Ruckzuck

Berlin, Tag 1110. Heute kurze Nacht. Bin zeitig wach geworden und hab beschlossen, nicht wieder einzuschlafen.

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Die im Retreat gestarteten Veränderungen haben gestern Nachmittag einen schönen Push bekommen, eine Bestätigung, einen Katalysator. Erst blieb ich cool und freundlich, dann habe ich mich doll erschrocken, dann wurde ich traurig und wenig später überflutete mich eine Tatkraft, eine Lust am Gestalten, am Machen. Das war, in einem Satz, mein gestriger Abend. Der zog sich über knapp drei Stunden hin. Danach habe ich mich von Jeff Bridges in The Big Lebowski in den Schlaf saufen lassen.

Auch jetzt bin ich noch hin und hergerissen, zwischen manno! und okeeee… aber gleich gehts erst mal los zum Reiten. Oh, die Zeit rennt, ich muss los. Bis später, schönen Samstag Euch.

 

 

Sonntagsmix

Bizimköy, 7:13, Tag 885

Heute ein ruhiger Morgen. Gestern wurde noch einsichtig anstrengend. Ein Entenküken am Vormittag. Office 2016 für den Mac ist da. Endlich wieder Excel nativ aufm Mac und sogar eher verfügbar als die Windows Version. Etwas weiter an meinem Stanford iTunes-U iOS Dev Kurs Taschenrechner in Swift gebastelt. Dann ein Besuch des schlechten Gewissens. Ging aber schnell vorbei. Am Nachmittag Strand: Speedminton, Strandlauf, Sonne, Eis, Wasser, Reden, Musik. Und zwischendurch immer mal wieder in Krishnamurtis Awakening of Intelligence gelesen.

Heute ist Sonntag. Bin gespannt, was heute alles passiert. Wie gut ich schaffe, diesmal die Momente zu nehmen, wie sie sind. Nicht zu denken, wie sie sein sollten oder könnten oder waren oder wären. Sondern die Schönheit im Moment zu belassen, so wie sie ist (das war jetzt Krishnamurti).

Die Sonne wärmt schon ganz gewaltig. Die Raben und Krähe verteidigen draussen lautstark ihre wasauchimmer gegen die am Morgen jagenden Katzen hier. Ich höre ihren Unmut, ihren Stress, ihre Angriffslust, resultierend aus ihrer Luftüberlegenheit in ihren Stimmen.

Die Treppe knarrt, die Kleine ist wach! Wünsch Euch einen aufregenden Tag!

Sonntagspause

Berlin, 7:13, Tag 871

Heute Nacht schräg geträumt, lang geschlafen. Die Mädels fliegen gleich vor, ich bleib noch die Woche. Der Sonntag scheint dadurch zerrissen, in vor’m Abflug und nach’m Abflug.

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Gehe jetzt mal in meinen Stealthmode. Allein nur mit mir und allem, was hier an Zeug in Wohnung und Büro und in der Gegend vorhanden ist. Nach vielen Tagen voller Eindrücke, Gespräche, Leben und Lieben, fahre ich mal ein paar Anwendungen runter, lass dem Hirn mal Zeit zu defragmentieren und leere die Papierkörbe. Pause.

Morgen gehst weiter! Geniesst den Sonntag!

Über den Klumpen im Bauch und Smartphones…

Istanbul, 8:21, Tag 713

Heute Nacht habe ich einer Kneipe drei (mir in echt zum Glück unbekannte) Mitarbeiter feuern sollen. Ich habe nur einen geschafft. Da dieser den Barkeeper kannte, liess er mich zur Strafe die Rechnung nicht bezahlen. Ich fühlte mich schrecklich und wachte auf.

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Louis CK mag seinen Kindern keine Smartphones geben, sie sollen erst mal lernen, ihre Gefühle auszuhalten und nicht durch einen Griff zum Smartphone zu unterdrücken. Er beschreibt diesen Klumpen im Bauch, diese Angst vorm Alleine sein, vor Traurigkeit an sich. Und dass dieser Klumpen manchmal aktiv wird, wenn wir alleine mit uns sind. Und dass, nur wenn wir unsere Angst allein zu sein wirklich aushalten, der Körper eine Gegenreaktion startet, die uns erst richtig glücklich sein lässt. Wenn wir uns (durch Smartphones, Arbeit, Sport, Drogen, Fernsehen, Whatever…) nicht erlauben, richtig traurig zu sein, so können wir gar nicht richtig glücklich sein. Louis verpackt seine Erkenntnisse in seinen mit Schimpfwörtern durchsetzen Sarkasmus. Aber mich trifft sein Humor mitten ins Herz. Das Lächeln gefriert und ich fühle mich berührt und getroffen. Und ich bin gerührt und betroffen.

Aleyna liegt neben mir, wir haben schon viel miteinander gesprochen, gespielt, sortiert und gealbert heute morgen. Und ich überlege nun, wie ich ihr so etwas das beibringen kann, ohne ihr das iPad einfach wegzunehmen. Einmal sicherlich, in dem ich lerne, meine eigene Traurigkeit anzunehmen und nicht mehr weg zu schieben. Wie aber funktioniert Emotionsregulation bei uns Erwachsenen, anders als über Smartphones und Äquivalente eigentlich? Und wie funktioniert es bei unseren Kindern? Sie leben doch noch so viel mehr im Moment. Sie kennen so viel weniger Regeln, aber sie haben auch ein paar Fähigkeiten noch nicht. Ich sollte eher versuchen, es ihr nicht abzutrainieren, eher von ihr lernen, eher genau beobachten.

Meine Fähigkeit zur Emotionsregulation verändert sich ständig. Manchmal kann ich das ganz gut. Manchmal bin ich ein Sklave meiner Gefühle und Stimmungen. Manchmal treibe ich nur so dahin. Manchmal geniesse ich die Reise. Manchmal werde ich überwältigt, überrascht, überrollt von Emotion. Manchmal erkenne ich ihre wahre Natur. Manchmal erkenne ich, wie das Leid entsteht. Und manchmal eben nicht.

Unterhaltung statt Pause…

Berlin, 7:13, Tag 655

Auch heute Nacht habe ich geträumt. Beim Aufwachen war nur noch ein Bild von trainierenden, sich streckenden Athleten da. Ich streckte mich auch. Der Rest verschwand mit dem Schlaf, das Gefühl war positiv und ruhig beim Aufwachen.

Unterhaltung: Fernsehen, Nachrichten, Zeitung, News, Magazine, Spiele, Soziale Netze… all das kommt uns wahr, wichtig und wirklich vor, wenn wir es nur lange genug benutzen. Wenn wir das täglich stundenlang machen, anschauen, lesen werden sie Teil unserer Gedanken. Sie werden Teil von uns. Wir merken dann nicht mehr, dass sie unter anderem deshalb erzeugt werden, uns zu unterhalten, um uns bei der Stange zu halten, um uns Werbung zeigen zu können.

Wir haben sehr viele Argumente derjenigen übernommen, die ihren Lebensunterhalt mit Unterhaltung verdienen. Zum Beispiel, warum es wichtig und richtig ist, immer informiert zu sein. Dabei meinen sie eigentlich: unterhalten zu werden, hinzuschauen, Werbung zu konsumieren. Wir merken das gar nicht mehr. Wir sind so konditioniert. Als Verbraucher! Als Konsumenten! Als „aufgeklärte“ = konsumierende Bürger.

Manche stellen manchmal die Nachrichten in Frage, regen sich darüber auf, merken, dass sie fast nur aus Skandalen und Unfällen, Unglücken und Krisen bestehen. Manche haben keinen Fernseher, sie merken, dass es uns in die Passivität schiebt und auch dabei nur ein Geschäft ist. Je länger, wir passiv Fernsehen schauen, umso besser geht es den Menschen beim Fernsehen, des glücklicher sind die Chefs, desto mehr Geld verdienen alle.

Ich sage hier nichts gegen Unterhaltung an sich! Ich lasse mich auch sehr gerne unterhalten. Ich geniesse die Auszeit sogar. Ich denke nur, wir sollten uns bewusst machen, was wir da tun und wann wir es tun. Wir sollten aufmerksam damit sein und die Ursachen und Wirkungen sehen.

Das gleiche gilt hier. Dieser Blog dient einem Zweck, er dient in erster Linie mir. Ich übe und entwickle mich hier vor Euren Augen. Manchmal möchte ich Euch unterhalten, manchmal möchte ich auch nur mich unterhalten. Manchmal möchte ich bei Euch Werbung machen, manchmal möchte ich hier gar nichts machen. Dabei diene ich nicht dem Zweck des Blogs, sondern der Blog dient mir und meinen Zielen. Vergesst das nicht. Ich bemühe mich auch, das nicht zu vergessen. 😉

Ich wünsch Euch endlich verklärt lächelnd, einen aufgeklärten Tag…

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Was macht ein Istanbuler Eierhändler?

Der letze Traum handelte von überdimensionalen Schüsseln, so gross wie ganze Zimmer, voller Zutaten für verschiedene Essen. Ich flog von Schüssel zu Schüssel und sollte mir alles genau anschauen, gleich ginge das Kochen los. In der Nähe ehemaliger Kernkraftwerke würden jetzt die Sperrgebiete langsam wieder eröffnet werden, die Grundstücksspekulanten haben schon gekauft, die früheren Besitzer würden vielleicht nicht zurück kommen. Ich flog von Kernkraftwerksruine zu Kernkraftwerksruine, ganz niedrig über die vor langer Zeit verlassenen Dörfer in der Nähe der Kraftwerke, die im Grün des Waldes schon fast verschwunden waren und wachte auf…

Bin zurück in Berlin nach einem gefühlt sehr langen gestrigen Flugnachmittag. Habe viele Fotos gemacht, hab gelesen und geschaut und die Zeit mit nur mir allein inmitten der anderen Reisenden sehr genossen. Hatte ausnahmsweise mal mit niemanden in Kontakt, auch das tut mir gut. Nun fängt die neue Woche hier an, ich bin gespannt. Es steht einiges an und weil ich vier Wochen am Stück hier sein werde, fühle ich nicht die sonst immer vorhandene Unruhe, des bald wieder Fahrenden.

Will schon anfangen, mich hier laut zu sortieren, mir fehlt das Thema des Morgens, dieses Postes noch. Es sollte eigentlich das Landlordgames, wenn alles weiter so läuft, dann habe ich morgen irgendwann im Laufe des Tages den Platz 1 der Welt. Dabei werde ich wirklich ganz aufgeregt! Wie ich das genau gemacht habe, will ich aufschreiben. Ich habe vorhin schon über Titel nachgedacht, wird es eher ein wie war das, wie habe ich das gemacht oder eher reflektiv, wie erkläre ich mir das, woran könnte das liegen. Sicher eine Mischung.

Und  dann fängt sofort wieder eine mahnende Stimme zu reden, dass ich doch keine Zeit für so etwas habe, dass doch so viele andere Dinge jetzt wichtig sind. Dann fällt mir ein, was ich alles noch machen könnte, welchem Projekt oder wem ich helfen könnte und sollte, mit wem und worüber ich schon gesprochen habe, wo Erwartungen und Chancen sind.

In diesem Moment wird mir mein riesiges Glück bewusst, genau so arbeiten und leben zu können, wie ich es grade tue! Was für ein Paradies! Ich bin so dankbar und froh! Mir ist das ganz stark zu Bewusstsein gekommen, als ich in Istanbul über einen der riesigen Grossmärkte lief. Entlang an kilometerlangen Industriebauten, drei Stockwerke, Ent- und Beladeplätze für LKWs, Wohnungen, Lager, alles offen, alles voller Dinge, die im Supermarkt im Regal liegen nur in riesigen Mengen.

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Ich blieb neben Trucks voller Eier, die grade auf offener Strasse entladen worden sind, stehen. Mir ist klar geworden, wie viel wir von täglicher, körperlicher Arbeit von sehr vielen Menschen abhängen, als ich dem LKW Fahrern, den Packern zusah und mir das Büro des Eierhändlers vorstellte und die Hühnerställe dazu und dann merkte, dass das die gleichen Pappen sind, die im Üçler (Supermarkt bei uns ums Eck) im Kühlregal sind.

Ich stellte mir vor, wir das wäre, wenn ich hier jeden Morgen herkommen würde, wie ich anfangen würde zu arbeiten, was ich genau machen würde, wo ich dann Mittagessen würde, wie ich aussehen würde. Es erinnerte mich an meine Zeit im Kuhstall, meine Zeit in der Bank, das kurze Jahr als Sani, Busfahrer und Rettungssschwimmer.

Und wie anders ist mein Leben heute! Ich lebe und arbeite so ganz anders. Irgendwie klappt es ja, auch wenn es mir grad schwer fällt, zu beschreiben was es eigentlich ist, was ich da mache: irgendwas mit Computern eben. Softwareentwicklung, -support und Webseiten und Patente auch, also Patentinformationen, denn ob Eure Erfindung patentierbar ist, das kann ich Euch nicht sagen, das macht das Patentamt. Aha!

Ich hab keine Ahnung, was ein Eierhändler so den ganzen Tag macht. Ich kann mir vorstellen, dass die Eierstapler eben Eier stapeln und die Eierfahrer, eben Eier fahren. Aber wie genau und warum? Man denkt, man kennt solche Geschäfte aber wenn man nur ein bischen drüber nachdenkt, merkt man schnell, dass es für mich vermutlich genau so komplex ist, wie Software Entwicklung für den Eier Händler.

Wenn man nur ein wenig drüber nachdenkt, merkt man, dass man vermutlich sehr lange dafür lernen und arbeiten müsste, um davon leben zu können, Eierhändler in Istanbul zu sein. Genauso ist es mit jedem Beruf, mit jedem Leben, man kann das eigentlich nicht niemals vergleichen!

So, nun aber schnell zurück zu meiner eigentlichen Arbeit hier am Laptop und gleich mit den andern im Büro… wünsche Euch einen tollen Start in Eure neue Arbeitswoche!

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PS: als ich eben noch mal ganz schnell durch die Morgenzeitung (meinen Google Reader) blättern wollte, war der Artikel von Kottke hier das erste, was mir aufgefallen ist. Es ging um das vielleicht größte Ei der Welt. Vermutlich würde der Eierhändler nur gelangweilt mit den Schultern zucken, vermutlich…

Nun aber!