Meine drei ehernen Grundsätze im Privatleben

Bin versucht, natürlich nicht das zu tun, was ich angekündigt habe. Der Morgen ist ruhig und ich bin nachdenklich. Heute möchte ich gerne ein Tagebuch nur für mich schreiben.

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Ich erkenne Muster in meiner Kommunikation, die Leid erzeugen. Möchte verändern. Weiss nicht wie. Bin ungeduldig. Abgrenzung und Selbstbehauptung oder Verbundenheit und Hingabe. Bin ich soweit?

Genau das bringt mich nun doch zu meinen persönlichen Grundsätzen:

#1 Nicht Wissen
Bin versucht, nachzuschauen. Habe schon Vorträge darüber gehalten. Habe schon Listen geführt. Habe hier sicher schon darüber geschrieben. Wir denken, also sind wir. Unsere Gedanken sind Erinnerungen. Wir haben Erfahrungen gemacht. Wir haben gelebt. Uns wurde beigebracht, wir haben erlebt. Wir meinen, zu wissen. Wir glauben, zu kennen. Wir erkennen wieder, wir vergleichen permanent unsere Wahrnehmungen, mit unseren Erinnerungen, versuchen zu interpretieren, wollen verstehen. Wir brauchen Label, Zuordnungen aus unseren Erinnerungen, sonst fühlen wir uns verloren. Wir verwechseln uns. Wir spiegeln uns. Wir unterscheiden und werten ständig.

Und bauen uns so unser eigenes Gedankengefängnis.

Immer wieder und jeden Moment. Die Tür zum Gefängnis steht offen, doch wir wissen, wir erinnern uns nicht.

Der Beginners Mind, der Anfängergeist ist der Ausweg. Wenn wir anerkennen, dass wir nichts wissen, nicht fix, nichts ewig ist, erst dann können wir wirklich lernen.  Meine erste Grundregel lautet daher: nicht zu wissen!

Wie ein Baby, das laufen lernt. Das braucht Erfahrungen, keine Erinnerungen ans Laufen. Es braucht auch keine Lauflernschulen, keinen Laufkurs, keine Laufuniversität. Es steht ohne zu wissen einfach auf und fällt wieder hin. Sagt dann nicht: Siehst Du, laufen kann ich nicht, es ist bewiesen. Nein, es steht einfach wieder auf, fällt wieder hin und probiert es immer weiter. Es tut das, was nötig ist, um Laufen zu lernen, von ganz allein.

Wenn wir es schaffen würden, dem Leben ab und zu genau so, wie wir Laufen lernten zu begegnen… ohjaaaa, alles, aber auch alles wäre so was von gut! Das es geht, ist bewiesen, noch jeder hat Laufen gelernt, denn es liegt in unserer Natur.

#2 Keine Abkürzungen
Der zweite Grundsatz begleitet mich auch schon sehr lange. Bleibe ich mal im letzten Bild: um Laufen zu lernen, muss man hinfallen. Daran führt kein Weg vorbei. Ich habe bemerkt, dass es mit allem im Leben so ist.

Wenn wir etwas wollen, oder etwas nicht wollen, wenn etwas können wollen, etwas haben wollen, etwas besitzen wollen, etwas beherrschen wollen, egal was es ist, immer wir müssen den notwendigen Weg auch gehen, um diese „Ziele“ zu erreichen.

Jeder, der uns erzählt, es gäbe Abkürzungen zum Reichtum, zu Wissen, zu Können, der verkauft uns einfach nur etwas, der möchte unser Geld oder unsere Lebenszeit.

Unsere ganze Gesellschaft ist auf diesem Prinzip aufgebaut. Das macht es nicht gerade leicht, diese zweite Grundregel anzuerkennen. Aber es gibt einfach keine Abkürzungen im Leben. Wenn Du dies tust, dann wirst du glücklich. Wenn du dies isst, dann nimmst du ab. Wenn du diesen Abschluss machst, bekommst du einen Job. Wenn, dann…

Aber wir können den Folgen unserer Taten nicht entgehen. Diese Worte ergänzen den zweiten Grundsatz. Ich kann es gerade nicht wirklich beschreiben, wie tief gehend dieser zweite Grundsatz mein Leben beeinflusst hat und wie schön es für mich ist, wirklich zu wissen, dass es für niemanden Abkürzungen gibt. Damit habe ich aufhören können, Abkürzungen zu jagen, Abkürzungen zu wollen. Dieser Grundsatz gibt mir eine unglaubliche Zuversicht und Ruhe und auch Kraft. Gut zu wissen, dass es in diesem Universum keine Abkürzungen gibt.

# Liebe Angst
Die letzte meiner Grundsätze fürs Private für heute. Es geht darum, anzunehmen, was ist. Ja, es ist immer alles schon vorhanden, das steht da oben in meinem Blog als Erinnerung an diesen dritten Grundsatz. Liebe auch Deine Angst. Ich wollte nur zwei Worte, und nur deshalb steht dort nur Liebe Angst. Es ist damit eine Aufforderung!

Es geht darum, meiner Angst, meiner Trauer, meiner Scham nicht mehr auszuweichen. Sie nicht mehr weg zu schieben, zu unterdrücken, zu dämpfen, zu ignorieren.

Es geht darum, zu erkennen, dass diese Impulse in uns vorhanden sind, und auch Ausdruck unseres am Lebens seins sind.

Denn nur dann ist Heilung, nur dann ist eine Entwicklung möglich. Erst wenn man sich liebevoll, freundlich und mit aller Aufmerksamkeit auch diesen Seiten öffnet, auch die dunklen Seiten anerkennt, ja sich sogar mit seiner Angst anfreundet, wenn man erkennt, dass man nicht perfekt, ja dass man broken, kaputt, unvollständig, fehlerhaft, flatterhaft, verloren ist, erst dann öffnet sich ein Ausweg, erst dann ist Transformation, wirkliche Entwicklung möglich.

Ich sage auch oft: Wo Widerstand ist, ist Wachstum oder dort, wo wir hinschauen, entwickelt sich, verbessert sich etwas. Das sind einfach nur Ableitungen dieses Grundsatzes. Es geht darum, unserer Angst vorm eigenen Tod, der Angst, alles und jeden zu verlieren, die wir lieben, es geht darum, dass die Angst vor Krankheit, Schmerz und Leid anzunehmen und als das zu begrüßen, was sie sind: ein blosser Ausdruck unseres am Leben seins, ein Zeichen unserer Lebenskraft, unserer Lebensenergie.

Viel zu viele Worte für meine drei einfachen, ehernen Grundsätze fürs Privatleben.

 

2 thoughts on “Meine drei ehernen Grundsätze im Privatleben

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