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Motivationstraining

Berlin, Tag 1143

Ausgeschlafen, zeitig hoch, Frühstück und dann auf zum Reiten. Heute Doppelstunde.

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Hat richtig Spass gemacht. Hab ganz in Ruhe das Pferd fertig gemacht. Die sind jetzt so staubig, noch mit Winterfell, kriegt man kaum sauber ohne feuchtes Handtuch.

Dann im Schritt konnte ich alle Gleichgewichtsübungen fast ohne Anweisung der Trainerin machen. Hab einfach angefangen, alle Übungen, an die ich mich erinnerte von alleine abzuspulen. Apfel pflücken, Hände schräg hoch, dabei Oberkörper – nicht die Hüfte – drehen, als ob man einen Hechtsprung vom Pferd machen will, vorne rechts links, vorne überkreuz, hinten rechts links abklopfen. Pferd umarmen. Und dann auf ausdrücklichen Wunsch der Trainerin, das früher (pah! vor 4 Wochen;) sehr unangenehme, Bein übern Hals in den Damensitz und dann wieder versuchen, die Hände überall hin zu kriegen, nur nicht an den Hilfsgurt.

Das ganze dann nochmal wiederholt im Trab. Also nicht im Damensitz, aber ohne in den Bügeln zu sein. Dafür als Hilfe vorher noch ein Rekalibrieren des Gleichgewichtssinns: zehn mal die Augen erst im Uhrzeigersinn viertel, halb, dreiviertel, um kreisen lassen. Dann entgegen dem Uhrzeigersinn wieder zehn mal. Hammer, was das ausmacht. Ist so, als ob in einem ein Schwungrad angestellt worden ist und man nun überhaupt nicht mehr runterfallen kann, so rein physikalisch gesehen. Das Ding merk ich mir! Muss ja auch bei der Drohne den Kompass ständig neu kalibrieren: mit einem Drohnentanz. Das das bei mir selbst auch geht, tss! 🙂

Noch ein schicke Übung war die Dehnung meiner Hals und Nackenmuskeln: erst mal rechts und links schauen, wie weit das Blickfeld ist und den Punkt merken, den man grade so sehen kann. Dann die, Hand vors Auge heben, am Handgelenk locker runterklappen lassen, das Handgelenk anschauen und erst mit der Hand langsam rechts und links drehen, so weit man eben kommt und dann seitenverkehrt nochmal, Hand nach rechts und die Augen links. Alles zehn mal. Wenn man danach nochmal versucht, weit nach rechts und links zu schauen, geht das etwa ne viertel Drehung weiter. Unglaublich, wie weit sich so ein alter Nacken noch drehen kann.

Danach letzter Akt im leichten Trab und dabei dann wieder ein magischer Moment: ich glaub, ich war total eins mit dem Pferd, voll im Takt. Ich konnte im leichten Trab im Rhythmus des Laufens des Pferdes, vorne, hinten, oben, überall abklopfen in zwei verschiedenen Geschwindigkeiten, ganz schnell also immer wenn ich oben und unten war, oder hinten abklopfen, wenn ich oben war, vorne abklopfen, wenn ich unten war. Das aber sowas von mühelos, dass es mich so richtig breit grinste.

Danach durfte ich zur Belohnung wieder ein paar Runde alleine durch die Halle, diesmal die Zügel im Westerngriff nur in der rechten Hand, um zu sehen und zu lernen, wie man ein Pferd über die jeweilige Aussenseite lenkt.

Man zieht nämlich nicht am rechten Zügel, wenn man rechts abbiegen will. Das weiss ich jetzt. Das denken nur Anfänger und machen die armen Pferde damit kaputt und wundern sich, warum die bockig sind. Viel, viel natürlicher ist es, wenn man den äusseren Zügel „anlegt“ und den inneren Zügel locker lässt. Also beim Rechts abbiegen, den linken Zügel nach rechts ziehen, und den rechten Zügel einfach locker lassen. Dabei noch den äusseren Unterschenkel mit nach hinten ziehen, passierte bei mir heute ganz natürlich. Und so drückt eine Wand aus Zügel, der am Hals anliegt, und Unterschenkel das Pferd in die gewünschte Richtung. Hah!

Es war das erste mal in meinem kurzen Reiterleben, dass sich ein Abbiegen natürlich und richtig angefühlt hat. Damit war das ein richtiges Motivationstraining heute. Und ich freu mich dermassen auf das, was da noch kommt.

Wird ja sicher nicht weniger anstrengend oder leichter, aber die Belohnungen durch solche Gänsehaut- oder Aha Momente ab und zu machen aber jeden Schweisstropfen, Muskelkater und Unsicherheit mehr als wett.

Ob ich nun schon diesen Sommer, oder erst nächsten oder übernächsten zu meinem Traum eines freien Ausrittes im Galopp über die Wiesen komme, völlig egal. Aber dass ich da jetzt weiter dran arbeite und dran bleibe, das habe ich ich heute ganz klar bemerkt.

Dabei schlepp ich seit gestern sogar eine leichte Erkältung mit mir rum, aber die merk ich eigentlich nur im Bett, oder wenn ich zur Ruhe komme. Auch spannend, wie man sich gesund fühlt – wenn man Spass hat, etwas macht, etwas liebt, ein Ziel hat.

Hui, ist jetzt fast ein Tschakka Post geworden. Wer weiss, was da für Drogen da beim Reiten ausgeschüttet werden. Sind Endorphine, glaub ich, die machen sowas wohl.

Also, bei Erkältung empfehle ich ne Reitstunde bei Carola, Endorphine, statt Aspirin Complex mit Ephedrine. Hilft viel besser! 🙂

Patent-Treffen in Hamburg

Gestern war ich viel unterwegs. Hab Abends an einer Veranstaltung der Handelskammer Hamburg teilgenommen. Da war ich vor ein paar Jahren schon mal. Ist ein jährliches Dankeschön an die Patentanwälte der Hansestadt, die kostenlose Erfinderberatungen im IPC – dem Innovations- und Patentcentrum anbieten.

Traditionell kommt sogar die Präsidentin des DPMA, nur gestern nicht, da wurde sie vom Vizepräsidenten vertreten. Ich finde solche Veranstaltungen immer wieder spannend, völlig neue Leute, neue Themen, neue Impulse. Hat sich gelohnt! Danke an die Kollegen im IPC Hamburg für die Vorbereitung und die nette Betreuung während des Abends.

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Unten dran meine Mitschrift auf dem iPhone während der Vorträge, mit twittern kann ich immer noch nicht, aber die Sachen, die ich höre und die hängen bleiben, incl. ein paar Bilder, das kriege ich schon aufgeschrieben. Kleine Warnung: das ist sicher eher was für Patentfachleute und nicht für den Laien.

 

31. Patent-Treffen in Hamburg

martin dehn (vorsitzender hk arbeitskreis patente und lizenzen)

begrüssung der teilnehmer

hamburg bekommt eine der vier deutsche lokalkammern des europäischen patentgerichts

zitiert aus schreiben ihk hamburg, schreiben ihk nord an bmj wg. werbung zur einrichtung der lokalkammern, die zum erfolg führten

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günther schmitz (vizepräsident des dpma)

hat in hamburg an bw uni maschinenbau studiert (vor 40 jahren), hat sich in hh zur fachkraft für arbeitssicherheit weitergebildet

2015: 66 889 anmeldungen, rekord seit 1981 (seit neuem patentgesetz mit aufgeschobener prüfung, zahlen vorher nicht vergleichbar)

wachstum durch auslandsanmeldungen, inland seit 2009 mit 47.300 im inland stabil

hamburg: olympus, airbus, beiersdorf
46 anmeldungen je 100k einwohner, platz 3,
absolut: platz 9
a61, b64, f03, b66
windkraft: f03d, schiffe: b63 sehr geringe bedeutung
prüfungsverfahren:

eingang 43.397 vs erledigungen 33.483
= +9.914 stand 3/2016

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marken: +11,4% in 2015
hamburg: ndr, tschibo, desmoid, bauer g+j
absolut: platz 7, 205 je 100k einwohnern platz 1

gbm: verringerung auf ca 14.700

ausflug gebrauchsmustergesetz
ab 1. Juni 1891, ab 1.10.1981 in kraft
arbeitsgeräthschaften
ab 5. Mai 1936 erfordenis schutzanspruch, zeichnung
ab 7. März 1990 abschaffung des raumformerfordernisses, technische erfindungen ohne verfahren: kleines patent

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interessant bei vorbenutzungen oder vorveröffentlichungen, gbm ist immer abzweigbar aus einem anhängigen patent mit geringen kosten, schneller eintragungen und als nationales schutzrecht in wenigen ländern verfügbar

aktuelles zum einheitspatent
in kraft: ca 05/06 2017

ende 2015:
einigungen über gebühren, verteilung: 50% der gebühren werden vom epo an die länder per schlüssel verteilt (komplex)
jetzt: operative einführung

18. verfahrensordnung ca gegen ende 2016
ratifizierungen schreiten voran: ungarn, italien, uk und nl in 2016, in dt liegen zwei referentenentwürfe zur ratifizierung vor, parlamentarisches verfahren zur einführung des epgü notwendig

michaela opfer (leiterin projekt: einrichtung und betrieb der lokalkammer hamburg)

agenda:
rechtsgrundlagen, aktueller stand
vergleich einheitspatent vs bündelpatent
aufbau u zuständigkeit des EPG

a. einheitspatentsverordnung nr 1257/2012
schaffung des patentschutzes (ohne spanien, kroatien)

b. sprachenverordnung nr 1260/12
übersetzungserfordernisse

c. völkerrechtliches übereinkommen EPGÜ
schaffung gerichtsbarkeit

tritt 4 monate nach ratifizierung in kraft
(mind 13 länder, darunter de, dk, fr, aktuell haben 19 ratfiziert, darunter fr)

über 400 punkte in verfahrensverordnung

ab mai/16 starten die bewerbungsverfahren der richter (über 1.600 bewerbungen schon im interessenbekundungsverfahren)

unterschiede zw ep und up

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aufbau und zuständigkeit

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multinationale besetzung

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danach viele, viele details über u.a. zuständigkeiten und sprachen und vertretungsbefugnisse, dann verfahrensabläufe (schriftliches verfahren, zur vorbereitung einer mdl verhandlung, die nur einen tag dauert)

bsp für gerichtskosten bei verletzungsklage, kosten bei 1 mio streitwert:

festgebühr 11.000€ + streitwertabhängige gebühr 5.000€

bei nichtigkeitsklage: festgebühr 20.000€, keine streitwerabhängige gebühr

aber achtung, bei der erstattung von vertretungskosten:
bei 1mio € streitwert bis zu 112.000€

standort:
innenstadt, im ziviljustizgebäude
nutzung des plenarsaals des landgerichts für verhandlungen

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diskussionsrunde

frage: was passiert bei einem brexit? gibt es schon eine plan b oder ein szenario für diesen fall.

antwort hr schmitz: nein, kein plan b, sondern (lt fr. hubig, bmjv) stillstand und bestandsaufnahme

antwort fr opfer: ratifizierung ist schon durch die beiden unterhäuser in uk, ratifizierung kann trotz brexit erfolgen, aber übereinkommen funktioniert nur mit uk, mind zwei jahre stillstand, keine lösung, jeder hofft

frage: warum machen die spanier nicht mit?

antwort fr opfer: weil spanisch in sprachenverordnung nicht vorkommt

frage: sind technische richter einzelpersonen?

antwort fr opfer: es wird einen pool von ca 50 technischen richtern mit verschiedenen sachgebieten geben, die optional den verfahren besitzen und in allen lokal kammern eingesetzt werden.

frage: werden die nationalen anmeldezahlen durch das ep sinken?

antwort schmitz: das nationale schutzrecht wird gestärkt werden, ist aber kaffeesatzleserei. das nationale patent wurde bei einführung des bündelptents schon für tot erklärt, ist nicht eingetreten. gleiches ist bei der gemeinschaftsmarke passiert. gründe für beliebtheit des nationalen schutzrechts sind nicht ganz klar. persönliche meinung: das ep ist ein patent für internationale anmelder, eher nicht für den europäischen anmelder. wir sind überzeugt, wir bleiben wichtig. ziel bleibt es: alle erstbescheide und prüfungsbescheide im prioritätsjahr zu erledigen.

frage: wann erfolgt endlich fristenangleichung beim dt patent?

antwort schmitz: nicht in dieser legislatur wg ep, wir sind vom bmjv aufgefordert, einen vorschlag zur verschlankung und modernisierung des patentgesetzes unter beibehaltung der vorteile zu machen.

frage: 125 jahre jubiläum gbm, anektote und frage. empfehlung an mandanten: ep + gbm mit rechercheantrag, aber antwort bei gbm ist erst nach erteilung des ep patents erfolgt. wird das gbm vom dpma nicht wichtig genommen?

antwort schmitz: nein, stimmt nicht, aber in manchen technologiebereichen sind die prüfer überlastet. aber bitte nehmen sie verbindung mit uns auf, und bitten um bevorzugung. stumme anmelder sind problem für den prüfer bei der priorisierung.

begrüssung staatsrätin fr katja günther

katja günther (staatsrätin der justitzbehörde hamburg)

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entschuldigung für verspätung. dank für den einsatz der hk für einsatz für lokalkammer. stärkung des rechts- und erfinderstandorts hamburg.

frage: wer finanziert die lokalkammer? vor allem wegen der geringe gebühren?

antwort fr günther: geld ist schwierige angelegenheit und oft flüchtig. für sieben jahre wird hamburg in vorleistung gehen, die einnahmen gehen an den bund. hamburg möchte den rechtsstandoet stärken, die lokalkammer steht uns gut zu gesicht.

hr dehn bedankt sich und eröffnet das italienische buffet.

Statt Retten, besser Helfen…

Im Zug, Tag 1141

Heute morgen aus wilden Träumen zeitig aufgewacht, sehr erholt. Bin noch liegen geblieben. Hab mich erinnert, an das NASA Gebäude mit den unglaublich hohen, offenen Büroräumen, den tollen Designertischen, eine perfekte Weiterentwicklung von Eiermanns und dem Polizisten, der mich rauswerfen wollte und dann doch Nachsicht zeigen konnte, wegen meiner echten Begeisterung.

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Musste zeitig los für ein Treffen in Leverkusen, bin nun auf dem Weg für einen Abend in Hamburg. Morgen dann wieder zurück in Berlin und fast schon Wochenende.

Im Zug gibts kaum Telefon und noch kaumer Internet. Es ist ja nur 2016, wir sind ja nur mitten in Deutschland, ochmannehj. Elektrizität, dass könne sie aber wenigstens, das Licht bleibt wirklich dauerhaft ohne zu flackern brennen, gut! Aber Toiletten, nee, Toiletten scheint auch schwer zu sein, die gehen in vier Wagons nicht.

Ein Satz hat mich heute morgen schwer beeindruckt: wir können ja niemanden Retten… ist eines meiner Mantras. Also, niemand lässt sich wirklich retten, nicht ich selbst, kein anderer, schon gar nicht vor sich selbst. Das ist ein Verwandtes von: es gibt keine Abkürzungen. Dieses jemanden retten zu wollen, es aber nicht zu können, darum ging es vorhin beim Herflug. Ich halte das ganz schwer aus, dass ich nicht alle retten kann, dass ich manchmal weiss, was zu tun, zu sagen, zu machen ist, es aber nicht kann. Man kann ja nicht jeden retten, und dann hat man sie an der Backe, sind die abhängig von einem. Ganz schräge Gedanken, die manchmal darin münden, dass ich gar nichts mache. Dass ich weg gehe, weg renne, mich weg ducke, mich tot stelle, flüchte, erstarre und eben nichts mache. Dabei könnte ich helfen. Nicht retten, aber helfen. Etwas tun, einen Schritt, nur einen Schritt in die richtige Richtung tun, den Weg zeigen, anleiten, lernen und lehren. Aber weil ich ja niemanden retten kann, tue ich es nicht. Helfe nicht und lasse andere Allein. Eine schöne Enttäuschung. Eine schöne Erkenntnis.

Nun geht es leichter, nun kann ich Fragen nach Rettung als Fragen nach Hilfe interpretieren, dann kann ich schauen, ob ich jetzt (nur jetzt) etwas tun kann, ob ich helfen kann. Und dann mach ich das einfach, ohne lange nachzudenken.

Helfen ist nicht Retten. Helfen ist Hilfe. Ich kann helfen!

Pause

Berlin, Tag 1140

Heute wieder zeitig hoch. Es gibt so viel zu tun, dass ich heute wirklich hier mal ne Pause mache und meine All Hands Präsentation weiter vorbereite.

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Pausen

Berlin, Tag 1139

Heut war das nix mit dem Schreiben hier, gab zu viel Krams zu erledigen. 

War sehr früh beim Bäcker. 

Und auf dem Weg zum Notar hab ich das hier gesehen:

  
Fand ich cool, zumal die Lampenhintergründe ein güldenes Mosaik sind. 

  
Und das auf dem Weg zum Notar am Platz der Luftbrücke.

Also, Pausen sind gut. Sie lassen uns sehen. 

Leistung

Zurück in Berlin, Tag 1138

Aus wildesten Träume zeitig aufgewacht, kurz nach 4 schon und konnte nicht mehr schlafen, habe viel an die Arbeit gedacht, die Unruhe gespürt.

Dann gute Morgenmeditation und einen ruhigen, bestimmten Start in den Tag. Hab schon meine Woche durchgeplant.

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Stelle mir die Frage: welche Leistung werde ich erbringen? Wie kann ich messen, dass ich die Leistung erbracht habe? Ist grad die Hauptaufgabe bei mtc für all unsere Verträge mit unserem grossen Kunden. Ist die Aufgabe, vor der die meisten Kollegen bei uns stehen und die echt nicht sooo einfach ist, wenn man es jahrelang anders gewohnt ist und statt der erbrachten Leistungen eben „nur“ die Zeit abrechnen braucht, die man mit der ein oder anderen Aufgabe verbracht hat.

Sicher dabei gibt es auch Termine für Fertigstellung, Termine für Auslieferungen, für Meetings und es gibt auch Leistungsbeschreibungen, Anforderungen, Dokumentationen. Aber am Ende wurde die Zeit abgerechnet, die man mit der ein oder anderen Aufabe  verbracht hat.

Diesen kleinen fundamentalen Unterschied zu begreifen, fällt mir selbst nicht leicht: Leistungen statt Zeit abzurechnen. Klingt einfach, klingt leicht. Hatte heute morgen die Idee, das auch bei mir zu machen und mal zu schauen, wie einfach und leicht das wirklich ist. Muss ja auch für meine Aufgabe hier funktionieren. Es wäre die gleiche Ausrede, wenn ich sagen würde, naja bei mir geht das aber nicht, denn bei mir und meinen Aufgaben ist das was ganz besonderes. Ich glaub auch hier geht es um eine lange eingeübte Art zu Denken und zu Arbeiten, die sich sich grade ändert und weiterentwickelt.

Überall das gleiche, auch bei mir!

Nachbarschaft

Noch Istanbul, Tag 1137

Heute Nacht aus Arbeitsträumen aufgewacht in den Morgen unseres Abreisetages. Ist alles gepackt, steht bereit halb 10 fahren wir los mit vollen vier Koffern.

Bin gestern noch ein wenig durch das Viertel gelaufen, runter bis nach Beşiktaş und wieder zurück. Dabei über den Nachbarschaftsmarkt gestolpert, der hier jedes Wochenende ist, den Kapalı Semt Pazarı.

Hatte nur das iPhone dabei, aber das ist ja wirklich gut genug, selbst für solche Kunstbirnenaufnahmen. Das Leben, die Menschen, die Gerüche und Farben auf diesen Märkten ziehen mich seit ich hier bin, immer wieder an. Habe ja auch schon viele Fotos dabei gemacht, hier vielleicht mit Akcay Bazaar Poeple eine kleine Portraitserie vor ein paar Jahren.

Die Bilder hier sind unbearbeitet, so wie sie aus dem iPhone kommen.

 

Dann noch zwei Videos, wie ich sie schon lange machen wollte. Vorm Haus sitzt ein unfreundlicher Gemüsemann, der um diese Zeit immer Artischocken schält, schneitet und verkauft. Ich will eigentlich schon lange aufnehmen, wie er das so macht. Es ist eine lange, ewig geübte Technik, die er ohne hinzuschauen immer und immer wiederholt.

Auf diesem Markt nun habe ich die Meister der Artischocken gefunden, schaut selbst:

Und noch ein eines:

So krass! Bin immer noch voll begeistert, wenn ich mir das anschaue oder nur daran denke. Mit diesen Eindrücken klappe ich nun zu, geh frühstücken und flieg in die andere, ursprüngliche Heimat zurück an diesem schönen Sonntag.

Entdecke die Nachbarschaft.

Träume

Istanbul, Tag 1136

So, eines der letzten Bilder mit diesem Blickwinkel. Werd ein kleines bisschen nostalgisch, kenne das Gefühl schon von grösseren Abschieden oder Veränderungen, wenn man Dinge oder Orte aufgibt, mit denen man viel Zeit verbracht hat.

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Haben gestern ganz schön geackert. Ok, waren nur ein paar Möbel und 20 Kisten. Aber die haben wir auch gleich wieder ausgepackt. Nach 7 Stunden waren wir durch incl. der 2h Fahrtzeit. Zackzack.

Hab ganz schräge Laune. Merke grade wieder mal, dass ich alles, was ich von anderen will, selber in mir können möchte und nicht mache. Es irgendwie nicht wirklich schaffe, mein Leben so zu leben, dass es mir selber gefällt, meinen Ansprüchen an mich gerecht wird. Die Übung durch die Meditation hilft hier nur sehr begrenzt weiter, weil sie auch keine Abkürzung, keine Lösung ist.

Dann sitzt man Abends so da, denkt über sich nach und merkt das… plötzlich, nicht plötzlich: diese latente Unfähigkeit mein Leben, das was grade ist, anzunehmen, zu geniessen. Dieses Ablenken mit Medien, mit Streiten, dieses einfach nur Dasitzen und vor sich hin grummeln. Das zu akzeptieren, als einen Teil von mir, fällt sehr schwer. So will ich nicht sein. Und diese Wille macht alles noch schlimmer.

Dann fange ich nämlich an, mich zu vergleichen. In allem, was ich lese und sehe, in echt und vor allem im Netz zwackt dann ein Vergleich rein. Ein Artikel über Genscher, ein Post eines Bekannten auf Facebook, ein Foto eines anderen Bekannten, noch ein Bild dort, ein Buch da. Ich vergleiche mit mir und fühle mich klein, unfähig und bedeutungs- und machtlos. Voll schräg!

Denn kann ich diese, meine Stimmung nicht annehmen, suche nach externen Ursachen, identifiziere sie und will sie abstellen, wegmachen, es ein für alle mal lösen. Es muss doch eine Lösung geben. Es liegt sicher hier oder da ran. Dann geh ich zum Arzt und lass mir etwas geben, dann wird es besser. Will eine Pause von diesem Gedankenwust da oben.

Es gibt aber keine Pause. Es ist immer da, das heisst, am Leben sein. Genau das. Meine Wertung, mein Vergleichen, mein scheinbares Wissen ist das, was es so schlimm macht. Nicht das, was hier um mich und mit mir passiert. Es ist immer alles schon da. Es ist immer alles schon gut.

Stelle mir vor, ich wäre ganz woanders, in einem Traumland, das genau so ist, wie ich es immer in diesem Moment brauche, in einem Traumhaus, das alles bietet, was ich so möchte, umgeben von Traummenschen, die mir die Liebe und das Verständnis entgegen bringen, nach dem ich mich sehne.

Und dann macht es erst klick: es ist immer alles schon vorhanden!

Umzug

Istanbul, Tag 1135

Heute Nacht aus intensivem Traum zeitig aufgewacht. Wir leeren unsere Wohnung heute. Fast 6 Jahre haben wir hier gewohnt, gelebt, gelacht, geweint, gefeiert, geschlafen. Nun sind wir nur noch so selten hier, dass wir sie aufgeben. Wir räumen unsere Sachen ins Sommerhaus, ein kleiner Umzug nur.

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Grad klingelt es schon an der Tür. Wow, pünktliche Umzugshelfer.

Wunde Punkte

Istanbul, Tag 1134

Das Extra3 Video macht ja immer noch die Runde, vor allem seit gestern auch noch die Bundesregierung Stellung bezogen hat. Die Kommentare unter dem Post habe ich mit Interesse gelesen. Mich hat das an meine wunden Punkte, meine Knöpfe erinnert.

Jeder hat einen wunden Punkt. Wenn man den berührt, tut es weh, gibt es eine emotionale Reaktion. Wenn jemand viele solcher wunden Punkte hat, nennt man ihn sensibel. Sensible Menschen nehmen sich viel zu Herzen, reagieren häufig emotional. Ich reagiere oft aggressiv mit Ärger oder Schärfe, wenn jemand einen meiner Knöpfe drückt. Ob nun absichtlich oder unabsichtlich ist dabei egal.

Dann gibt es das Phänomen: getroffene Hunde bellen. Also ich habe einen wunden Punkt, der auf einem schlechten Gewissen wegen irgend etwas beruh, habe etwas getan, auf das ich nicht stolz bin und irgend jemand in meinem Umfeld stösst mich mit der Nase drauf. Lässt meine Ausreden und Erklärungen nicht gelten, sondern deckt sie als solche auf.

Zwischen beiden Dingen gibt es einen Unterschied: die wunden Punkte haben etwas mit meinen Werten, meinen Grundüberzeugungen zu tun, die herausgefordert werten. Mein schlechtes Gewissen hat etwas mit konkreten Handlungen zu tun.

Für mich selbst herauszufinden, ob meine emotionale Reaktion auf einer Werteverletzung oder aufgrund einer meiner vergangenen Handlungen beruht, hilft mir weiter.

Einmal kann ich die Werte überprüfen, wo sie her kommen, was die Ursache dafür ist und sie für mich bestätigen oder versuchen sie zu hinterfragen. Das ist keine leichte Aufgabe. Werte haben oft etwas mit meiner Identität zu tun und es kann  sehr anstrengend sein, sich selbst in Frage zu stellen. Was bleibt denn dann von mir, wenn ich meine Überzeugungen, meine Werte aufgebe oder ändere?

Im Falle der Handlungen fällt mir das eindeutig leichter, ich kann mir vornehmen, solche Handlungen in Zukunft zu unterlassen und der wunde Punkt, der auf einem schlechten Gewissen beruht, heilt so ab.

Kenne deine wunden Punkte: prüfe Deine Werte und steh zu deinen Handlungen.