspirin Complex mit Ephedrine. Hilft viel besser!🙂

Verfasst von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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