Tagebuch Teil III

Manchmal bin ich einfach so traurig, manchmal auch böse, manchmal einfach nur schlecht drauf, dann gucke ich ganz ernst. Das halte ich für notwendig. Wie diese schöne Analogie, bei der natürlich alle schönen Blumen auf Erde, auf Mist, auf Kompost wachsen. Eine notwendige Bedingung für Blumen ist also Mist. Ohne Mist kein Rosenduft, keine Tulpenfarben, keine zarten Blütenblätter.

Damit ich ordentlich lachen kann, witzig drauf bin, schlagfertig, positiv, kommunikativ sein, bedarf es auch einer anderen Seite. Diese andere Seite ist bei mir oft gedanklicher Schmerz: Anstrengung und Schwere. Das wechselt sich ab, wie das Atmen. Die Atemzüge sind länger, ein paar Stunden, manchmal ganz selten auch Tage. Aber nach dem Einatmen kommt immer auch ein Ausatmen. Das ist richtig gut, zu wissen.

Skeptisch bin ich sofort, wenn mir jemand erklärt, dauerhaft glücklich zufrieden postiv sein zu können. In meiner Welt geht das nicht. Wie sollen Blumen auf Blumen wachsen? Die Blumen müssen erst Mist werden. Wie soll man nur Einatmen? Dann platzt man doch.

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Stay on message! Hab gestern über Jeff Bezos gelesen, dass er dazu ein unglaubliches Talent hätte. Sei eine wichtige Eigenschaft für einen der erfolgreichsten CEO in der aktuellen Geschichte des Planeten. Dazu erinnere ich noch: keine Angst und sich nichts mehr beweisen müssen.  Das sagt ja wieder mehr über den Schreiber aus, als über Jeff, aber egal. Habe ich gestern ab und an drüber nach gedacht. Hat ja etwas mit meinen Werten zu tun, und ob diese Werte der Maßstab meines Handelns sind oder eben nicht.

PS: das ist im übrigen die Generation WhatsApp/Facebook. Mutter und Sohn, sie schon verrentet, treffen sich im Felix Austria, um gemeinsam mit Dritten zu chatten.

Es ist etwas unklar, ob ich grade noch Urlaub mache oder nicht. Ich liebe diese Unklarheit und die daraus resultierenden Gedanken. Letzte Woche war ich eindeutig weg. Diese Woche verbringe ich in Berlin. Bin vormittags, bis auf Mittwoch, im Büro gewesen und hab etwas Formalkrams erledigt, aber keine Meetings, ausser ein paar Telefontermine.

Heute Nacht träume ich von unseren nächsten Strategietagen und einem darauf folgenden Zeitungsartikel. Die Strategietage fanden in einem etwas schwierigen türkischen Hotel statt, weitläufig und unorganisiert. Meine Schuhe blieben am Eingang liegen. Wir fühlten unsere Gemeinschaft. Der darauf folgende Artikel erinnerte mich an die Berichterstattung über die Bundesdruckerei. Ein, zwei Fakten stimmten, aber der Rest war einfach spekuliert. Dass dies nun mit uns passierte, fand ich sehr interessant.

Als ich dann aufstand, gab es einen weiteren starken Gedanken!

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Wenn ich eine Ablehnung, einen Ärger, ein Nein, ein Unwohlsein, eine Unfreundlichkeit erlebe, suche ich nach einer Erklärung. Warum geht es mir jetzt so? Was ist der Auslöser? Was ist die Ursache?

Manchmal passiert es mir, dass wenn meine Hilfe, meine Unterstützung, ein Rat, meine Zeit und Aufmerksamkeit verlangt wird… dass ich ich dann unwirsch reagiere. Beim darüber Nachdenken, bin ich wieder mal bei den Hungergeistern gelandet.

Wie kann ich es erklären?

Es geht um die Ursache, die Absicht hinter unseren Handlungen. Wenn die Absicht unrein ist, also in unserem Ego oder Angst oder Gier liegt, immer dann fühle ich dieses starke Unwohlsein. Dann will ich wohl nicht Teil davon sein. Dann will ich nicht helfen. Und dann reagiere ich erst mal unwirsch. Oft sehr spontan, überraschend, unerklärlich für mich. Wie eine Welle an Aggression, aber eher eine Abwehr. Ich will mich verteidigen, gegen diesen Angriff auf mich, mein Leben, meine Energie.

Der andere versteht nicht, was in mir passiert und wundert sich über den Ausbruch, die Attacke, diese Ablehnung. Was ist denn nun schon wieder mit Dir los?

In diesem Momenten zurück zum Atem zu finden, freundlich und bei mir zu bleiben, ist eine schöne Herausforderung für mich. Ich gönne den anderen ihre Hungergeister nicht. Ich will mit den Folgen nichts zu tun haben.

Es ist mein eigener Hungergeist, der mich so aggressiv werden lässt. Mein eigenes Ego, welches mir sagt, dass ich dem anderen jetzt nicht Helfen kann. Mein Ego rationalisiert dann und findet Gründe, warum mein Ausbruch ok war, warum ich rein sachlich, faktenbasiert Recht habe. Recht haben muss. Es kann doch nicht sein, dass ich unfreundlich bin und nicht helfen möchte.

Das ist das vertrackte an solchen Situationen! Ich verstehe langsam, langsam die Dynamik und die Wechselwirkungen. Es hat etwas damit zu tun, ob ich meinen Einsichten, meinen Werten, meinem Glauben auch wirklich folgen kann. Es geht darum, ob ich danach strebe, meinem eigenen Anspruch an mich, an mein Leben gerecht zu werden. Es geht darum, ob ich es aushalte, daran zu scheitern und wie ich mit diesem Scheitern umgehe. Wie ich damit umgehe, mich und andere scheitern zu sehen; andere, die mir lieb und teuer sind, die mir wichtig sind, nahe stehen, die ich mag, die ich liebe.

Denn genau bei diesen Menschen fällt es mir am Schwersten!

Wieder anfangen. Habe eine Woche Reiterurlaub mit der Tochter gemacht. Wollte Pause machen. Auch hier. Die Woche tat richtig gut. Jeden Tag drei Stunden im Sattel. Mit Hafflingern durch Wald und Wiesen geritten. Am Vormittag eine Stunde in der Halle gelernt. Nun zurück und eine neue Woche fängt an.

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Gestern wurde abends wieder mal ein tolles Himmelsschauspiel aufgeführt. Es war ein grosser Genuss, dabei zu zuschauen. Parallel habe ich der Tochter versucht, Offizierskat beizubringen. Ich kann Phase 10 grad nicht mehr ertragen. Und Mensch Ärgere Dich Nicht geht irgendwie nicht.

Der heutige Morgen fing auch schon wieder ganz fantastisch an. Mit Sport und Meditation ganz ruhig zu Hause. Und wieder ein paar schönen Ausblicken.

Es ist so schön, so viele Bilder so schnell zu posten. Im Harz gab es kein Mobilfunknetz im Hotel (wirklich wahr!) und das WLAN war halt ein Hotel WLAN. Wollte meine Geduld nicht mit dem Laptop trainieren, sondern lieber mit den Pferden.

So! Nun habe ich eben beschlossen, die Bilder vom Reiten und die Bilder davor, vom Besuch in meinem Heimatdort, in extra Posts zu packen.

 

Schöne Wolke, schönes Wetter. Entdecke nach Jahren des Sonnenaufgangs, nach Jahrzehnten, den Abend neu. Aktuell ist es diese Blickrichtung.

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19:14

An späten Nachmittagen, an frühen Abenden habe ich diesen Park im Blick. Entdecke dabei oft einen Moment, den ich gerne festhalten möchte. Das Licht im Wohnzimmer ändert sich. Ein Schatten verschwindet. Eine Farbe erscheint. Der Blick fällt nach draussen. Ah, dort liegt die Wurzel für diese Wahrnehmung.

 

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20:02

Kurz fällt mir ein, dass ich am nächsten Morgen ein Bild für hier haben werde. Ich greife zum iPhone. Und nach dem ersten Bild passiert es immer wieder, dass ich den zweiten, dritten, den vierten Moment entdecke. Ein, zwei Stunden lang.

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20:15

Spannende Erkenntnis: wenn meine Aufmerksamkeit ein halbe, eine, zwei Stunden lang, wenn auch nur nebenbei, bei einem Thema bleibt, dann ergibt sich ein schöner Moment. Fast immer. Es gibt wenige Tage, die nur grau sind und dann ist die Aufgabe, den schönen Moment im Grau zu entdecken noch spannender.

Nun suche ich schon wieder, wie ich das übertragen kann. Das kann man übertragen, auf fast alles, was ich so tue, sei es ein Buch, eine Aufgabe, eine Idee… bleib ich dabei, richte ich meine Aufmerksamkeit darauf, passiert etwas, entwickelt sich etwas, dann entdecke ich.

Heute morgen schöne Entschlossenheit nach schönem Traum, ein zeitiger Start, erster Kaffee auf der Terrasse, Tee in der Lounge, Sport und Meditation im Dojo, nun Schreiben im Café.

Das waren drei All Hands zusammen gestern. Auch nach diesem Vortrag war ich wieder leer. Doch auch gespannt auf die Reaktionen. Abends noch ein schöner Himmel zu Hause. Kleine Übersprungshandlungen, etwas Naschen, etwas Shoppen, etwas Zocken. Aber zeitig im Bett, fast ausgeschlafen.

Die Woche neigt sich dem Ende. Morgen schon frei, dann eine Feier, dann eine Reiterwoche im Harz mit der Tochter. Freue mich gespannt.

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Nun bin ich vom Café zurück ins Büro geflüchtet vor lauter Musik und stickiger Luft. Ein schönes Äusseres ist nicht alles. Hab meinem Ärger zugeschaut, wie er sich aufbaute, wie ich ungerecht wurde, wie ich ihn nicht los lassen konnte.

Dabei denke ich die ganze Zeit darüber nach, wie ich meinen und die anderen Hungergeister eben nicht füttern kann. Wie es schaffe, mich an meine Werte zu erinnern, bei mir zu bleiben, es auszuhalten, wenn in mir und vor mir alles vor Hunger schreit. Füttere mich! Mach, dass es aufhört! Du hast doch gesagt, du hilfst. Du musst jetzt etwas tun, damit ich mich besser fühle.

… … …

Zurück in den Moment. Arne! Lass diese Gedanken los, lass sie weiter ziehen. Gehe zurück in diesem Moment. Atme ein. Atme aus. Lächle. Schau an, was alles da ist. Finde die Dankbarkeit fürs am Leben sein, fürs nicht krank sein, fürs Sehen können, fürs Schmecken können, fürs Denken können… tu etwas damit. Etwas sinnvolles. Ordnung schaffend. Strukturen erkennend. Annehmend. Vergebend. Nicht wertend!

Meine Taten sind der Boden, auf dem ich stehe!

Habe mich erinnert an Die fünf Gewissheiten. Sie bilden den Abschluss meiner Vorbereitung für das All Hands heute. Denn es soll um die fünf Schlüssel für erfolgreiche Teams gehen. Google hat eine Studie erstellt und viele seiner Mitarbeiter und Teams befragt und das ausgewertet und auf einem ihrer Blogs veröffentlicht.

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Können wir uns aufeinander verlassen? Ist die erste Frage, von der abhängt, ob wir als Team gut zusammen funktionieren. Liefern wir die nötige Qualität in der vereinbarten Zeit auch wirklich ab?

Sind die Aufgaben, die Rollen und Pläne für jedes Teammitglied klar? Mit dieser Frage kann ich beliebige Komplexität erzeugen. Auch hilft es, zu begreifen dass in der Antwort das Ergebnis liegt, Klarheit über die Aufgabe ist oft erst am Ende möglich. Es bleibt als Daueraufgabe, ein Teil des Prozesses ständig mehr Klarheit über die Aufgaben, die Rollen und die Planungen zu erzeugen.

Arbeiten wir an etwas, dessen Sinn und Bedeutung wir begreifen? Erkennen wir die Abhängigkeiten, die Auswirkungen unserer Arbeit? Nur wenn wir unsere eigene Tätigkeit in einem Team, in einer Organisation als sinnvoll begreifen, können wir gute Arbeit leisten.

Verstehen wir, dass unsere Arbeit auch eine echte Auswirkung hat? Wenn wir nicht erkennen können, dass unsere Arbeit unsere Organisation wirklich zum besseren verändert, sind wir nicht mit ganzem Herzen dabei, sind wir nicht gut.

Und der letzte und wichtigste Erfolgsfaktor:

Fühlen wir uns psychologisch sicher? Wenn wir Risiken, also die Verantwortung für unser Handeln selbst übernehmen, dann brechen wir sicher auch manche Regeln der Vergangenheit. Werden wir dafür blossgestellt, beschämt, verurteilt, bringen wir keine Leistung, können wir nicht gut arbeiten. Wenn wir uns offen und verletzbar zeigen können, wenn wir uns sicher fühlen, dann arbeiten wir effektiv zusammen.

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Eine schöne Studie!

 

Sitze schon im Cafe! Heute gab es späten Sport im Dojo, dann Mediation. Bin etwas liegen geblieben nach vielen, starken Träumen. Auch in der Meditation kamen ganz starke Bilder. Das hab ich selten.

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Hatten gestern das erste Leadership Seminar in der Firma. Lief gut, die Planung ging auf, bin zufrieden mit dem Ergebnis. Welche Folgen der Termin haben wird, wir werden sehen. War sehr leer danach. Das ist immer ein gutes Zeichen. Am Nachmittag dann wieder Karate. Das war anstrengend. Aber nur, weil ich es einfach nicht kann. Die Bewegungen sind komplex. Ich beherrsche sie einfach nicht. Stümpere vor mich hin. Das ist schwer auszuhalten.

Machmal fange ich an zu kämpfen? Nicht das Karate Kämpfen. Ich meine den Kampf mit mir selbst. Wenn ich das Nichtwissen, den Kontrollverlust nicht aushalte. Wenn meine Unruhe mich übermannt und ich mich selbst erkenne.

Es gibt aber auch die Phasen, in denen ich ruhig vor mich hin bastele. An meinem Leben, an meinem Sein.

Irgendwie ist die Intensität so anders, so viel stärker. Die Intensität des Lebens, beim Kämpfen und zwischen den Kämpfen.

Permanente Überforderung. Permanente Unzufriedenheit.

Es gibt seltene, so wertvolle, sehr geschätzte, erstrebte, ersehnte Momente der Zufriedenheit, der Balance. Ich vermute, es die die kurzen Momente, in denen es kippt. In denen die Phasen sich abwechseln.

Sitze im Balzac, dem Ort der ehemaligen Espressolounge. Ich erinnere mich an den Beginn, an die Zeit in der ich in der Espressolounge neu und allein war. Ich mag den Ort so sehr. Die Ecke Bergmann, Schleiermacher. Den Ausblick. Die Ruhe. Die leise Caféhausmusik. Der freie Raum. Der Platz.

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Es ist ein schöner Ort, der zum Glück Café geblieben ist. Und ich muss ehrlich sein und ich darf zugeben, der Ort ist nun schöner als vorher.