Einander Verstehen

Gestern fand unser 13. mtc Sommerfest statt und ich muss hier meine Rede posten. Die Rede, die ich nicht gehalten habe. Gestern habe ich zum ersten Mal einfach frei gesprochen. Es war gut. Für das Pat Parelli Zitat habe ich nochmal kurz nachschauen können, dass konnte ich immer noch nicht auswendig.

Wir hatten einen so schönen Abend, ich hab mich so wohl gefühlt im Kreise der Gemeinschaft, die um unsere Organisation herum, um uns herum, in den letzten 13 Jahren entstanden ist. Bin noch ganz betäubt und erregt, habe auch nur 5h geschlafen.

Ein paar Bilder packe ich jetzt noch dazu und verabschiede mich dann mit Familie für ein kurzes Wochenende nach Prag. Am Montag bin ich zurück im Wald für die letzte Woche meiner Natural Horsemanship Trainerausbildung. Den Juli werde ich auch noch dort verbringen, um den ganzen Input zu verdauen und zu überlegen, wer ich dann bin und zu entscheiden, was ich ab August tun möchte.

So, genug! Jetzt die Bilder und die Rede.

Herzlich Wilkommen! Liebe Familie, liebe Freunde, Kollegen, Partner! Ich spreche heute ein paar Minuten über:

/natürlich vs normal/
/anstrengend vs. leicht/
/gemeinschaften vs. beziehungen/

Normal ist das Gewöhnliche, immer wenn wir „normalerweise“ sagen, wenn wir einem Standard einer Norm entsprechen wollen, wenn etwas eben so ist, wenn man etwas eben so macht, das ist doch mal wieder typisch.

Das Normale schadet dem Planeten, es zerstört unsere Umwelt, unserer Natur und unsere Lebensgrundlage. Das Normale kann viel Leid bei mir, bei meinem Umfeld erzeugen. Es macht Angst, nicht normal zu sein!

Dagegen steht: natürlich. Wir sind alle Menschen, natürlich. Wir haben eine Intution, wir sind alle anders, wir handeln auch mal insitinkiv, ohne zu viel Nachzudenken, wir sind aussergewöhnlich, wir sind einfach, wir sind schön, wenn wir im Flow sind, dann sind wir einfach anders. Wir Schaden der Umwelt weniger, wir erzeugen weniger Leid, wir haben keine Ansgt!

Es ist furchtbar anstrengend, normal zu sein. Es strengt mich unglaublich an. Ich bin, wir sind wirklich gut darin, normal zu sein. Wir denken, wir könnten uns sonst diesen Abend nicht leisten. Wir sind mitten in Kreuzberg, haben ein grossartiges Catering, eine phanstische Deko, ein tolles Orga Team. Ein Riesen Applaus an dieser Stelle bitte für deren Leistung!

Wenn ich es jetzt könnte, würde ich heute Abend hier gerne einfach ich sein. Mich dabei nicht anstrengen müssen, damit ihr mich mögt, damit ich in Eurer Mitte bleiben kann. Ich möchte am liebsten einfach sagen, was mit in den Kopf kommt.

Denn ich glaube fest daran, dass es geht, das es einen Weg gibt, den jeder gehen kann! Wenn wir aufrichtig zu uns selbst und anderen sind, wenn wir freundlich zu uns selbst und anderen sind, wenn wir immer wieder den Mut finden, aufrichtig und freundlich zu sein, oder es immer wieder versuchen, zu sein.

Gemeinschaften erzeugen Gruppenzwang, sie erzeugen Gruppendruck. Gemeinschaften erfordern das geradezu, denn sie definieren so oft erst einmal ein „normal“. Man gehört nur dann dazu, wenn man eine bestimmte Anforderung erfüllt, ein Profil, eine Qualifikation hat.

Das ist anstrengend! Überall! Auch im Wald bei den Pferden. Gemeinschaften aber bestehen in erster Lienie aus Beziehungen zwischen jeweils zwei Menschen. Und hier wird es wieder leicht, wenn man sich das anschaut!

Denn Beziehungen, die natürlich und leicht sind, das können wir, das haben wir alle schon mal erlebt, wenn es vielleicht auch nicht immer anhielt.. Aber wenn wir versuchen, den anderen einfach besser zu verstehen? Dann entstehen Beziehungen. Und dann klappt es vielleicht auch mit einer natürlichen Gemeinschaft, basierend auf Beziehungen, die auf Verständnis füreinander basieren.

Und genau das ist meine Vision, mein Traum von mtc, mein Traum von meinem Leben.

Erfolg ohne Zwang, Partnerschaft ohne Dominanz, Teamarbeit ohne Angst, Bereitschaft ohne Einschüchterung, Harmonie ohne Nötigung. Das wäre es, das ist mein Traum. Ich weiss, es geht!

Erfolg, Partnerschaft, Teamarbeit, Ja füreinander, Harmonie untereinander, das wünsche ich mir für mtc im nächsten Jahr! Darauf möchte ich mit Euch anstossen. Prosit. Auf das nächste Jahr zusammen!

Eh wir ans Buffet gehen, möchte ich mich noch bedanken.

Ich bin allen meinen Lehrern dankbar!

Ich bin Euch, meiner Gemeinschaft unendlich dankbar. Danke bei meiner Familie, meinen Freunden, all meinen Kollegen, bei meiner Gemeinschaft!

Ich bin aber auch allen dankbar, die ich nicht kenne, die aber möglich machen, das wir hier heute feiern können.

Nun lasst uns den Abend leicht geniessen! Lasst um besser kennen lernen, lässt uns einander besser verstehen!

Ich eröffne hiermit das Buffett… und stosse auf unser aller Wohl an! Auf uns! †

Hier eine kleine Bildergalerie von meinem iPhone (und Matzes!)

Miteinander, Füreinander

Tag 1, Horsemanship Diary

Jetzt beginnt der zweite Tag hier bei der Weinzierl Horsemanship Academy 2019. Ich sitze in der Sommerküche. Habe grade angeheizt, mir einen Kaffee gemacht und Deutschlandfunk Kultur Spotify Playlist angemacht.

Bin seit Samstag ganz spät Abends hier. Der Sonntag verflog damit, meinen Charlie aus der Tierklinik zurück zu holen und zu versorgen, mich in meinem Zimmer einzurichten und den Trecker zum Abziehen der Wiesen fertig zu machen, Steine von den Weiden abzulesen und dann schon ein paar Runden mit der Egge zu drehen.

Die anderen kamen nacheinander an und wurden begrüßt. Wir haben dann abends zusammen Lasagne in drei Varianten gemacht: bolognese, vegetarisch und eine dritte vegane Lasagne. War meine erste Lasagne, hab einfach auf chefkoch.de gesucht und gefunden und die Mengen verdoppelt.

Gestern morgen startete ich zeitig 5:30 und schaffte es sogar, zu meditieren. Das hatte ich mir fest vorgenommen, auch hier den Tag mit dieser Praxis zu beginnen. Eigentlich schon angespannt und den Kopf voll mit den Dingen, die zu erledigen sind. Gerade dann finde ich es wichtig, sich 20min hinzusetzen und nur zu atmen. Das klappte gut.

Am Vormittag gab es die grosse Erstbesprechung. Ich hab einfach, wie es meine Gewohnheit ist, mitgeschrieben und gleich ein Protokoll erstellt.

Am Nachmittag gab es die Ankaufsuntersuchung, also prüfte die Trainer hier, was für Schüler sich hier angemeldet hatten. Wir hatten jeder 20min Zeit im Roundpen mit einem Pferd zu zeigen, was wir schon können. Das war gleich zum Start eine schöne Prüfungssituation und ein Sprung ins kalte Wasser. Mir macht sowas Spass auch wenn ich sicher noch viel rumstümpere und unpräzise, ungenau bin. Ich durfte ein toll ausgebildetes Pferd nehmen, Charlie steht noch in der Krankenbox und darf sich schonen (eine Knieverletzung heilt gut ab).

Dann bin ich wieder auf die Weide und habe weiter die Egge gezogen bis der Hintern brummte und es Zeit zum Abendessen war (Kartoffeln mit Quark).

Danach Tagesfeedback Runde und kurze Vorstellungsrunde mit den Fragen: wie verdienst Du bisher Deinen Lebensunterhalt? Und was denkst Du, passiert nach der Academy, möchtest Du mit der Ausbildung hier einmal Deinen Lebensunterhalt bestreiten?

Zehn unterschiedliche Antworten gab es. Einige Gemeinsamkeiten, ein paar Unterschiede. Wir haben vom Abiturienten über gestandne Geschäftsfrauen bis zu Pferdehofbetreiberin oder Tierheilpraktikerinnen alles dabei.

Ich bin so froh, dass ich hier sein kann. Dass mein Unternehmen in Berlin es möglich macht, dass ich von hier aus für sie da sein kann. Dass ich nicht jeden Tag ins Büro muss, sondern dass ich mich hier weiter entwickeln kann um mit dem Gelernten weiter für sie da zu sein. Mir wurde so bewusst, dass mein Leben dann am erfülltesten ist, wenn ich für andere da bin. Und das nicht allein sondern am besten gemeinsam. Götz Werner nannte das: „Miteinander, Füreinander Tätig Sein“, dass sei der Sinn unseres Daseins hier auf der Welt. Wir sind soziale Wesen, wir brauchen andere Menschen, eine Gemeinschaft in die wir uns einfügen, in der wir für andere und anderer für uns tätig sind.

Dieser Ort hier im Wald macht mir das so überdeutlich. Eine zusammengewürfelte Truppe von Menschen, die das Interesse am Horsemanship eint. Menschen, die hier leben und diese Ort für andere öffnen, uns einladen, auf Zeit mit ihnen zu leben, zu wohnen, zu arbeiten und zu lernen. Mich berührt das tief.

Ich schliesse mein Tagebuch mit einer kleinen Galerie der Eindrücke von den ersten beiden Tagen. Viel Spass beim Durchklicken.

So, doch noch zwei Videos vom Tag gestern. Einmal ein kurzes Stück vom Trecker fahren…

Und dann eine schöne indirekte Lektion von Moirin: Falling Leaves mit einem der Ausbildungspferde hier.

Wünsche Euch einen guten Tag! Moment zu Moment!